Katar-Krise belastet Börsen: Anleger suchen Sicherheit

Die Krise am arabischen Golf zieht weitere Kreise. Anleger suchen Schutz bei Gold und Staatsanleihen.

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Der Streit des Emirats Katar mit seinen arabischen Nachbarn hat Investoren am Dienstag weltweit aufgeschreckt. Gleichzeitig wuchs wegen des nahenden „Super-Donnerstag“ die Anspannung. An diesem Tag wird das britische Unterhaus neu gewählt, die Europäische Zentralbank (EZB) berät über ihre Geldpolitik und eine Anhörung des geschassten FBI-Chefs James Comey könnte den politischen Druck auf US-Präsident Donald Trump erhöhen.

Vor diesem Hintergrund gingen Investoren auf Nummer sicher und machten Kasse, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils knapp ein Prozent auf 12.712 beziehungsweise 3555 Punkte. Einige Anleger griffen zu den als sicher geltenden Bundesanleihen und drückten die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Sieben-Wochen-Tief von 0,252 Prozent. Die „Antikrisen-Währung“ Gold war mit 1293,67 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt vor knapp zwei Monaten.

Am Montag hatten unter anderem Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten ihre Verbindungen zu Katar gekappt. Sie beschuldigen das Emirat, Terror-Organisationen zu unterstützen. Katar weist die Anschuldigungen zurück. „Dass mehrere Golf-Staaten so plötzlich die Beziehungen mit Katar abbrechen, kam völlig unerwartet“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Die Aktienbörse Katars fiel am Dienstag auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 8965,61 Punkten und büßte damit binnen zwei Tagen rund zehn Prozent ein. An der Osloer Börse gaben Norsk Hydro 1,3 Prozent nach. Der norwegische Aluminium-Hersteller ist an einer Aluhütte in Katar beteiligt. Die British Airways-Mutter IAG, Großaktionärin von Qatar Airways, büßte in London 0,7 Prozent ein.

Unter Druck geriet auch der Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee gab zeitweise ein Prozent auf 49 Dollar je Barrel (159 Liter) nach. Börsianern zufolge befürchten Anleger, dass die kürzlich verlängerte Förderbremse nun zur Disposition stehe. Oystein Berentsen, Geschäftsführer des Ölhändlers Strong Petroleum, bezeichnete diese Spekulationen als unbegründet. „Das Opec-Abkommen steht und es ist unwahrscheinlich, dass sich das wegen der Spannungen mit Katar ändert.“

Unterdessen bereiteten widersprüchliche Umfragen zum Ausgang der Großbritannien-Wahl Investoren Kopfschmerzen. Während einige Demoskopen einen Sieg der Konservativen um Premierministerin Theresa May prognostizierten, sagten andere den Tories einen Verlust ihrer absoluten Mehrheit voraus. Bei einem klaren Votum für May werde diese bei den Brexit-Verhandlungen voraussichtlich kompromissbereiter auftreten, sagte Analystin Katrin Löhken vom Bankhaus Sal. Oppenheim. „Ein völlig unerwarteter Wahlausgang, insbesondere ein ‚hung parliament‘ ohne klaren Wahlgewinner, würde den Brexit-Zeitplan ordentlich durcheinanderwirbeln und die Wahrscheinlichkeit eines ungeordneten Austritts erhöhen.“ Das Pfund Sterling notierte am Dienstag kaum verändert bei 1,2903 Dollar.

Als sicher gilt an der Börse, dass die EZB die Aussichten für die Konjunktur optimistischer beurteilen wird. Zudem werde sie wohl keine Zinssenkungen mehr in Aussicht stellen, schrieb Bayern LB-Analyst Manuel Andersch in einem Kommentar. Die von manchen erhofften Signale für eine weitere Drosselung der EZB-Wertpapierkäufe seien dagegen nicht zu erwarten. Der Euro stagnierte bei 1,1253 Dollar.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel dagegen auf ein Sieben-Monats-Tief von 96,534 Punkten. US-Senatoren wollen vom ehemaligen FBI-Chef Comey unter anderem wissen, ob Präsident Trump ihn gedrängt hat, die Ermittlungen wegen angeblicher Russland-Kontakte von Trumps Wahlkampfteam fallenzulassen. Sollte sich dieser Vorwurf erhärten, halten selbst republikanische Abgeordnete ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump für denkbar.

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