United Internet will Drillisch übernehmen

Durch den Zusammenschluss von United Internet und Drillisch entsteht in Deutschland ein vierter Telekom-Gigant.

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Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der United Internet AG. (Foto: dpa)

Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der United Internet AG. (Foto: dpa)

Peter Maushagen und Alexander Hübner von Reuters über einen koplexen Deal, der die deutsche Telekommunikationsbranche verändert:

Internet-Milliardär Ralph Dommermuth will den drei deutschen Telefon- und Mobilfunk-Riesen Konkurrenz machen. Dazu schluckt der Online-Unternehmer aus dem Westerwald mit seinem Konzern United Internet („1&1“, „gmx.de“) den kleineren Konkurrenten Drillisch. Mit der mehr als acht Milliarden Euro schweren Transaktion solle „eine starke vierte Kraft im deutschen Telekommunikationsmarkt“ neben Telekom, Vodafone und Telefonica („o2“) aufgebaut werden, sagte Dommermuth am Freitag. Durch die Fusion der United-Internet-Telekom-Sparte mit Drillisch lassen sich nach seiner Schätzung pro Jahr 150 Millionen Euro einsparen. Mit Drillisch erhält United Internet zudem Zugriff auf die Netzkapazitäten von o2. Experten zufolge ist der hochattraktive Mobilfunk-Vertrag mit Telefonica das Juwel der kleinen Firma – und Hauptgrund für deren Kauf.

Drillisch ist mit Marken wie Yourphone und Smartmobil bekannt und wirbt mit Fußballspieler Lukas Podolski. Durch den Schulterschluss mit United Internet aus Montabaur entsteht ein Konzern mit 3,2 Milliarden Euro Umsatz und knapp acht Millionen Handy-Nutzern. Für sie können Drillisch und 1&1 künftig etwa Handys gemeinsam einkaufen und Mobilfunk- und Internet-Anschlüsse aus einer Hand anbieten. Doch der Rückstand auf die Konkurrenz ist gigantisch: Telekom, Vodafone und o2 haben jeweils 40 bis 45 Millionen Mobilfunk-Kunden. Der Markt ist gesättigt und die Branchenumsätze fallen wegen des Preiskriegs seit Jahren.

Börsianer jubelten über die Fusion. Die Aktien von Drillisch schossen um elf Prozent auf ein Rekordhoch von 54 Euro nach oben – das sind vier Euro mehr als United Internet ihnen für ihrer Papiere bietet. United Internet gewannen mehr als 13 Prozent. „Der Deal macht absolut Sinn“, urteilte ein Händler. „Damit entsteht ein neuer großer Spieler am Markt.“

United Internet und Drillisch haben keine eigenen Mobilfunknetze, sondern mieten die Dienste der drei Betreiber. Der einstige Vierte im Bunde – E-Plus – wurde 2014 von der Münchner o2 geschluckt. Die EU-Kommission genehmigte den 8,6 Milliarden Euro schweren Kauf nur mit der Auflage, dass es in Deutschland weiter Wettbewerb geben muss. Um die Bedingung zu erfüllen, vermietete o2 bis zu ein Drittel seiner Netzkapazität an Drillisch. Pikant daran: Auch Freenet („Mobilcom Debitel“) und United Internet waren daran interessiert, zogen in den Verhandlungen mit o2 aber den Kürzeren.

Vor zwei Jahren stieg Dommermuth mit United Internet mit 20 Prozent bei Drillisch ein. Seither spekulierten Analysten, dass er bei Gelegenheit auch den Rest kaufen würde, um sich Zugriff auf den o2-Vertrag zu sichern. Nun wurden sich Dommermuth und die Drillisch-Chefs einig. United Internet befreit sich damit aus einer Sackgasse, da die Gespräche mit dem langjährigen Partner Vodafone über einen Ausbau der Netznutzung stockten. „Vodafone verwehrte uns den Zugang zum schnellen Mobilfunk LTE“, sagte Dommermuth am Freitag. Der o2-Vertrag umfasse auch neue Technologien wie den nächsten Mobilfunkstandard 5G. Er könne bis 2030 verlängert werden.

Die Transaktion ist kompliziert. United Internet bringt die Mobilfunk- und Festnetz-Tochter 1&1 Telecommunication für 5,85 Milliarden Euro bei Drillisch ein und übernimmt im Gegenzug in zwei Schritten die Mehrheit an dem Unternehmen aus Maintal bei Frankfurt. Die Beteiligung soll über zwei Kapitalerhöhungen auf 72,7 Prozent steigen. Geld fließt dabei nicht. Die Aktionäre von Drillisch erhalten ein Übernahmeangebot über 50 Euro je Aktie, das nur drei Prozent über dem Schlusskurs vom Donnerstag liegt. Nehmen es alle an – was nicht zu erwarten ist – müsste United Internet dafür 2,2 Milliarden Euro hinblättern. Drillisch soll aber an der Börse notiert bleiben.

Die Führung der künftigen Tochtergesellschaft übernimmt Dommermuth selbst, Drillisch-Chef Vlasios Choulidis wechselt in den Aufsichtsrat. Unter Dach und Fach sein soll die Übernahme bis Jahresende. Doch vorher müssen noch die Kartellwächter grünes Licht geben.

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