Istanbul: Opferzahl von Anschlägen auf 38 gestiegen

Nach den Terroranschlägen in Istanbul hat sich die Zahl der Toten erhöht. Noch ist unklar, wer für die Anschläge verantwortlich ist.

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Die Opferzahl der Anschläge in Istanbul ist auf 38 gestiegen. Wie der türkische Innenminister Süleyman Soylu am Sonntagvormittag mitteilte, wurden bei dem Doppelanschlag auf die Polizei nach einem Fußballspiel im zentralen Stadtteil Besiktas 30 Polizisten, sieben Zivilisten sowie ein Mensch getötet, dessen Identität noch ungeklärt sei. Zudem habe es 166 Verletzte gegeben, von denen sich 14 auf der Intensivstation befänden. Zuvor war die Rede von 29 Toten gewesen, darunter 27 Polizeibeamte.

Am Samstagabend war zunächst eine Autobombe nahe einem Polizeibus am Stadion explodiert, bevor sich knapp eine Minute später ein Selbstmordattentäter im angrenzenden Macka-Park inmitten von Polizisten in die Luft sprengte, die das Spiel zwischen den Erstligaklubs Besiktas und Bursaspor abgesichert hatten. Es wurden laut Soylu bereits zehn Verdächtige festgenommen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem „Terrorakt“, der möglichst viele Opfer verursachen sollte. Die Menschen in Istanbul hätten wieder einmal „das hässliche Gesicht des Terrorismus“ miterlebt, der „Werte und Moral mit Füßen tritt“. Welche Gruppe verantwortlich sei, sei ohne Bedeutung, die Regierung werde alle „Terrorgruppen“ besiegen. Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus erklärte, der Anschlag habe sich ganz klar gegen die Polizei gerichtet.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat, doch fällt der Verdacht auf die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihre radikale Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), die wiederholt Anschläge verübten. Die Attentate erfolgten wenige Stunden, nachdem die Regierungspartei AKP ihren hoch umstrittenen Entwurf für eine Verfassungsreform ins Parlament eingebracht hatte, mit dem die Befugnisse von Präsident Erdogan deutlich ausgeweitet werden sollen.

Allerdings könnte auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hinter der Tat stecken. Sie wird von der Regierung ebenfalls für mehrere Anschläge verantwortlich gemacht, darunter für die Selbstmordanschläge am Istanbuler Atatürk-Flughafen, bei denen im Juni 47 Menschen getötet worden waren. Die türkische Armee geht seit Anfang September im Norden Syriens gegen die Dschihadisten vor und rückte am Samstag in ihre Hochburg Al-Bab ein.

Ministerpräsident Binali Yildirim rief eine eintägige Staatstrauer aus und ordnete an, dass die Flaggen am Sonntag auf Halbmast gesetzt werden. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu mitteilte, sagte Erdogan eine geplante Reise nach Kasachstan ab.

Das Auswärtige Amt in Berlin empfahl allen Reisenden in Istanbul, vorerst in ihren Hotels und Unterkünften zu bleiben und sich über seine Reisehinweise oder die Medien über die weitere Lage zu informieren. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte die „furchtbaren Terrorakte“ in Istanbul und versicherte der Türkei die „Solidarität“ des Bündnisses. Die US-Botschaft in Ankara schrieb auf Twitter: „Unsere Herzen und Gebete sind bei den Menschen in Istanbul heute Nacht.“

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