Shortseller greift Investor Aurelius an, Aktie bricht ein

Der britische Hedgefonds Gotham City hat die Aktie der Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius zum Absturz gebracht. Die Shortseller werfen Aurelius Ungereimtheiten in Bilanzen vor. Das Unternehmen verlor durch die Attacke 400 Millionen Euro an Wert.

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Der Aurelius-Kurs auf drei Jahre gesehen. (Grafik: Ariva)

Der Aurelius-Kurs auf drei Jahre gesehen. (Grafik: Ariva)

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius ist ins Visier des Hedgefonds Gotham City geraten. Die Aktie sackte am Dienstag nach einem kritischen Kommentar von Gotham City um bis zu 32 Prozent auf 44,10 Euro ab. Es war der größte Kurssturz in der Geschichte des Finanzinvestors, der überwiegend aus Sanierungsfällen ein Portfolio mit fast drei Milliarden Euro Umsatz aufgebaut hat. Gotham City schrieb in einem im Internet veröffentlichten Bericht, die Aurelius-Aktie sei seiner Ansicht nach nicht mehr wert als 8,56 Euro. Der Hedgefonds, der zugleich mit Leerverkäufen auf fallende Kurse bei Aurelius wettete, wirft dem Investor unter anderem Ungereimtheiten bei der Bilanzierung vor.

Aurelius wies die Vorwürfe zurück. Die Studie von Gotham City bestehe aus bekannten Fakten, die aber bewusst in irreführender Weise und mit falschen Behauptungen und Annahmen präsentiert worden seien, um den Aktionären des Unternehmens zu schaden – und zum Nutzen des Leerverkäufers. Aurelius prüfe Schadenersatz-Forderungen und eine Strafanzeige wegen Marktmanipulation gegen Gotham City. Die Wertpapieraufsicht erklärte, sie prüfe den Handel mit den Aktien routinemäßig.

Um den Kurs zu stützen, legt das Unternehmen sofort ein weiteres, 50 Millionen Euro schweres Aktienrückkaufprogramm auf. Die Hauptversammlung solle am 21. Juni zudem einen Rückkauf von weiteren zehn Prozent des Grundkapitals beschließen. Die im kaum regulierten Freiverkehr der Münchner Börse gehandelte Aktie stabilisierte sich etwas und lag am Nachmittag noch 19 Prozent im Minus. Damit hat Aurelius aber immer noch rund 400 Millionen Euro an Wert verloren.

Aurelius-Chef Dirk Markus hat sein Geschäftsmodell, den Kauf angeschlagener Unternehmen zu günstigen Preisen, von Deutschland auf ganz Europa ausgeweitet. Dabei profitiert der Finanzinvestor von Buchgewinnen, weil der Kaufpreis unter dem Buchwert liegt. Das sei „ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells“, hieß es in der Stellungnahme von Aurelius. Der größte Zukauf war jüngst die Europa-Sparte des US-Bürobedarf-Händlers Office Depot. Zu den bekanntesten Beteiligungen gehören die Fernhochschule AKAD, die Nachhilfe-Organisation Studienkreis und der Segelyachtbauer HanseGroup. Vom börsennotierten Spirituosen- und Saft-Hersteller Berentzen hat sich das Unternehmen im vergangenen Jahr getrennt.

Laut Bundesanzeiger hielt Gotham City am vergangenen Freitag Leerverkaufs-Positionen im Volumen von 0,61 Prozent des Grundkapitals von Aurelius. Bei Leerverkäufen leihen Investoren sich Aktien, um diese zu verkaufen. Dabei hoffen sie, die Papiere bis zum Ende der Ausleihfrist billiger zurückkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen zu können.

Deutsche Unternehmen sind schon öfter ins Visier von Short-Sellern geraten. Bei Wirecard war der Kurs im Februar 2016 massiv eingebrochen, nachdem die bis dahin unbekannte Zatarra Research & Investigations Betrugs- und Geldwäschevorwürfe erhoben hatte. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen dubioser Handelsaktivitäten in dem Fall. Beim Werbevermarkter Ströer hatte der US-Investor Muddy Waters vor knapp einem Jahr mit einer negativen Analyse einen Kurssturz ausgelöst.

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