Frankreich: Fillon soll offiziell angeklagt werden

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Francois Fillon soll offiziell angeklagt werden. Ein Sieg bei den bevorstehenden Wahlen rückt damit in weite Ferne.

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Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon ist wegen des Verdachts der Scheinbeschäftigung seiner Frau von Ermittlungsrichtern für den 15. März vorgeladen worden, berichtet die dpa. Dabei soll ein Verfahren gegen den Konservativen eingeleitet werden und dieser damit offiziell als Beschuldigter eingestuft werden. Das sei seinem Anwalt mitgeteilt worden, sagte Fillon am Mittwoch in Paris. Er weise die Vorwürfe weiter zurück. Fillon sprach von einem Versuch, ihn politisch zu „ermorden“.

Fillons Frau Penelope hatte jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann gearbeitet. Die Justiz ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Hinterziehung öffentlicher Mittel. Am Freitag war das Verfahren in die Hände von Ermittlungsrichtern gelegt worden. Fillon hatte lange als Favorit für die Wahl gegolten, die Vorwürfe hatten seinen Wahlkampf in den vergangenen Wochen aber schwer belastet und ihn auch in den Umfragen zurückfallen lassen.

Die Kandidatur von Francois Fillon in Frankreich kam einem politischen Erdbeben gleich: Fillon vertritt in fast allen Positionen das genaue Gegenteil dessen, was Angela Merkel will. So äußerte er sich kritisch zum Euro und will eine Entspannungspolitik mit Russland einleiten.

Eine Übersicht der Ereignisse:

  1. Januar

Die satirische Investigativzeitung „Le Canard Enchaîné“ enthüllt, dass Fillon als Abgeordneter seine Ehefrau Penelope jahrelang als parlamentarische Assistentin beschäftigte – ohne dass es Hinweise auf eine tatsächliche Arbeit gibt. Die nationale Finanzstaatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Mittel ein.

  1. Januar

Fillon weist den Vorwurf einer Scheinbeschäftigung zurück: Die Beschäftigung seiner Ehefrau sei legal und „vollkommen transparent“ gewesen.

  1. Januar

Der in der Republikaner-Vorwahl unterlegene Ex-Premierminister Alain Juppé schließt aus, Fillon bei einem Rückzug als Präsidentschaftskandidat zu ersetzen.

  1. Januar

Das Ehepaar Fillon wird erstmals von Ermittlern zu den Vorwürfen befragt.

  1. Januar

Ermittler sichern in der französischen Nationalversammlung Dokumente zur Beschäftigung von Penelope Fillon. Der Präsidentschaftskandidat bezeichnet sich als Opfer einer „professionell“ organisierten, beispiellosen Verleumdungskampagne.

  1. Februar

„Le Canard Enchaîné“ legt nach: Die Zeitung deckt auf, dass Fillon in seiner Zeit als Senator zwei seiner Kinder für insgesamt knapp 84.000 Euro als Mitarbeiter beschäftigte. Das Gehalt von Penelope Fillon als parlamentarische Mitarbeiterin beziffert das Wochenblatt auf insgesamt rund 830.000 Euro. Erste Parteifreunde rufen Fillon zum Rückzug auf.

  1. Februar

Ein wieder aufgetauchtes Video bringt Fillon weiter in Bedrängnis: In einem Interview sagte seine Ehefrau 2007 der britischen Zeitung „Sunday Telegraph“: „Ich war niemals die Assistentin meines Mannes.“

  1. Februar

Fillon bezeichnet die Beschäftigung seiner Ehefrau erstmals als „Fehler“ und entschuldigt sich. Er weist aber erneut jeden Gesetzesverstoß von sich und hält an seiner Präsidentschaftskandidatur fest.

  1. Februar

Die Anwälte des Ehepaars Fillon fordern die nationale Finanzstaatsanwaltschaft auf, die Ermittlungen einzustellen oder abzugeben. Die Behörde sei in dem Fall nicht zuständig.

  1. Februar

Fillon rückt von seiner früheren Aussage ab, er werde bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens auf seine Kandidatur verzichten. Er will also auch antreten, wenn er formell beschuldigt wird.

  1. Februar

Die Ermittlungen gegen Fillon werden ausgeweitet: Die Finanzstaatsanwaltschaft übergibt den Fall an drei Untersuchungsrichter.

  1. März

Fillon teilt in einer Pressekonferenz mit, dass die Untersuchungsrichter ihn formell beschuldigen wollen und ihn deswegen für den 15. März vorgeladen haben. Er bezeichnet die Ermittlungen als politisch motiviert und betont, an seiner Präsidentschaftskandidatur festzuhalten.

 

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