Politik

Bundesregierung verschärft Anti-Terror-Gesetze deutlich

Lesezeit: 2 min
31.05.2016 00:04
Die Bundesregierung dürfte schon bald die Terror-Gesetze verschärfen. Verdächtige können dann auch ohne richterliche Genehmigung auf Wunsch von ausländischen Geheimdiensten umfassend überwacht werden. Persönliche Daten werden international ausgetauscht. Sollten die Dienste zu dem Ergebnis kommen, eine Operation einleiten zu wollen, haben die Betroffenen faktische keine rechtlichen Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre.
Bundesregierung verschärft Anti-Terror-Gesetze deutlich

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Bundesregierung will angesichts der anhaltenden Bedrohungslage noch diese Woche ein weiteres Gesetzespaket zur Terrorismusbekämpfung auf den Weg bringen. Die Ressortabstimmung dazu sei abgeschlossen, hieß es am Montag in Berliner Regierungskreisen laut Reuters. Am Mittwoch werde das Kabinett über die Verschärfung der Terror-Gesetze beraten. Vorgesehen ist eine engere Zusammenarbeit des Verfassungsschutzes mit den Geheimdiensten anderer Staaten. Wer ein Prepaid-Handy kauft, muss künftig seinen Personalausweis vorlegen.

Der Verfassungsschutz solle mit ausländischen Nachrichtendiensten gemeinsame Dateien anlegen können, heißt es in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Gesetzentwurf. Auf diese Weise soll festgestellt werden, ob einer der beteiligten Stellen zu verdächtigen Personen, Objekten oder Ereignissen Informationen vorliegen. Voraussetzung sei, ein "erhebliches Sicherheitsinteresse". In den teilnehmenden Staaten müssen zudem grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien gewährleistet sein. Die gemeinsamen Dateien sollten auf "bestimmte Ereignisse oder Personenkreise" beschränkt bleiben. Außerdem ist eine Zustimmung des Bundesinnenministeriums in jedem einzelnen Fall vorgesehen.

Das Problem: Das Innenministerium ist eine weisungsgebundene politische Behörde. Bisher waren solche Überwachungsmaßnahmen nur mit richterlichem Beschluss möglich. Die Geheimdienste arbeiten ihrer Natur nach verdeckt und können für keine ihrer Operationen belangt werden. In der Regel erfährt der Betroffene nicht einmal, dass gegen ihn eine Operation eingeleitet wurde. Die Absprache zwischen den Behörden und den Diensten erfolgt in der Regel mündlich. Rechtsmittel gegen derartige Aktionen sind grundsätzlich unmöglich, weil der Betroffene keine Möglichkeit der Beweisführung hat.

Die Anschläge in Paris und Brüssel hätten die "transnationale Dimension der terroristischen Bedrohung nochmals unterstrichen", heißt es in dem Entwurf. "Insbesondere mit Partnerdiensten in den Nachbarstaaten und darüber hinaus in EU und Nato besteht ein besonderes Zusammenarbeitsbedürfnis und damit auch die Notwendigkeit, relevante Informationen zeitnah zu teilen."

Telefonanbieter und Händler sollen künftig die Identität von Kunden bei im Voraus bezahlten Mobilfunktarifen auf ihre Richtigkeit hin überprüfen. Stichprobenuntersuchungen hätten im Zusammenhang mit Prepaid-Handys "eine enorme Anzahl offensichtlich fehlerhafter Datensätze in Kundendatenbanken von Anbietern von Telekommunikationsdiensten ergeben", heißt es in der Begründung. Fiktive Angaben seien keine Einzelfälle, sondern eine Erscheinung "mit Massencharakter". Für polizeiliche Ermittlungen ist dies ein Problem.

Die Bundespolizei erhält wie das Bundeskriminalamt künftig die Möglichkeit, verdeckte Ermittler zur Gefahrenabwehr einzusetzen und nicht erst zur Strafverfolgung. Diese Praxis ist äußerst fragwürdig, weil damit das Strafrecht bei Vermutungen und nicht mehr bei gesetzlich geregelten Tatbeständen greift. Es reicht also die Behauptung, jemand habe eine Straftat geplant, um ihn als Täter zu qualifizieren.

Verurteilte Unterstützer einer terroristischen Vereinigung sollen künftig schon bei Haftstrafen von mindestens sechs Monaten unter eine Führungsaufsicht gestellt werden, wenn die Gefahr besteht, dass die Person weitere Straftaten begehen wird. Zudem soll künftig "jegliche Unterstützung" einer verbotenen kriminellen Vereinigung unter Strafe stehen. Dieser Passus ist bemerkenswert, weil er auch in den von der EU als grundrechtswidrig abgelehnten Terror-Gesetzen der Türkei verwendet wird. Dort hat die Regierung "jegliche Unterstützung" der PKK unter Strafe gestellt und geht seither gegen Oppositionspolitiker, Journalisten und Regierungskritiker aus der Wissenschaft vor.

Die Koalitionsspitzen hatten die Grundzüge des neuen Sicherheitspakets Mitte April vereinbart.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



Anzeige
DWN
Ratgeber
Ratgeber Umweltbewusst und günstig: Hondas Leasing-Modell für die elektrifizierten Fahrzeuge von Honda

Der Managing Director der Honda Bank Volker Boehme spricht mit den DWN über die neuesten Entwicklungen im Leasinggeschäft für die...

DWN
Politik
Politik Wasserstoff-Pipeline soll Nordafrika und Süddeutschland verbinden
22.11.2023

Deutschland und Italien planen den Bau von Wasserstoff-Infrastrukturen über das Mittelmeer hinweg. Darüber hinaus sollen die Beziehungen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen „Die alten Modelle greifen nicht mehr“
22.11.2023

Der akute Mangel nicht nur an Facharbeitern, sondern allgemein an Mitarbeitern zwingt die Unternehmen, über neue Modelle der...

DWN
Panorama
Panorama Knallhart erhöhte Gema-Gebühren bringen Weihnachtsmärkte in Not
22.11.2023

Die Proteste gegen die Erhöhung der Gema-Gebühren für Marktbetreiber werden immer lauter. Die breite Berichterstattung in Zeitungen...

DWN
Politik
Politik Vereinte Nationen beklagen Tod von über 100 Mitarbeitern in Gaza
22.11.2023

Der militärischen Operation Israels gegen die Hamas sind bereits mehr als 100 UN-Mitarbeiter zum Opfer gefallen. Überlebende erheben...

DWN
Politik
Politik US-Armee fliegt Luftangriffe auf Milizen im Irak
22.11.2023

Die US-Luftwaffe hat erstmals Milizen im Irak bombardiert. Zuvor war es vermehrt zu Angriffen auf amerikanische Militärstützpunkte im...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Energieverbrauch in Deutschland sinkt auf Allzeit-Tiefstand
21.11.2023

Der Primärenergieverbrauch in Deutschland wird 2023 auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen sinken - ein ominöses Zeichen.

DWN
Politik
Politik China und Saudi-Arabien unterzeichnen massives Swap-Abkommen
21.11.2023

Das Swap-Abkommen zwischen China und Saudi-Arabien ist ein Zeichen für ihre wachsenden Beziehungen. Die Abkehr vom Dollar im globalen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Warum schrumpft die deutsche Wirtschaft, während alle anderen Staaten wachsen?
21.11.2023

Nicht nur die fortgeschrittenen Volkswirtschaften mit einem Wachstum von insgesamt 1,5 Prozent lassen Deutschland dieses Jahr weit hinter...