Euro-Staatsanleihen werden zum Ziel von Spekulanten

 

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10.05.2015 00:58
Innerhalb weniger Tage haben deutsche und europäische Staatsanleihen massiv an Wert verloren. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist damit von fast null auf mittlerweile wieder 0,64 Prozent gestiegen. Investoren stellt dies vor eine Herausforderung, denn die weitere Entwicklung der Bonds kann niemand voraussagen. Doch es gibt Alternativen.
Euro-Staatsanleihen werden zum Ziel von Spekulanten


Offenbar lag der US-Anleihe-Experte Bill Gross richtig, als er Ende April per Twitter verkündete, dass deutsche Bundesanleihen „der Leerverkauf eines Lebens“ seien. Auch Jeffrey Gundlach von der US-Investmentgesellschaft DoubleLine Capital sagte, er erwäge eine gehebelte Wette gegen deutsche Staatspapiere. Diese Ankündigungen hatten Signalwirkung, wie der jüngste Crash des Bund-Futures zeigt. Nachdem das Anleihebarometer am 17. April mit 160,38 Punkten seine bisherige Höchstmarke erreicht hatte, stießen Anleger vor allem seit dem 29. April massenweise deutsche und andere europäische Staatsanleihen ab. Die Umsätze sind schlagartig in die Höhe geschnellt. Aktuell liegt der Kurs des Euro-Bund-Future, der die Entwicklung deutscher Staatsanleihen abbildet, bei 154,73 Prozent.

Offensichtlich sind viele Investoren derzeit nicht bereit, beim Kauf von Staatsanleihen auf eine Rendite zu verzichten beziehungsweise noch Geld drauf zu legen. Anleger befinden sich damit in einer heiklen Situation. Einerseits würden sie nach dem Kurssturz mittlerweile wieder etwas Geld verdienen, wenn sie deutsche Bundespapiere kaufen. Das gilt jedoch nur unter der Prämisse, dass die Kurse nicht weiter fallen. Wie sich der Markt weiter entwickelt, liegt jedoch völlig im Unklaren. Da die EZB zusammen mit den nationalen Notenbanken noch bis Herbst 2016 europäische Bonds im Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro aufkaufen will, sollten die Kurse immerhin nicht ins Bodenlose stürzen.

Andererseits wies Bill Gross bereits im „Investment Outlook“ seines Arbeitgebers Janus Capital Group von Anfang April darauf hin, dass nahezu sämtliche Anlageklassen künstlich preisgetrieben seien. Er selbst werde diese eindeutig überbewerteten Papiere nicht kaufen, sondern vielmehr Volatilität um dieser herum für Verkäufe nutzen. Zusätzliche Unsicherheit geht von Griechenland aus. Kommt es zu einem Ausstieg aus der Euro-Zone, einem Grexit, könnte dies erhebliche Verwerfungen der Anleihemärkte zur Folge haben.

Auch charttechnisch spricht derzeit einiges gegen eine rasche Erholung. Darüber hinaus warnt Untergangs-Mahner Martin Armstrong vor der „heillosen Überbewertung“ der Staatsanleihen und prophezeit einen Crash der europäischen Anleihemärkte für den 1. Oktober dieses Jahres.

Wer als Anleger in diesem Umfeld mitspekuliert, geht eine heiße Wette ein. Marktexperten blicken deshalb auf alternative Anlagemöglichkeiten „jenseits der Kernmärkte“. So lassen sich nach Ansicht von David Simner, Fondsmanager des Fidelity Euro Bond Fund, dort noch attraktive Möglichkeiten finden, beispielsweise Anleihen mit Ratingstufen zwischen Investment Grade und Non-Investment Grade. Sie würden Chancen bieten, wenn der Markt eine baldige Ratingaufstufung beziehungsweise fundamentale Daten noch nicht erkannt habe. Zudem könnten nachrangige Bankanleihen attraktive Renditen liefern. Schließlich würden Anleihen der europäischen Peripheriestaaten weiterhin von der Suche der Anleger nach Rendite profitieren.

Auf festerem Terrain bewegt sich auch, wer nach soliden Unternehmensanleihen Ausschau hält. In Deutschland und der Welt gibt es zahlreiche Firmen, die gut dastehen, über eine gute Auftragslage verfügen und eine solide finanzielle Basis haben. Die US-Investmentfirma Alliance Bernstein weist darauf hin, dass der anhaltende Anleihekauf der EZB die Unternehmen bei der Geldaufnahme stärken und die Euro-Währung schwächen dürfte. Das sollte europäische Exportunternehmen und deren Kreditwürdigkeit stärken und damit die Ausfallquoten bei hochrentierlichen Anleihen gering halten.



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