Israel und Russland: Heimliche und ganz offene Bewunderung für Putin

Lesezeit: 2 min
12.12.2015 01:53
Russlands Präsident Wladimir Putin kooperiert in Syrien nicht zufällig mit Israel: In dem Land lebt bereits eine Million russischer Emigranten. Beobachter glauben, dass Putin wegen der russischen Diaspora nicht unternehmen würde, was Israel schadet. Die meisten bewundern ihn allerdings vor allem wegen seiner Tatkraft und Entschlossenheit.
Israel und Russland: Heimliche und ganz offene Bewunderung für Putin

Die Russen kehren als aktiver Spieler in den Nahen Osten zurück. Sie finden nicht nur eine völlig veränderte Region und neue islamistische Mächte vor, sondern auch ein Israel, in dem mehr als eine Million russisch sprechender Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion lebt.

Diese große Anzahl von Menschen, die über die letzten 25 Jahre hier angekommen ist, hat Israel im Kern verändert. Sie hat aus der russischen Kultur und Geschichte die Suche nach einem starken Anführer mitgebracht. Auch ein anderes Konzept der Demokratie oder der Missachtung ebendieser, sowie Nationalstolz, der nationale Interessen übertrifft und viele andere Eigenschaften, die dem ‚Homo sovjeticus’ von Experten zugeschrieben werden. Viele russische Politikwissenschaftler fragen sich nun: Ist Israel zu einem Teil Russlands geworden? Auch wenn die Antwort zu dieser Frage nicht ‚Ja’ lautet, so hat Israel allemal einen Prozess der ‚Russifikation’ durchgemacht. Für Putin sind das an dieser Stelle sicherlich gute Neuigkeiten.

Dieses doch etwas neuartige Phänomen wurde an dem Tag offenkundig, an dem die Türkei einen russischen Bomber nahe der syrisch-türkischen Grenze abschoss. Während Israels offizielle Medien einen vorsichtigen Ton bei Berichten über dieses dramatische Ereignis anschlugen, zeigten sich populäre Blogs und soziale Medien in russischer Sprache weniger zurückhaltend. Der Konsens könnte zusammengefasst werden als: „Prima! Jetzt zeigt Putin es den Türken; Putin ist nicht Bibi (Netanjahu).“ Ein prominenter Blogger und Journalist mit russischen Wurzeln sagte eher zynisch: „Wäre es ein israelisches Flugzeug gewesen, hätte Bibi die Türken um Verzeihung gebeten und ihnen Schadenersatz gezahlt. Aber das ist Putin. Es ist gut, ihn im Bild zu haben.“ Dennoch unterschlägt diese offenkundig positive Antwort nicht, dass Russland den Iran und die Hisbollah aktiv unterstützt. Viele glauben trotzdem, dass die Tatsache, dass 18% der israelischen Bevölkerung russisch spricht, einen Unterschied macht. Einige Analysten behaupten sogar, dass Putin niemals bewusst etwas zu einer echten Bedrohung „seines Volkes“ beitragen würde.

Denn aus einem russischen Blickwinkel ist es das, was sie sind, oder besser, was Russland wünscht, dass sie wären. Jahrelang haben Putin und seine Regierung Zeit und Geld investiert, um den Kontakt zu seiner „Diaspora“ zu bewahren und zu stärken. Viele russische Organisationen unter vielen Namen arbeiten mit Staatsgeldern auf dieses Ziel hinaus. Eine von ihnen - „Kinder des gleichen Landes“- lädt offen ‚verlorene Kinder’ ein, in ihr Vaterland zurückzukehren. Solcherlei Aktivitäten beschränken sich nicht nur auf Israel, aber die israelisch-russische Gemeinschaft ist ein entscheidender Faktor in der Entwicklung einer starken transnationalen russischen Diaspora.

Und auch wenn sie nicht die größte in der Welt ist, ist diese Gemeinschaft in Israel von größter politischer und kultureller Bedeutung. Weder Amerika, noch Kanada, zwei andere große russisch sprechende Gemeinschaften, sind in einem wichtigen Punkt mit Israel zu vergleichen: Nur hier haben die Russen über 25 Jahre eine rein russisch-sprachige Führung hervorgebracht, die auch in der Politik Israels eine wichtige Rolle spielt.

Das wohl relevanteste Beispiel hierzu ist der ehemalige Außenminister Avigdor Lieberman, Leiter der russisch-israelischen Partei „Yisrael Beytenu“ (Israel unser Zuhause). Lieberman, bekannt für seine enge Beziehung zu Putin und anderen Anführern russlandnaher post-sowjetischer Republikaner, gab erst kürzlich eine Pressemitteilung an die russischsprachigen Medien heraus, die besagte: „Die Idee, die Krise zwischen der Türkei und Russland zu nutzen, um engere Beziehungen mit Erdogan zu etablieren, wie es offiziell von Israel gewünscht wird, ist schlichtweg dumm. Es ist noch immer dieselbe Türkei.“

Das heißt ganz und gar nicht, dass Putin ein israelischer Held geworden ist. Russischsprachige Intellektuelle stehen seiner Haushaltspolitik kritisch gegenüber. 300.000 Immigranten ukrainischer Herkunft hassen ihn von ganzem Herzen. Doch die Idee eines starken Anführers und der Mangel einer kohärenten israelischen Politik werfen ein besseres Licht auf den russischen Zaren – ein Spitznamen, der Putin oft zuteil wird.


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