NSA: Deutsche Software-Firma SAP hilft beim Überwachen

Lesezeit: 1 min
11.03.2015 12:55
Mit ihrer Tochterfirma NS2 ist SAP Mitglied eines Verbands, der die amerikanischen Geheimdienste und Unternehmen zusammenbringt. SAP hat auch das eigene Portfolio erweitert und kann den Geheimdiensten mittlerweile umfangreiche Software zur Verarbeitung von großen Datenmengen anbieten. Auch der BND ist an einer solchen Software interessiert.

Die Intelligence and National Security Alliance INSA bietet „ eine einzigartige Plattform für Zusammenarbeit, Vernetzung und Auseinandersetzung mit politischen Themen und Lösungen“, heißt es auf der Internetseite der Organisation. Die Mitglieder von INSA bilden eine „unvergleichliche Gemeinschaft von Experten, die zusammenarbeiten, um kreative, innovative und zeitnahe Lösungen für Fragen der nationalen Sicherheit für die USA zu finden. Neben Microsoft, Boeing und dem Rüstungsunternehmen Northrop Grumman ist auch SAP mit seiner Tochterfirma NS2 Platin-Mitglied der Organisation.

Die 2012 gegründete SAP-Tochterfirma National Security Services (NS2) bietet nach Selbstauskunft „ein vollständiges Paket erstklassiger Unternehmensanwendungen, Analysen und Datenbanken (…) mit Spezial-Sicherheitsstufen (…), um den speziellen Anforderungen der amerikanischen nationalen Sicherheitsbehörden zu entsprechen“. Besonders die Software Hana ist für Geheimdienste interessant. Selbst der BND soll der ZEIT zufolge den Kauf der Software erwägen. Um die Komplettlösungen Organisationen wie die NSA anbieten zu können, hatte SAP scheinbar systematisch in den vergangenen Jahren immer wieder IT-Firmen aufgekauft.

Der Suchtechnik-Entwickler Inxight und der Datenbank-Hersteller Sybase sollen einem Bericht des ARD-Magazins FAKT zufolge von SAP gekauft worden sein, um gezielt in den Markt der Überwachungssoftware eintreten zu können. Der Markteintritt hat sich gelohnt. In einem Interview mit ExecutiveBiz sagte Mark Testoni, der Chef von NS2, dass der das Unternehmen im ersten Jahr bereits 130 Millionen Dollar Umsatz gemacht habe.

Vor diesem Hintergrund erklären sich auch die Aussagen des derzeitigen SAP-Aufsichtsrats Jim Hagemann Snabe vor eineinhalb Jahren. „Ein Zusammenschluss einiger europäischer IT-Unternehmen mit dem Ziel, sich vom Weltmarkt abzugrenzen, macht überhaupt keinen Sinn“, sagte Hagemann der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Idee eines staatlich verordneten europäischen IT-Champions ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.“ Dies führe nur zu weniger Wettbewerb, Innovation und Wachstum in der global ausgerichteten Branche. Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Unionspolitiker hatten als Konsequenz aus der Ausspäh-Affäre um den US-Geheimdienst NSA gefordert, die Kräfte in Europas IT-Industrie nach dem Vorbild des Flugzeugbauers Airbus zu bündeln.

Handlungsbedarf sah Hagemann Snabe dagegen 2011 bei der Regulierung. Klare internationale Rahmenbedingungen seien nötig, damit Unternehmen und Verbraucher Vertrauen in die Technologien gewännen. „Einheitliche Standards für den Datenschutz sind dabei extrem wichtig“, sagte Snabe. Dies gelte für die EU wie für die USA.


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