Neuwahlen Großbritannien: Pfund gewinnt, Euro verliert

Neuwahlen: Pfund gewinnt, Euro verliert

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Nach der Ankündigung von Neuwahlen zog das britische Pfund an, die Renditen britischer Anleihen stieg. Zuvor war das Pfund abgestürzt, an den Märkten soll laut dpa kurzzeitig über einen Rücktritt Mays spekuliert worden sein. Die britische Währung wertete vor allem gegenüber dem Euro auf.

Die britische Premierministerin Theresa May hat überraschend Neuwahlen für den 8. Juni angekündigt. Für die Verhandlungen über den Austritt aus der EU müsse im Parlament Einigkeit herrschen, sagte May am Dienstag vor ihrem Amtssitz in London. Dies sei jedoch nicht der Fall, die Opposition schwäche die Verhandlungsposition der Regierung. Nur durch eine vorgezogene Wahl können für die kommenden Jahre Stabilität gewährleistet werden. Am Mittwoch wolle sie eine entsprechende Vorlage ins Parlament einbringen und noch am selben Tag darüber abstimmen lassen. Umfragen zufolge dürften Mays Konservative die Wahl deutlich gewinnen.

Die Legislaturperiode dauert eigentlich noch bis 2020. May benötigt eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament, um die Wahl vorzuziehen. Die oppositionelle Labour Party begrüßte die Ankündigung Mays. Umfragen zufolge dürften die Konservativen die Abstimmung allerdings deutlich gewinnen. Einer Erhebung von YouGov aus der vergangenen Woche zufolge kämen sie auf 44 Prozent, während Labour 23 Prozent und die Liberaldemokraten zwölf Prozent bekommen würden. Wegen des Mehrheitswahlrechts dürfte es noch klarere Verhältnisse im Parlament als bisher geben. May könne mit einer „ziemlich substanziellen Mehrheit“ rechnen, sagte der Umfragenexperte John Curtice von der University of Strathclyde.

Die Briten hatten im Juni 2016 für den Austritt aus der EU-gestimmt, den die Regierung Ende März in Brüssel beantragte. Die Verhandlungen sollen in Kürze beginnen. Das Land soll nach dem Willen der Regierung 2019 die EU verlassen. May strebt als Ersatz für den EU-Binnenmarkt und die Zollunion ein Freihandelsabkommen an.

Neuwahlen sind im Zuge der EU-Austrittsverhandlungen ein interessanter Schachzug: Neuwahlen würden die Verhandlungen deutlich blockieren. Es war in den vergangenen Monaten immer wieder spekuliert worden, dass die Briten gar kein Ergebnis haben wollen.

Die britische Geopolitik der vergangenen Jahre war nämlich auf Hegemonie in Europa ausgelegt. Demnach versprechen sich die britischen Falken mehr davon, die EU zu zerstören als sie zu bewahren.

Britische Finanzkreise sind einem Crash nicht abgeneigt. Großbritannien sieht sich als Gegenspieler zur EU in Europa.