Draghi: Zinsen bleiben niedrig, Bank-Aktien im Aufwind

EZB-Chef Mario Draghi sorgt für gute Stimmung bei den Banken: Er sieht die Lage der Branche positiv und will die Zinsen noch lange niedrig halten. Für die deutschen Sparer sind das angesichts der steigenden Inflation keine guten Nachrichten.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), spricht am 09.03.2017 während der Pressekonferenz in der EZB-Zentrale in Frankfurt am Main. (Foto: dpa)

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), spricht am 09.03.2017 während der Pressekonferenz in der EZB-Zentrale in Frankfurt am Main. (Foto: dpa)

+++WERBUNG+++

Die EZB sieht vorerst keinen Bedarf, ihre Niedrigzinspolitik zu verschärfen. „Wir erwarten, dass die Zinsen noch einige Zeit auf demselben Niveau bleiben“, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung habe sich verringert. Es habe auf der Ratssitzung eine „flüchtige Debatte“ darüber gegeben, ob die Notenbank dies in ihrem Zinsausblick deutlich machten sollte. Die EZB hatte ihre bereits seit längerem verwendete Formulierung jedoch beibehalten, dass die Schlüsselsätze weit über die Zeit des Anleihen-Kaufprogramms der EZB hinaus auf dem aktuellen Niveau oder sogar noch niedriger liegen werden.

Europäische Bankaktien haben von optimistischen Draghis Äußerungen zur Lage in der Branche profitiert. Draghi hatte auf der Pressekonferenz der Notenbank am Donnerstag gesagt, dass es keine Diskussion über weitere supergünstige Langfristkredite für Banken (TLTRO) gegeben habe. Das sei Ausdruck eines sich aufhellenden Klimas. Das gab Finanztiteln Auftrieb: Der europäische Sektorindex legte 2,3 Prozent zu.

„Einige Investoren hatten im Vorfeld auf weitere Langfristtender spekuliert. Dass diese als Notfallinstrumente verstandenen Maßnahmen nun erstmal ausbleiben, wird positiv gesehen“, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen.

Für die Sparer sind das angesichts der steigenden Inflation keine guten Nachrichten. Das IfW hatte am Donnerstag in seinber Prognose einen Ausblick für die Iflation gegeben: Die Deutschen müssen sich demnach auf deutlich steigende Preise einstellen.

Aus Deutschland kamen daher kritische Stimmen. „Die EZB hat erneut die Chance verpasst, den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik einzuleiten“, kommentierte die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel. Aus Sicht des Ifo-Präsidenten Clemens Fuest wäre es besser gewesen, die Anleihenkäufe ab Mai weiter zu senken. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich vor dem Zinsbeschluss bereits für einen Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik ausgesprochen: „Je länger die Niedrigzinsphase andauert, umso größer werden die Belastungen.“

Die Notenbank will die umstrittenen Anleihenkäufe bis mindestens Ende 2017 fortsetzen. Auf der Ratssitzung sei ein Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik kein Thema gewesen, sagte Draghi. Der Leitzins für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Wie der Notenbankchef weiter mitteilte, plant die EZB zudem vorerst keine neue Runde von supergünstigen Langfristkrediten für Banken. Das entsprechende Programm werde auslaufen. Er schloss einen erneuten Einsatz solcher Geldsalven jedoch nicht aus, falls sie in der Zukunft wieder erforderlich werden sollten. Die EZB hatte die vier großen Geldspritzen, die im Fachjargon „TLTRO II“ genannt werden, im vergangenen Jahr beschlossen. Das letzte der vier Geschäfte soll Ende März abgewickelt werden. Damit will die EZB Anreize schaffen, dass Geldhäuser das günstige Geld in Form von Krediten an Firmen und Haushalte weiterreichen.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick