Chinesen vor Einstieg bei BHF-Bank

Die EZB entscheidet in Kürze über eine Teil-Übernahme der BHF-Bank durch die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat nach Prüfung der Angebote von Fosun und dem französischen Konkurrenten Oddo bereits eine Empfehlung abgegeben. Experten sehen die Entscheidung der EZB als Gradmesser für den künftigen Umgang mit chinesischen Investoren bei Banken-Übernahmen in der EU.

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Die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun hat zu dem exakten Tagespreis der BHF-Aktie des britischen Geldhauses ein Angebotz zur Übernahme abgegeben. (Grafik: ariva.de)

Die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun hat zu dem exakten Tagespreis der BHF-Aktie des britischen Geldhauses ein Angebotz zur Übernahme abgegeben. (Grafik: ariva.de)

Im Übernahmekampf um das deutsch-britische Geldhaus BHF Kleinwort Benson steht eine wichtige Weichenstellung bevor. Die Europäische Zentralbank (EZB) will Insidern zufolge in den kommenden Wochen entscheiden, ob sie den beiden Interessenten – der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun und der konkurrierenden französischen Bank Oddo – im Grundsatz grünes Licht für eine Übernahme gibt. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin habe ihre Prüfung im Rahmen des sogenannten Inhaberkontrollverfahrens abgeschlossen und der EZB einen Vorschlag gemacht, sagte einer der Insider. Wie die Entscheidung der EZB ausfalle, sei allerdings noch offen.

Die meisten mit dem Prozess vertrauten Personen gehen davon aus, dass die Aufsicht ein positives Votum abgeben und dieses mit Auflagen verknüpfen wird – etwa einer schriftlichen Verpflichtung, dass der künftige Mehrheitseigner Geld nachschießt, falls die Kapitalquote der BHF-Bank unter eine bestimmte Schwelle fällt. Für die EZB, die seit einem Jahr für die Aufsicht von Geldhäusern zuständig ist, handelt es sich um eine der ersten Entscheidungen zu größeren Bankübernahmen in Europa. Viele Experten sehen im Urteil über Fosun einen wichtigen Gratmesser, wie die EZB mit chinesischen Investoren umgeht.

Der Investor Fosun, der schon länger knapp 20 Prozent an der BHF-Kleinwort-Benson-Gruppe hält, hatte sich im Sommer mit deren Chef Leonhard ( „Lenny „) Fischer überworfen. Grund war der Rauswurf von BHF-Vorstandssprecher Björn Robens. Wenig später kündigte Fosun dann ein rund 500 Millionen Euro schweres Angebot zur Komplettübernahme der Gruppe an, zu der neben der BHF auch die britische Handelsbank Kleinwort-Benson gehört. Die Angebotsunterlagen werden seitdem von der Börsenaufsicht in Belgien geprüft, wo das Institut gelistet ist. Finanzkreisen zufolge will die Behörde jedoch zunächst auf grünes Licht von ihren Kollegen in Frankfurt und London warten, bevor sie das Angebot offiziell zulässt.

Die französische Privatbank Oddo, die 15 Prozent an BHF Kleinwort Benson hält, erwägt Finanzkreisen zufolge ein Gegenangebot – und würde dafür mit dem Abschluss des Inhaberkontrollverfahrens die Voraussetzungen schaffen. Mit dem Prozess vertraute Personen gehen allerdings davon aus, dass Oddo die Übernahme der gesamten BHF-Kleinwort-Benson-Gruppe nur zusammen mit einem finanzkräftigen Partner stemmen könnte. Oddo hält sich zu seinen Plänen bisher bedeckt. Am Freitag wollten sich die Franzosen wie alle anderen Beteiligten nicht äußern.

Viele Kunden der BHF-Bank sind Finanzkreisen zufolge wegen des Übernahmekampfes verunsichert, auch einige Berater haben das Institut bereits verlassen. Laut „Platow Brief“ drohen dem Geldhaus im kommenden Jahr rote Zahlen. Bei der BHF-Bank hoffen deshalb viele Mitarbeiter, dass sich die Zukunft des Instituts nach der Entscheidung der EZB zeitnah klärt. Bei einem positiven Votum müsste Oddo-Chef Philippe Oddo entscheiden, ob er nun ein Angebot für BHF Kleinwort-Benson vorlegen will oder nicht.

Fosun-Vorstandschef Liang Xinjun wiederum müsste sehen, ob er mit seiner Offerte genug Aktien einsammelt oder das Angebot noch einmal aufstockt. Die Papiere von BHF Kleinwort-Benson waren am Freitag an der Börse 5,10 Euro wert – das ist exakt der Preis, den Fosun bietet. BHF-Großaktionäre wie Stefan Quandt und Templeton haben die Offerte als zu niedrig zurückgewiesen.

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