Europäische Zentralbank setzt Krisenbank Monte Paschi unter Druck

Die Europäische Zentralbank will der kriselnden Bank Monte Paschi nicht mehr Zeit einräumen, um an frisches Geld zu kommen. Die Situation spitzt sich zu.

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EZB-Präsident Mario Draghi. (Foto: dpa)

EZB-Präsident Mario Draghi. (Foto: dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) lehnt es Insidern zufolge ab, der angeschlagenen italienischen Bank Monte Paschi mehr Zeit für die Suche nach frischem Geld zu geben, berichtet Reuters. Darauf aber dringen potenzielle Investoren. Damit wächst der Druck auf die Regierung, in die Bresche zu springen und das drittgrößte Kreditinstitut des Landes selbst zu retten. Erschwert wird die Suche nach einer raschen Lösung durch den Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi, der nach der klaren Niederlage beim Verfassungsreferendum nur noch geschäftsführend im Amt ist. Die Krise könnte auch Branchenprimus UniCredit zu schaffen machen, der ebenfalls auf der Suche nach neuen Geldgebern ist.

Monte dei Paschi hat wegen der Regierungskrise in Rom um eine Fristverlängerung bis zum 20. Januar gebeten. Denn mehrere Investmentbanken halten den Fahrplan für die Rettung ebenfalls für zu knapp bemessen. Sie sei bis zum Jahresende wohl nicht umsetzbar, sagten Insider zu Reuters. Auch mangele es an Investoren. Ein Konsortium von Investmentbanken muss darüber entscheiden, ob es bei der angedachten Kapitalerhöhung in Höhe von fünf Milliarden Euro mitmachen will. Die Bank teilte am Freitagabend mit, trotzdem ihren Rettungsplan vorantreiben zu wollen. Das Geldhaus habe von der EZB bislang keine Reaktion auf die Bitte um einen Aufschub für die Kapitalmaßnahmen erhalten. Der Verwaltungsrat wolle seine Beratungen am Sonntagnachmittag wieder aufnehmen.

An der Mailänder Börse stürzten Monte-Paschi-Aktien zum Wochenschluss um mehr als 14 Prozent ab. Die EZB wollte sich nicht zu den Informationen äußern.

Ein Eingreifen des Staates könnte nun sehr schnell erfolgen. Dies sei innerhalb von Tagen denkbar, verlautete aus Kreisen der Finanzbranche und Regierung. Am Freitag traf sich demnach Monte-Paschi-Chef Marco Morelli mit Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan sowie Vertretern der Investmentbanken JPMorgan und Mediobanca.

Monte dei Paschi ächzt als Folge der jahrelangen Wirtschaftsflaute unter einem Milliardenberg fauler Kredite und braucht dringend frisches Kapital. Der Rettungsplan war ursprünglich bis Ende Dezember angelegt und setzte auf eine privatwirtschaftliche Lösung: Die älteste Bank der Welt wollte am Markt fünf Milliarden Euro einsammeln – über eine Kapitalerhöhung und einen Anleihentausch.

Möglich ist jetzt eine Teilverstaatlichung. Spielraum für eine solche Lösung gibt es: Die Verordnungen der Europäischen Union lassen prinzipiell eine „vorsorgliche Rekapitalisierung“ einer Bank durch den Staat zu, um eine drohende Schieflage abzuwenden. Insidern zufolge könnte das Finanzministerium in Rom Nachrang-Anleihen von etwa 40.000 Kleinanlegern aufkaufen und diese Bonds dann in Aktien umwandeln. Damit würde der Staatsanteil an der Bank von derzeit vier auf bis zu 40 Prozent steigen. Bis zum Wochenende sei eine solche Transaktion – insgesamt zwei Milliarden Euro schwer – durchaus möglich, hatte es zuletzt geheißen.

In diesem schwierigen Umfeld wird sich wohl auch Italiens Branchenprimus UniCredit aus der Deckung wagen. Nächste Woche könnte die Mutter der Münchner HypoVereinsbank die lange erwartete Kapitalerhöhung bekanntgeben. Ein Volumen von bis zu 13 Milliarden Euro ist Insidern zufolge im Gespräch. Damit könnte das Geldhaus Bedenken über ihre Kapitalausstattung ausräumen. Auch UniCredit hat viele faule Kredite in den Büchern und macht verglichen mit europäischen Rivalen wenig Gewinn.

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