Siemens ist zurück: Eines der besten Geschäftsjahre der Geschichte

Siemens meldet signifikante Erfolge beim Umbau des Konzerns und sichtbare Erfolge im operativen Geschäft.

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Für seine Gesamtgeschäfte lässt sich Siemens weder vom Ausgang der US-Wahl, dem bevorstehenden Brexit, noch der mauen Branchenkonjunktur einschüchtern. Für das neue Geschäftsjahr 2016/17 rechnet er entgegen des Industrietrends mit wachsenden Auftragsbüchern und leichten Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn, sagte CEO Joe Kaeser am Donnerstag laut Reuters. Das Ergebnis je Aktie werde 2016/17 auf 6,80 bis 7,20 Euro von 6,74 Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr steigen. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Siemens-Aktien legten gut fünf Prozent zu und waren damit so teuer wie seit 16 Jahren nicht mehr.

2015/16 setzte Siemens knapp 80 Milliarden Euro um, fünf Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft stagnierte in etwa bei 5,4 Milliarden Euro. Kaeser äußerte sich dennoch hochzufrieden. „Das abgelaufene Geschäftsjahr war eines der stärksten in der Geschichte unseres Hauses, ohne Berücksichtigung von Beteiligungsverkäufen sogar das beste.“ Davon sollen die Aktionäre auch etwas haben: Die Dividende wird um zehn Cent auf 3,60 Euro je Aktie angehoben.

Siemens will sein Medizintechnikgeschäft an die Börse bringen und setzt damit die Tradition des stetigen Konzern-Umbaus fort. Die einstige Sorgensparte mauserte sich in den vergangenen Jahren zum rentabelsten Industriegeschäft von Siemens. „Die Börsennotierung ist jetzt der nächste Schritt“, sagte Konzernchef Joe Kaeser am Donnerstag. „Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.“

Die Medizintechnik firmiert unter dem Namen „Healthineers“ – einer Wortschöpfung aus den englischen Begriffen für Gesundheit und Ingenieure – und ist mit einem Jahresumsatz von 13,5 Milliarden Euro der zweitgrößte Umsatzbringer des Konzerns nach dem Kraftwerksgeschäft. Weltweit arbeiten 45.000 Menschen in der Sparte. Mit dem Schritt will Kaeser die Healthineers für Umbrüche im Markt mit medizinischer Technik rüsten. Die Gesundheitssysteme und Diagnoseformen änderten sich zunehmend, erläuterte er. Den Zeitplan und den Umfang der Börsennotiz ließ der Konzernchef offen. Außerdem vermied er ein direktes Bekenntnis, ob Siemens die Mehrheit an der mehrfach unbenannten Tochter behalten wolle.

Der 169 Jahre alte Konzern hat sich wie kaum ein anderes deutsches Unternehmen immer wieder durch Abspaltungen gehäutet. An die Börse brachte Siemens im Jahr 2000 das Chipunternehmen Infineon, danach das Bauteile-Geschäft Epcos und zuletzt die Lichttechniktochter Osram. Die Osram-Aktien verschenkte Siemens großteils an die eigenen Aktionäre und behielt einen Anteil von gut 16 Prozent. Die Börsennotiz der Medizintechniksparte sei nicht mit der Trennung von vergleichbar, betonte Finanzchef Ralf Thomas.

Mit der Bereitschaft, sich von der Medizintechnik zu trennen, dürfte Siemens auch mögliche Großinvestoren auf den Plan rufen. Schon bei der Trennung vom Autozulieferer VDO vor elf Jahren hatte Siemens den Börsengang eines Minderheitsanteils angekündigt und letztlich die ganze Firma für eine Milliardensumme an Continental verkauft. Die Hörgerätetochter wollte Siemens ebenfalls zunächst an die Börse bringen, dann übernahm ein Finanzinvestor das Geschäft.

Die Konzernspitze betonte, der Börsengang der Medizintechnik solle „unter dem Dach von Siemens“ erfolgen. Die Sparte werde ein Investitionsschwerpunkt bleiben, versicherte Thomas. Die Übereinkünfte mit den Arbeitnehmervertretern blieben bestehen, sagte Kaeser. IG Metall und Betriebsrat äußerten sich besorgt. „Einen schrittweisen Rückzug aus der Verantwortung, wie er in anderen ehemaligen Geschäftsbereichen geschehen ist, werden wir nicht hinnehmen“, sagte Healthineer-Betriebsratschefin Dorothea Simon. Siemens stieß immer wieder Geschäftsfelder ab, die bereits Probleme hatten oder wenig später welche bekamen. Vielen Siemensianern ist insbesondere das Debakel des Verkaufs des Handygeschäfts an die Taiwaner BenQ in Erinnerung. Nur kurz nach dem Erwerb ließen die Asiaten das einstige Siemens-Geschäft krachend in die Pleite fallen. Auch den Trennung von der Netzwerktechnik, von Infineon, Epcos und Osram fielen letztlich Tausende Arbeitsplätze zum Opfer.

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