HSBC: Gewinn bricht ein

Der Gewinn der britischen Großbank HSBC bricht ein. Auch andere europäische Banken haben Probleme.

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Der Gewinn der britischen Großbank HSBC ist im vergangenen Quartal um 86 Prozent eingebrochen. Das Geldhaus wurde von negativen Wechselkurseffekten belastet sowie von einem Verlust von 1,7 Milliarden Dollar durch den Verkauf seiner brasilianischen Tochter. Das am Montag vom Management ausgewiesene Vorsteuerergebnis von 843 Millionen Dollar lag deutlich unter den Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit 2,45 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Andere britische Großbanken wie Lloyds, Barclays und RBS hatten ihre Quartalsberichte bereits vorgelegt. Daraus ging hervor, dass sie nach dem Brexit-Votum Ende Juni besser abschnitten als erwartet.

Eigentlich wollten Europas Großbanken ihre potentiell sehr teuren Vergleiche mit den US-Behörden über faule Hypothekenpapiere bis zur Wahl am 8. November eintüten. Doch danach sieht es jetzt nicht mehr aus. Experten gehen inzwischen davon aus, dass die Vergleiche nach der Wahl, aber vor der Einführung des neuen Präsidenten kommen – also vor Ende Januar. Denn so wird das Thema nicht im Wahlkampf zerrieben und jeder könnte sein Gesicht wahren, erklärt Professor John Coffee von der Columbia Law School: „Die alte Regierung wird sich noch damit schmücken wollen, dass sie die Fälle abgeschlossen hat und die neue Regierung dürfte froh sein, wenn jemand anderes dafür verantwortlich ist.“

Also müssen die hiesigen Institute weiter zittern. Neben der Deutschen Bank stellen sich auch andere Häuser auf Strafzahlungen ein: UBS und Credit Suisse in der Schweiz sowie die Royal Bank of Scotland. Ermittelt wird auch gegen die britischen Adressen HSBC und Barclays. Ob es am Ende einen Gruppenvergleich gibt, darüber sind sich Experten uneinig. Die Banken selbst und das US-Justizministerium, das die Federführung hat, äußern sich nicht zu Details der Verhandlungen. Dass Deutsche Bank & Co billig davonkommen, ist allerdings nicht zu erwarten. Bill Baer, einer der ranghöchsten Beamten im Justizministerium, hatte der Branche erst vor kurzem mangelnde Kooperationsbereitschaft bei der Aufarbeitung der Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt vorgeworfen.

Die Vorwürfe, die im Raum stehen, haben es in sich: Die Aufsichtsbehörden sehen es als erwiesen an, dass etliche große Investmentbanken maßgeblich zum Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007/08 beigetragen haben – indem sie faule US-Hypotheken in intransparente Wertpapiere bündelten. Diese wurden auf einen Schlag wertlos, als der Häusermarkt kollabierte, weil viele Familien komplett überschuldet waren. Für die Käufer der Hypothekenpapiere – darunter viele andere Banken – bedeutete das massive Verluste. Am Ende wusste quasi niemand mehr, wer welche Risiken in den Büchern hatte. Rund um den Globus gab es staatliche Rettungsaktionen für Finanzinstitute in Schieflage, auch in Deutschland.

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