Politik

Druck auf Clinton steigt: US-Justiz erlaubt FBI-Ermittlungen

Lesezeit: 2 min
31.10.2016 01:57
Das US-Justizministerium hat am Sonntag das FBI ermächtigt, die überraschend aufgetauchten Emails von Hillary Clintons engster Mitarbeiterin zu untersuchen. Es soll sich um 650.000 Emails handeln.
Druck auf Clinton steigt: US-Justiz erlaubt FBI-Ermittlungen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Das US-Justizministerium hat am Sonntagabend dem FBI die Erlaubnis ("warrant") gegeben, die neu aufgetauchten Emails der engsten Mitarbeiterin von Hillary Clinton, Huma Abedin, zu untersuchen. Das berichten ABC, CBS und NBC. FBI-Direktor James Comey war zuvor von den Demokraten heftig angegriffen worden, weil er das Auftauchen der Emails wenige Tage vor der Wahl publik gemacht hatte. Die Entscheidung der Justiz, die Emails amtlich durchsuchen zu dürfen, stärkt Comeys Position. Das FBI hatte angegeben, bereits seit einiger Zeit von den Emails gewusst zu haben. Doch lesen durfte der Geheimdienst die Emails nicht, weil sie zufällig aufgetaucht sind: Sie befanden sich auf einem Laptop von Abedins Ehemann Anthony Weiner, gegen den wegen sexueller Belästigung einer Minderjährigen ermittelt wird. Abedin hat angekündigt, sich von Weiner scheiden lassen zu wollen.

Das Wall Street Journal berichtet, dass es sich um 650.000 Emails handeln soll. Abedin sagte laut ABC, dass sie überrascht sei, dass sich ihre Emails auf dem Computer ihres Ehemannes gefunden hätten. Wenn die vom WSJ kolportierte Zahl jedoch stimmt, könnte es sich um ein Archiv aller Mails gehandelt haben. Es ist unklar, ob Weiner diese große Zahl ohne das Wissen von Abedin auf seinem Computer gespeichert haben könnte. Weiner gilt wegen diverser unappetitlicher Sex-Affären als eine ausgesprochen fragwürdige politische Figur.

Die Daily Mail bringt einen interessanten Aspekt, warum Comey sich für die spektakuläre Veröffentlichung entschieden habe: Es soll beim FBI eine regelrechte Austrittswelle gegeben haben. Der Grund: Die FBI-Mitarbeiter sollen über die Entscheidung erbost gewesen sein, die Ermittlungen gegen Clinton vor dem Sommer einzustellen. Comey soll demnach auf den Druck aus dem FBI reagiert und mit der Veröffentlichung einen Schritt gesetzt haben, um der enormen Unruhe im FBI Rechnung zu tragen.

Clintons Attacken gegen den FBI-Chef stellen außerdem ein Kommunikationsproblem dar: Nach der Einstellung der Ermittlungen hatte Clinton Comey noch ausdrücklich wegen seiner Integrität gelobt.

Die Umfragen zeigten am Wochenende, dass der Vorsprung Clintons gegenüber Trump deutlich geschmolzen ist. Allerdings sind die meisten Umfragen wegen erheblicher methodischer Mängel nicht aussagekräftig.

Interessanter ist in diesem Zusammenhang die Trend-Entwicklung bei Google: Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der neuen Ermittlungen ist die Zahl der Suchanfagen, wie man seine Stimme bei den sogenannten "early votes" noch ändern könne, signifikant gestiegen (Suchbegriff: "change early vote"). Dies deutet auf eine erhebliche Verunsicherung im Lager der Clinton-Wähler hin.

Das Interesse an den Emails ist heute größer als noch vor wenigen Monaten. Die Clinton-Familie war in den vergangenen Wochen durch die Wikileaks-Veröffentlichungen unerwartet stark ins Rampenlicht geraten. Die Emails, die die Enthüllungsplattform veröffentlichte, zeigen eine ungewöhnlich enge Verflechtung von privaten Interessen mit der Ausübung von öffentlichen Ämtern. Die persönlichen Gewinne für die Clinton-Familie aus ihrer offiziell für wohltätige Zwecke errichteten Stiftung sind erheblich.


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Politik
Politik Europaparlament billigt neue EU-Schuldenregeln nach langwierigen Debatten
23.04.2024

Monatelang wurde über Europas neue Regen für Haushaltsdefizite und Staatsschulden diskutiert. Die EU-Abgeordneten sprechen sich nun für...

DWN
Immobilien
Immobilien Bauministerin: Innenstädte brauchen vielfältigere Angebote
23.04.2024

Klara Geywitz wirbt für mehr Vielfalt in den deutschen Innenstädten, um damit stabilere Immobilienmärkte zu unterstützen. Ein Mix von...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Palantir: Wie Vorurteile die sinnvolle Anwendung von Polizei-Software behindern
23.04.2024

Palantir Technologies ist ein Software-Anbieter aus den USA, der entweder Gruseln und Unbehagen auslöst oder Begeisterung unter seinen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 20 Jahre EU-Osterweiterung: Wie osteuropäische Arbeitskräfte Deutschland unterstützen
23.04.2024

Zwei Jahrzehnte nach der EU-Osterweiterung haben osteuropäische Arbeitskräfte wesentlich dazu beigetragen, Engpässe im deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Der DWN-Marktreport: Spannung und Entspannung – Geopolitik sorgt für Bewegung bei Aktien und Rohstoffen
23.04.2024

Die hochexplosive Lage im Nahen Osten sorgte für reichlich Volatilität an den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten. Nun scheint...

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung auf Rekordhoch: Steuerzahlerbund schlägt Alarm!
23.04.2024

Der Bund Deutscher Steuerzahler warnt: Ohne Kehrtwende droht der fiskalische Abgrund, trotzdem schöpft die Bundesregierung das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt weiter - Verband alamiert
23.04.2024

Laut neuen Zahlen gibt es immer weniger Apotheken-Standorte. Der Apothekerverband spricht von „alarmierenden Zeichen“ und erklärt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Silber im Aufschwung: Das Gold des kleinen Mannes holt auf
23.04.2024

Silber hinkt traditionell dem großen Bruder Gold etwas hinterher. In den letzten Wochen hat der Silberpreis massiv zugelegt. Was sind die...