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15.09.2016 16:44
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Die Zeitung der Zukunft? (Foto: dpa)

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Die Lage ist für unabhängige Medien kritisch, weil Facebook und Google in rasantem Tempo die wirtschaftliche Grundlage von Medien zerstören. Dieses Modell beruhte im Internet bisher auf einer Dreier-Beziehung: Medien berichten, Werbekunden zahlen - streng getrennt von der Redaktion - für Anzeigen, die Leser können die Inhalte gratis lesen.

Das klassische Medienmodell ist weitgehend außer Kraft gesetzt.

Das Internet öffnet nämlich auch der Desinformation und der Manipulation Tür und Tor: PR-Agenturen, Lobbyisten, Sicherheitsdienste, Parteien, Unternehmen, Verbände, Staaten und Spekulanten betreiben Accounts, die scheinbar informieren, tatsächlich jedoch der blanken Manipulation dienen. Dieses Modell zerstört das klassische Werbemodell, weil es für ein Unternehmen heute leicht möglich ist, über einen scheinbar "journalistischen" Kanal das Feld für kommerzielle Interessen zu bereiten. Google, Facebook und Twitter befeuern diese Kanäle und ziehen einen rapide steigenden Teil der Werbe-Budgets auf sich.

Diese Entwicklung hat zu einem dramatischen Rückgang der Online-Werbung bei allen kritisch-journalistischen Produkten geführt. Es ist für den Werbetreibenden billiger und effizienter, sein Publikum über verdeckte Kanäle anzusprechen.

Facebook und Google kennen keine Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten. Aufgrund ihres undurchschaubaren Systems von „Algorithmen“ sind sie in der Lage, ihre Leser hemmungslos zu manipulieren und sich vielen kommerziellen und politischen Interessenten als „Werbeplattform“ anzubieten.

Unabhängige Medien werden seit geraumer Zeit bei Werbeagenturen und Werbekunden denunziert - eigentlich ein Novum in Deutschland, wo es trotz der Dominanz der öffentlich-rechtlichen Sender eine gewisse Vielfalt und Kontroverse gegeben hat.

Denunziationen gegen kritische Medien laufen immer hinter dem Vorhang.

Aus Angst vor einem "Shitstorm" ziehen sich manche Kunden zurück und suchen sich Websites, die seicht und unterhaltend sind.

Das Geschäftsmodell vieler Alternativ-Medien kommt für die DWN nicht in Frage: Sie finanzieren sich, indem sie Texte als verkaufsfördernde Maßnahmen für Bücher, Magazine, Events oder politischen Aktivismus verkaufen. Auch viele NGOs machen scheinbar journalistische Angebote, um darüber ihr Kerngeschäft – politische Kampagnen – zu fördern. Solche Aktivitäten kommen für uns nicht in Frage - wir sind Journalisten, keine Aktivisten.

All diese Umstände stellen die Medien – und es betrifft beileibe nicht nur die DWN – vor die zentrale Frage: Gibt es eine Nachfrage für unser Angebot? Wir richten diese Frage ganz offen an Sie, liebe Leserinnen und Leser: Sie sind die einzigen, die wirklich ein Interesse an einer gedeihlichen Zukunft der DWN haben – und zwar ausdrücklich als Medium, das kritisch und völlig unabhängig berichtet. Vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Präsenz von PR, Spin-Doktorei und Desinfomation ist die kritische und unabhängige Berichterstattung noch aufwändiger geworden: Alle wichtigen Dokumente im Finanzsektor sind auf Englisch.

Die meisten EU-Papiere sind im EU-Englisch. Über den Syrien-Krieg kann man nur berichten, wenn man arabische und türkische Quellen im Original lesen kann. Für eine fundierte Europa-Berichterstattung muss man 27 Sprachen beherrschen – und nicht nur das: Man muss ein Team vorhalten, das mit dem politischen und kulturellen Kontext dieser Länder vertraut ist, um richtig einordnen zu können, was die sprachlichen Botschaften faktisch bedeuten.

Diese Kosten entstehen meist in Bereichen, für die es weder Werbung noch politische Unterstützung gibt: Welcher Anzeigenkunde will schon Artikel über Geopolitik, Zentralbanken, Rohstoffe, Krieg, Korruption, Täuschung und Manipulation lesen - in denen Unternehmen keine Chance haben, ihre PR in die Berichterstattung einfließen zu lassen? Kerngeschäft der DWN sind genau diese Themen an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik. Wir bearbeiten keine belanglosen Themen, bei denen mal gelegentlich unauffällig etwas Schleichwerbung unterbringen kann.

Nur Sie, liebe Leserinnen und Leser, können die Zukunft der DWN sichern. Es ist eine Art publizistisches Referendum, dem wir uns unterziehen: Wir fragen Sie, ob Ihnen die DWN 7,99€ im Monat wert sind. Das Ergebnis ist offen. Es liegt in der Natur der Marktwirtschaft, dass es nicht in unserem Ermessen steht, das Ergebnis dieses Referendums zu akzeptieren oder nicht.

Finden sich nicht genug Abonnenten, dann gibt es eben auch keinen Markt für die DWN. Halten jedoch ausreichend Leser die Deutschen Wirtschaftsnachrichten für eine wichtige Stimme in Deutschland, versetzen Sie uns mit Ihrem Abo in die Lage, diese Stimme kraftvoll zu erheben. Eine Demokratie braucht freie und unbestechliche Medien. Um nichts weniger geht es.

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