Atom-Konzerne bleiben Spielball der Politik

Fallende Großhandelsstrompreise und Kurswechsel aus Berlin setzen Energieriesen E.ON und RWE zunehmend unter Druck. Riskante Strategiewechsel verunsichern Anleger und sind dennoch nötig, um die Konzerne wieder ertragreicher zu machen und den Vorgaben der Bundesregierung nachzukommen.

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Die von Kanzlerin Angela Merkel verfügte Energiewende (weg von Atom, hin zu den Erneuerbaren) und die ehrgeizigen Klimaziele der Koalition treffen Deutschlands Energieriesen E.ON und RWE weiterhin ins Mark. Die im Großhandel ins Bodenlose gefallenen Strompreise lassen auch die Gewinne zum Halbjahr bei beiden Unternehmen erneut dahinschmelzen, wie Johannes Teyssen (E.ON) und Peter Terium (RWE) in dieser Woche gleichermaßen beklagten. Dazu kommen Risiken aus dem Kraftwerksbestand, deren Ausmaß ebenfalls vom Wohlwollen der Politik abhängt. Die in Berlin im Lichte angeblich neuer Sachzwänge von Zeit zu Zeit vollzogenen Kursänderungen machen Teyssen und Terium weiterhin sehr besorgt.

Zwei Beispiele: 1. Zwar hat Energieminister Sigmar Gabriel die Abgabe für ältere und besonders klimaschädliche Kraftwerke, allen voran die fast zwei Dutzend Braunkohleblöcke von RWE, zu Gunsten einer die Stromriesen längst nicht so teuer kommenden Kapazitätsreserve gestoppt, aber die Verunsicherung bleibt und belastet vor allem den Kurs der RWE-Aktie. 2. Atommeiler, von denen die letzten 2022 abgeschaltet werden, bilden für die Konzerne ein enormes Rückbau- und Entsorgungsrisiko.

Um die Nachhaftung seines Konzerns möglichst auf fünf Jahre zu begrenzen, will Teyssen bis Jahresende die Aufspaltung in eine abgespeckte E.ON rund um Ökostrom und Uniper mit dem konventionellen Kraftwerksgeschäft vollziehen. Doch Gabriel könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Berlin will die Fünfjahresfrist abschaffen. Teyssen wettert dagegen, Terium freut sich insgeheim. Wenn die Fünf-Jahres-Hürde fällt, könnte sich der spektakuläre, komplexe und mit enormen Risiken behaftete Umbau bei E.ON als zu vorschnell erweisen.Für Terium ist eine Aufspaltung von RWE deshalb nur eine Option, aber keine Strategie. Nur massiv veränderte politische Rahmenbedingungen könnten ihn dazu zwingen. Derweil arbeitet er, dessen Vertrag noch bis 2022 läuft, daran, RWE als integrierten Energiekonzern schneller, effizienter und wieder ertragreicher zu machen. Ein aktives Portfoliomanagement und mehr Windparks von RWE Innogy sollen helfen.

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