Kanadische Rating-Agentur stuft Italien herab

Die kanadische Ratingagentur DBRS entzieht Italien die Note A. Die Regierung in Rom hofft dennoch, dass sich die Kreditkosten nicht verteuern werden.

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Schlechte Nachrichten für Italien und seine ohnehin schon angeschlagene Bankenbranche: Die Ratingagentur DBRS stufte am Freitag die Bonität des Landes herab. Sie begründete dies mit der anhaltenden Schwäche im italienischen Bankensystem, fragilem Wachstum und Zweifeln an der Fähigkeit der Regierung, Reformen umzusetzen. Der Euro gab nach der Entscheidung zum Dollar etwas nach. Aus dem italienischem Finanzministerium hieß es gleichwohl, die Herabstufung dürfte keinen großen Einfluss auf die Kreditkosten des Landes haben.

Italien hat nun bei keiner der vier großen Agenturen mehr ein „A“-Rating. Als Folge könnte sich der Risiko-Aufschlag beim Anleihenkauf erhöhen. Italiens Banken würde dies treffen, weil sie Anleihen des Landes als Sicherheit für Kredite hinterlegen, die sie bei der EZB aufnehmen.

Im Gegensatz zu den US-Agenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch hatte die kanadische DBRS Italien bislang noch mit einem „A“-Rating geführt. Das reichte der Europäischen Zentralbank (EZB), um italienische Anleihen noch zu Top-Konditionen aufzukaufen. Nun stufte aber auch die DBRS das Land herab und führt Italien mit „BBB (high)“ statt „A (low)“.

Völlig überraschend kommt die Herabstufung nicht. Die DBRS hatte schon im August angekündigt, einen solchen Schritt zu prüfen. Als Grund hatte sie die politische Unsicherheit in Italien im Vorfeld eines bevorstehenden Verfassungsreferendums genannt, an das der damalige Regierungschef Matteo Renzi seine politische Zukunft geknüpft hatte. Im Dezember äußerte sich die Agentur nochmals skeptisch, nachdem Renzi sich bei der Volksbefragung nicht durchsetzen konnte und seinen Rücktritt ankündigte.

Nach der DBRS-Ankündigung im August hatte die italienische Regierung die Agentur noch kritisiert und eine Anfechtung erwogen. Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan hatte damals erklärt, die angeschlagenen Banken seines Landes seien nicht auf Staatshilfen angewiesen. Das hat sich inzwischen aber als falsch erwiesen, denn die neue Regierung unter Paolo Gentiloni hat 20 Milliarden Euro an die Seite gelegt, um Banken bei Schwierigkeiten zu helfen. Allein die Rettung der viertgrößten Bank Italiens, der Bank Monte Paschi, dürfte ein Drittel dieses Geldes verschlingen.

Die DBRS erklärte dazu am Freitag, trotz der Pläne zur Regierung zur Banken-Hilfe bleibe das Niveau der faulen Kredite bei den Geldhäusern hoch. Das habe auch Auswirkungen auf die Aufgabe der Branche, die Wirtschaft des Landes zu unterstützen.

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