Gefährliche Zuspitzung: USA schicken Flugzeugträger gegen den Iran

Lesezeit: 2 min
21.04.2015 10:40
Die Amerikaner schicken den Flugzeugträger Theodore Roosevelt in den Golf von Aden. Offiziell soll er iranische Kriegsschiffe nur beobachten. Doch die verstärkte Militär-Präsenz könnte auch der Anfang einer neuen Eskalation sein. Deutschland wirbt an der Seite der USA bereits diskret für Waffenexporte an Saudi-Arabien. Die Saudis bombardieren, unterstützt von den Amerikanern, den Jemen.
Gefährliche Zuspitzung: USA schicken Flugzeugträger gegen den Iran

Im Nahen Osten droht eine Zuspitzung im Konflikt um den Jemen. Die Auseinandersetzung um die regionale Vormacht könnte eine Konfrontation der USA mit dem Iran auslösen. Die Amerikaner verstärken, offiziell aus Sorge vor iranischen Waffenlieferungen an die schiitischen Huthi-Rebellen, ihre Flotte vor der jemenitischen Küste. Das US-Militär habe den Flugzeugträger «Theodore Roosevelt» zum Golf von Aden geschickt, um die amerikanische Präsenz dort zu auszubauen, berichtete das «Wall Street Journal» am Montag unter Berufung auf Pentagon-Mitarbeiter. Aufgabe sei, bis zu neun iranische Schiffe zu beobachten, die möglicherweise Waffen in den Jemen bringen könnten.

Es ist in diesem Zusammenhang interessant zu sehen, wie der Iran quasi über Nacht zum Feindbild aufgebaut wird: Noch vor wenigen Wochen hatten selbst US-Militärexpetren gesagt, dass man dem Iran keine besonders aktive Rolle im Jemen zuweisen könne.

Doch nun veröffentlicht die New York Times, die traditionell Informationen aus erster Hand aus dem Pentagon lanciert, einen Artikel, in dem dem Iran vorgeworfen wird, Milizen zu unterstützen, die im Irak gegen die Amerikaner kämpfen. Mit diesem Vorwurf kann praktisch jeder Kriegseinsatz begründet werden. Er wäre die logische Weiterentwicklung des «Kriegs gegen den Terror», in dem der US-Präsident seit 2001 legitimiert ist, faktisch jeden Staat der Welt anzugreifen.

Der Iran hat stets bestritten, die Huthi-Rebellen mit Waffen auszurüsten.

Die Aufständischen kämpfen in dem Land gegen Anhänger des geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Das benachbarte Saudi-Arabien, das mit dem Iran um die Vorherrschaft in der Region wetteifert, unterstützt Hadi. Seit Wochen bombardiert eine von Riad geführte regionale Allianz Stellungen und Waffenlager der Huthis. Die USA unterstützen das Bündnis mit Waffen und Geheimdienst-Erkenntnissen.

Gegen die Verletzung der territorialen Integrität des Jemen durch die von den Amerikanern unterstützten Saudis liegen keine Proteste aus der EU vor. Im Gegenteil: Hochrangige deutsche Politiker reisen auf Steuerkosten in die religiöse Diktatur Saudi-Arabien und werben für Waffenverkäufe an die Staats-Islamisten.

So hat sich CSU-Chef Horst Seehofer bei einem Besuch beim saudischen König Salman entschieden für Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien ausgesprochen. Seehofer ist der Ministerpräsident des wirtschaftlich potentesten deutschen Bundeslandes, seine Partei ist Teil der Koalition, die die Bundesregierung stellt. Sein Wort hat daher Gewicht, und so wird es auch im Nahen Osten gesehen. Seehofer verkündete nun, er halte den Weg für richtig, «in verantwortlicher Weise auch mit militärischen Gütern Saudi-Arabien zu helfen», sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntag nach seinem Termin im Königspalast in Riad. Es sei im bayerischen, deutschen und europäischen Interesse, dass ein politisch und wirtschaftlich derart stabiles Land weiterhin ein Stabilitätsanker in der Region bleibe. «Das ist für mich ein ganz überragendes Interesse der Realpolitik», sagte Seehofer und fügte hinzu: «Ich glaube auch, dass man damit den Menschen in dieser Region am meisten hilft.»

König Salman habe überzeugend dargelegt, dass es sein politisches Hauptziel sei, «dass in dieser Region die Menschen friedlich zusammenleben, in einer friedlichen Koexistenz». Und das sollte man «bei weiteren Entscheidungen mit einfließen lassen», sagte Seehofer. Er werde darüber in Kürze auch mit der Bundeskanzlerin sprechen.

Seehofer berichtete, er habe in seinem Gespräch mit König Salman auch die Lage der Menschenrechte in Saudi-Arabien und das Thema Religionsfreiheit angesprochen. «Ich füge aber hinzu: In angemessener Form. Ich möchte keine Schlagzeilen, sondern ich möchte, dass wir durch unser politisches Verhalten den Menschen helfen», betonte er.

Russland hat die doppelten Standards kritisiert, mit denen der Westen die Vorgänge in der Ukraine und im Jemen beurteilt.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Lagardes Einstand bei der EZB: Nullzinsen bleiben bis zum Sankt Nimmerleinstag

Christine Lagarde bestätigt als neue Präsidentin die Geldpolitik ihres Vorgängers: die Leitzinsen bleiben auf unabsehbare Zeit bei null,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Regierung bereitet Sanktionen gegen Nordstream 2 vor

Das US-Repräsentantenhaus hat Sanktionen gegen das Pipeline-Projekt Nordstream 2 auf den Weg gebracht. Es muss jetzt noch vom Senat...

DWN
Politik
Politik Bosch: Von der Leyens „Green Deal“ bricht der deutschen Autobranche das Genick

Der Bosch-Vorstandsvorsitzende Volkmar Denner warnt vor den überzogenen CO2-Vorgaben der neuen EU-Kommission. Diese bedeuteten faktisch...

DWN
Finanzen
Finanzen Renditen steigen: Investoren verlieren das Vertrauen in Zombie-Unternehmen

Auf dem US-Markt geraten riskantere Unternehmensanleihen zunehmend unter Druck. Die Zahl der besonders gefährdeten Anleihen, der...

DWN
Politik
Politik Anhörung eskaliert: „Das Soros-Orchester“ und die ernste Entfremdung zwischen EU-Kommission und Ungarn

Eine Anhörung zu Vorwürfen der EU-Kommission gegen die ungarische Regierung ist aus dem Ruder gelaufen. Die beiden Seiten scheinen sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Studie: Deutsche Wirtschaft und Haushalte steuern mit 5G auf ein Strompreis-Debakel zu

Einer Studie zufolge wird der neue Mobilfunkstandard 5G zu einer massiven Zunahme des Stromverbrauchs führen. Das alles geschieht zu einer...

DWN
Technologie
Technologie China testet digitale Zentralbankwährung im Einzelhandel

Als erstes Land der Welt testet China eine digitale Zentralbankwährung in der Praxis.

DWN
Finanzen
Finanzen Zahl der Börsengänge im laufenden Jahr weltweit eingebrochen

Die Zahl der Börsengänge ist im laufenden Jahr deutlich zurückgegangen – ein Zeichen dafür, dass viele Beobachter mit einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Die WTO ist handlungsunfähig: „Schwerster Schlag für das multilaterale Handelssystem“

Der zentrale Mechanismus der Welthandelsorganisation wurde durch die US-Regierung deaktiviert. Die Organisation ist gelähmt.

DWN
Politik
Politik Brexit: „In den nächsten beiden Jahren wird überhaupt nichts passieren”

Dem Ökonomen Anatole Kaletsky zufolge wird sich in den kommenden ein bis zwei Jahren im Verhältnis zwischen EU und Großbritannien so gut...

DWN
Politik
Politik Erdogan deutet Entsendung der türkischen Armee nach Libyen an

Der Stellvertreterkrieg in Libyen nimmt Fahrt auf. Die türkische Regierung kann sich eine Entsendung von Truppen vorstellen.

DWN
Deutschland
Deutschland Weihnachtsmarkt-Anschlag in Berlin: Mail-Mitschnitte werfen sonderbares Licht auf BKA-Beamten

E-Mail-Mitschnitte und die Aussagen eines Ermittlers aus Nordrhein-Westfalen werfen ein sonderbares Licht auf den Arbeitsansatz eines...

DWN
Politik
Politik US-Armee wird im Sommer 20.000 Soldaten für Großübung nach Europa verlegen

Die USA verlegen 20.000 zusätzliche Truppen nach Europa, die an einer Übung im Sommer teilnehmen sollen. Deutschland spielt dabei eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

celtra_fin_Interscroller