Ukraine: Söldner aus Europa kämpfen gegen Rebellen

Lesezeit: 2 min
15.10.2014 00:19
In der Ukraine befinden sich eine Reihe von Söldnern aus Europa und anderen Staaten. Sie kämpfen auf Seiten Kiews gegen die Rebellen im Osten. Sie sind oft Tschetschenen, sind jedoch Staatsbürger von Frankreich, Polen, Spanien, Italien, Dänemark oder der baltischen Staaten. Wer ihren Einsatz finanziert, ist unklar.
Ukraine: Söldner aus Europa kämpfen gegen Rebellen

Söldner und Freiwillige aus Westeuropa ziehen in den Ukraine-Krieg, um gegen die pro-russischen Rebellen zu kämpfen. Unter ihnen befinden sich Personen aus Frankreich, Polen, Spanien, Italien, Dänemark, dem Baltikum, Skandinavien, berichtet die BBC.

Die Beteiligten haben verschiedene Motivationen, um in der Ukraine zu kämpfen. Der Schwede Mikael Skillt kämpft beispielsweise in der rechtsradikalen Bataillon Asow. Im Interview mit BBC sagt er, dass er für die „weiße Rasse“ kämpfe. Skillt hatte zuvor in der Nationalgarde Schwedens gedient. Die Rebellen haben auf seinen Kopf 5.150 Euro ausgesetzt.

Der französische Ex-Fallschirmjäger Gaston Besson ist ebenfalls Mitglied der Bataillon Asow. Er ist unter anderem mit der Aufgabe betraut, weitere ausländische Freiwillige zu rekrutieren. Dazu nutzt er vorzüglich sein Facebook-Account.

„Wir sind keine Söldner. Wir sind unbezahlte Freiwillige, die für die rechte Sache kämpfen“, zitiert Eurasianet.org Besson. Dabei erhalten internationale Söldner gute Gehälter. Ganz unentgeltlich kann demnach Besson nicht in der Ukraine sein. Wer ihn allerdings bezahlt, ist unklar. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Söldner über ihre Auftraggeber schweigen. Das gilt genauso für Söldner, die von Russland finanziert werden: Sie hatten im Sommer angegeben, ihren Urlaub in der Ost-Ukraine zu verbringen, um ihre Landsleute zu unterstützen. 

Beispielsweise beträgt das Durchschnittsgehalt eines US-Söldners durchschnittlich 141,166 US-Dollar im Jahr, berichtet The Labor Educator. Im Jahr 1990 erzielte die Branche der privaten Militärdienstleister einen Umsatz von insgesamt 55,6 Milliarden US-Dollar. 2010 lag der Umsatz bei über 200 Milliarden US-Dollar, meldet die Naval Graduate School.

Auch Tschetschenen aus Dänemark verlassen ihre Heimat, um in der Ukraine gegen die pro-russischen Rebellen zu kämpfen. Aktuell sollen sieben Personen im Kampfeinsatz sein. Sie werden angeführt von Isa Munajew. Munajew hat seinen Wohnsitz in Birkerød. Er ist ein bekanntes Gesicht in der dänisch-tschetschenischen Gemeinschaft. Er selbst umschreibt sich als „Minister der tschetschenischen Exilregierung“.

Einer der „Freiwilligen“ bestätigte der dänischen Zeitung Berlingkse Tidende, dass sich alle sieben Kämpfer untereinander kennen. Sie seien nicht religiös motiviert.

The Copenhagen Post zitiert den „Freiwilligen“:

„Wir essen und leben gemeinsam mit den Ukrainern (…) Wenn es um Religion gehen würde, dann könnte man auch nach Syrien gehen, wo sie zum Dschihad aufrufen. Das hat nichts mit Religion zu tun.“

Doch der Krieg in der Ukraine erinnere sie an die Kriege in ihrer tschetschenischen Heimat. Es gehe vor allem darum, die „Wiederbelebung der Sowjetunion“ zu verhindern.

Claus Mathiesen von der dänischen Verteidigungsakademie Forsvarsakademiet ist der Ansicht, dass die Rückkehrer aus dem ukrainischen Bürgerkrieg eine Gefahr für Dänemark darstellen. Da gebe es keinen Unterschied zu islamistischen Rückkehrern aus Syrien.

Mathiesen wörtlich:

„Es ist nicht wichtig, wofür sie kämpfen (…) Maßgeblich ist die Umgebung, in der sie sich befinden. Diese Umgebung könnte einen ernsthaften negativen Einfluss auf die Beteiligten haben.“

Es gebe keinen „signifikanten Unterschied“ zwischen denen, die Dänemark verlassen, um in der Ukraine zu kämpfen und denen, die es nach Syrien in den Krieg zieht.

Doch auch auf Seiten der Russen kämpfen Freiwillige aus dem Ausland. Sie kommen sowohl aus den westlichen Staaten als auch aus dem muslimischen Kaukasus. Und sie kommen aus Tschetschenien. Denn für Profi-Killer ist es gleichgültig, gegen wen sie kämpfen. Die Nationalität spielt keine Rolle, weil sie mit dem Morden ihr Geld verdienen. Wenn es ihr Auftrag vorschreibt, schießen sie eben auch auf die eigenen Landsleute.



DWN
Politik
Politik Tauwetter im Osten: Russland und die Ukraine vereinbaren Waffenstillstand

Unter Vermittlung Frankreichs und Deutschlands haben Russland und die Ukraine eine vorsichtige Annäherung vollzogen. Kommentatoren zufolge...

DWN
Finanzen
Finanzen Im Führungszirkel der EZB geraten die Negativzinsen ins Kreuzfeuer

Bei der EZB mehren sich Medienberichten zufolge die Stimmen, die auf die mit dem negativen Einlagezins verbundenen Risiken hinweisen. Das...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung blockiert Aufhebung der Russland-Sanktionen

Die europäischen Wirtschaftsverbände fordern inzwischen öffentlich ein Ende der Sanktionen gegen Russland. Die Politik bremst jedoch.

DWN
Politik
Politik Ab Mittwoch null Uhr wird die WTO handlungsunfähig sein

Ab Mittwoch ist das Streitschlichtungs-System der Welthandelsorganisation - eines ihrer wichtigsten Funktionen überhaupt -...

DWN
Finanzen
Finanzen Anatomie einer Jahrhundert-Blase, Teil 3: Eine Dunkelziffer namens Inflation – das gesamte Finanzsystem basiert auf morschem Zahlenwerk

Die Entwicklung der Teuerung stellt einen der Ankerpunkte des gesamten weltweiten Finanzsystems dar. Schaut man sich ihre Berechnung an...

DWN
Politik
Politik Lagebericht Syrien: Russland rückt in Rakka ein, baut Militärpräsenz im Osten des Landes aus

Russische Truppen sind in die ehemalige syrische IS-Hochburg Rakka eingerückt, nachdem US-Truppen dort abgezogen sind. Russland baut seine...

DWN
Finanzen
Finanzen Lebensversicherungen: Garantiezins für Neukunden dürfte sich ab 2021 halbieren

Die Nullzinspolitik der EZB bringt die deutschen Lebensversicherungen in immer größere Schwierigkeiten. Es ist wahrscheinlich, dass der...

DWN
Politik
Politik Marsch in Richtung „FREXIT“? Frankreich kann sein üppiges Sozialsystem nicht mehr finanzieren

Frankreich kommt nicht zur Ruhe. Aus Protest gegen geplanten Reformen im Rentensystem haben die Gewerkschaften mehrere Generalstreiks...

DWN
Deutschland
Deutschland Warten auf die neue Prämie: Verkauf von E-Autos kommt vollständig zum Erliegen

Die Bundesregierung lockt im kommenden Jahr mit erhöhten Zuzahlungen für den Kauf von E-Fahrzeugen. Deswegen ist der Absatz dafür in den...

DWN
Politik
Politik Europäische Umweltagentur will Ernährung, Energiekonsum und Mobilität der Menschen radikal ändern

Der Europäischen Umweltagentur zufolge wird Europa die Klimaschutzziele nicht erreichen, wenn keine “dringenden Maßnahmen” ergriffen...

DWN
Deutschland
Deutschland Tagesspiegel: Merkel ließ Unions-Politiker ohne Regierungsamt an vertraulichen Sitzungen teilnehmen

Seit Jahren sollen Politiker der Unionsfraktionen, welche nicht Teil der Bundesregierung waren, an morgendlichen vertraulichen Sitzungen im...

DWN
Finanzen
Finanzen Ausfälle in Chinas Markt für Unternehmensanleihen mehren sich

China erwartet für dieses Jahr Zahlungsausfälle von Unternehmensanleihen in Rekordhöhe. Die Regierung bemüht sich die Finanzmärkte mit...

DWN
Deutschland
Deutschland Seen als Wärmequelle: Energieverbände fordern Masterplan für die Geothermie

Deutschland läuft Gefahr, die Klimaziele zu verfehlen. Jetzt taucht plötzlich wieder eine Form der Energiegewinnung in der Diskussion...

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

celtra_fin_Interscroller