Flughäfen beginnen mit der virtuellen Kontrolle des Flugverkehrs

Der alte Kontrollturm hat bald ausgedient. Die virtuelle Überwachung des Flugverkehrs ist Realität.

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Ein virtueller Kontrollturm. (Foto: NATS)

Ein virtueller Kontrollturm. (Foto: NATS)

Der London City Airport hat angekündigt, dass er als erster britischer Flughafen einen digitalen Kontrollraum zu bauen und zu betreiben beabsichtigt – mit einer Multi-Millionen-Pfund-Investitionen in die Technologie. Die innovativen Pläne sind ein Meilenstein im 30-jährigen Jubiläumsjahr des Flughafens und markieren den Beginn einer technologischen Revolution im britischen Flughafen-Flugverkehrsmanagement.

In enger Zusammenarbeit mit NATS, dem führenden Anbieter von Flugsicherungsdiensten in Großbritannien, hat der London City Airport Pläne für einen neuen Turm genehmigt, an dessen Spitze 14 High-Definition-Kameras und zwei Pan-Tilt-Zoom-Kameras stehen. Die Kameras bieten eine vollständige 360-Grad-Ansicht des Flugplatzes in einer Detaillierungsstufe, die größer ist als das menschliche Auge und die mit neuen Betrachtungswerkzeugen ausgestattet ist, die das Flugverkehrsmanagement modernisieren und verbessern werden.

Die Briten sind nicht die ersten in diesem Trend.

Schweden und Norwegen haben damit begonnen, die Überwachung des Flugverkehrs an einem Teil ihrer Flughäfen von ferngesteuerten Systemen aus durchzuführen zu lassen. Dazu bedarf es keines Flughafen-Turmes als Überwachungszentrale mehr, sondern die diese befindet sich an irgendeinem anderen Ort – teilweise weit entfernt vom Flughafen selbst, berichtet der Economist.

Voraussetzung für das Funktionieren des Systems sind zahlreiche Kameras, mit denen der Flugverkehr am Flughafen aufgezeichnet wird. Dabei handelt es sich neben normalen Kameras auch um solche mit Infrarotsicht und weiteren speziellen Sensoren. Diese sollen ein umfassendes, „virtuelles“ Bild der Geschehnisse in Echtzeit vermitteln. In dem Kontrollraum laufen dann sämtliche Aufzeichnungen zusammen.

Schweden war das erste Land der Welt, dass diese Art der Luft-Überwachung einführte. So wurde der Turm des Flugplatzes Ornskoldsvik im Norden des Landes im Jahr 2015 geschlossen und rund 130 Kilometer südlich davon ein Kontrollraum eingerichtet. Dieser übernahm kurz darauf auch die Luftraumüberwachung eines anderen Flugplatzes und wird kommendes Jahr auch für den Luftraum des südschwedischen Flugplatzes Linkoping zuständig sein. Norwegen arbeitet gerade daran, die Koordination von 15 kleineren Flughäfen in einem einzigen Zentrum zusammenzufassen. Dieses Netzwerk können nach erfolgreicher Inbetriebnahme um weitere Flughäfen erweitert werden, sagen die Behörden.

Befürworter behaupten, dass diese Maßnahmen zu mehr Sicherheit und geringeren Kosten für die Flughafenbetreiber führen werden. Der Einsatz von Spezialkameras erlaube eine bessere Sicht bei Nacht und schlechtem Wetter, als sie die Besatzung des Turms gewährleisten könne. Durch die Bündelung der Überwachung mehrerer Flughäfen in eine Struktur ließen sich Kosten in großem Umfang einsparen.

Allerdings beinhaltet die Strategie der nordischen Länder auch hohe Risiken. In Zeiten von Cyber-Kriminalität und Terrorismus erscheint es nicht sonderlich ratsam, die Luftraumüberwachung zu bündeln und über weite Strecken mithilfe von Datenübertragung gewährleisten zu wollen. Zudem haben Fluglotsen darauf hingewiesen, dass es gefährlich sei, mehrere Flughäfen gleichzeitig zu kontrollieren – es bestehe die Gefahr, dass die Kontrolleure überfordert werden.

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