Polizei: Verdächtiger zweiter Tunesier war Fehlalarm

Die Ermittler präsentieren im Fall des Lkw-Anschlags auf einen Weihnachtsmarkt ein neues Ergebnis.

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Der als möglicher Komplize des mutmaßlichen Weihnachtsmarkt-Attentäters von Berlin festgenommene Tunesier ist wieder auf freiem Fuß. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe teilte am Donnerstag mit, sie habe keinen Haftbefehl gegen den 40-Jährigen beantragt. „Die weiteren Ermittlungen haben (…) ergeben, dass es sich bei dem vorläufig Festgenommenen nicht um die mögliche Kontaktperson von Anis Amri handelt“, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft unter Verweis auf den mutmaßlichen Attentäter Amri. „Er war daher aus der Haft wieder zu entlassen.“

Neun Tage nach dem Lkw-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche hatte die Polizei in der Hauptstadt einen möglichen Kontaktmann des Tunesiers Anis Amri festgenommen. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 40-jährigen Tunesier aus Berlin, wie die Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe mitteilte. Demnach durchsuchten Ermittler des Bundeskriminalamts auf Grundlage eines Beschlusses des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs Wohn- und Geschäftsräume des Mannes.

Im Mobiltelefon Amris, von dem die Polizei sagt, es sei am Tatort gefunden worden, sei die Nummer des Festgenommenen gespeichert gewesen, erklärte die Bundesanwaltschaft. Die Ermittlungen deuteten darauf hin, dass er in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte. Bis Donnerstag werde geprüft, ob ein Haftbefehl beantragt werde, hieß es.

Ob der Mann namens Amri wirklich derjenige war, der den Lkw in den Weihnachtsmarkt gesteuert hat, lässt sich unabhängig nicht beurteilen. Der Verdacht ist auf den Mann gefallen, weil er angeblich seine Duldungsbestätigung im Lkw vergessen hatte. Ein Mann namens Amri war wenige Tage nach dem Lkw-Anschlag in Mailand erschossen worden. Bundeskanzlerin Merkel hatte daraufhin erklärt, dass die konkrete Gefahr in diesem Fall mit dem Tod des Mannes in Mailand beendet sei.

Tatsächlich verfügt die Öffentlichkeit kaum über aussagekräftige Informationen über den Fall. Es ranken sich dagegen jede Menge an Mythen, wie etwa jene, dass der polnische Lkw-Fahrer dem Attentäter ins Lenkrat gefasst haben soll, und damit Schlimmeres verhindert habe. Der Mann wurde daraufhin in einer Petition für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Weniger später räumten die Ermittler jedoch ein, dass der Mann schon vor der Fahrt auf den Weihnachtsmarkt erschossen worden sein soll.

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