Iran: Unbekannte greifen das Parlament in Teheran an

Offenbar sind das Parlament sowie das Khomeini-Mausoleum in Teheran mit einer koordinierten Attacke angegriffen worden.

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Das Parlament in Teheran. (Foto: dpa)

Das Parlament in Teheran. (Foto: dpa)

#Iran:

 

Die iranische Hauptstadt Teheran ist am Mittwoch Ziel einer Serie von Anschlägen geworden. Terroristen haben das Parlament und das Grabmal von Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini angegriffen, erklärte das Geheimdienstministerium am Mittwoch. Die radikal-islamische IS-Miliz reklamierte die Attentate für sich, berichtet Reuters. Sollte sich dies bestätigen, wäre es der erste Anschlag der sunnitischen Extremisten im Iran, der sich als Schutzmacht der Schiiten versteht. Medienberichten zufolge wurden mindestens sieben Menschen getötet und mehrere verletzt. Zwei Attentäter hätten sich in die Luft gesprengt.

Inzwischen sind dem staatlichen Sender Irib zufolge alle vier Angreifer tot. Die Sicherheitskräfte suchten nach etwaigen Sprengsätzen und räumten das Gebäude. Der Leiter des iranischen Katastrophenschutzes, Pir-Hossein Koliwand, sagte dem Sender, bei dem Doppelanschlag am Mittwoch seien insgesamt mindestens zwölf Menschen getötet worden.

Die beiden Attentate ereigneten sich fast gleichzeitig am Mittwochmorgen. Ein drittes sei vereitelt worden, erklärte das Geheimdienstministerium. Eine „Gruppe von Terroristen“, die einen dritten Anschlag geplant habe, sei festgenommen worden. Weitere Details nannte das Ministerium nicht. Drei Angreifer seien in das Parlament eingedrungen, sagte der Abgeordnete Elias Hazrati dem staatlichen Fernsehen zufolge. Einer sei mit einer Pistole, die beiden anderen seien mit Sturmgewehren des Typs AK-47 bewaffnet gewesen. Der staatliche TV-Sender Irib berichtete, einer der Angreifer habe sich in die Luft gesprengt. Anderen Medien zufolge könnte es sich bei der Explosion auch um die Detonation von Handgranaten gehandelt haben, die die Attentäter geworfen hätten.

Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete, bei dem Angriff seien sieben Menschen getötet worden. Zudem würden vier Personen in den oberen Stockwerken des Gebäudes in Teheran als Geiseln festgehalten. Tasnim berief sich auf einen Informanten vor Ort, verwies aber zugleich darauf, dass die Angaben nicht durch Sicherheitskreise bestätigt worden seien.

Wenig später zündeten Attentäter am Grabmal Chomeinis im Süden der Stadt einen Sprengsatz. Ein Attentäter habe eine Sprengstoffweste gezündet, sagte der Gouverneur von Teheran, Hossein Haschemi, dem Sender Irib zufolge. Ein weiterer Angreifer sei von den Sicherheitskräften getötet worden, die übrigen seien festgenommen worden. Ein Arbeiter sei bei dem Anschlag ums Leben gekommen, weitere Menschen seien verletzt worden. Die IS-Miliz erklärte, an diesem Anschlag seien zwei Kämpfer beteiligt gewesen.

Der schiitische Geistliche Chomeini hatte 1979 die Islamische Revolution im Iran nach dem Sturz von Schah Reza Pahlavi angeführt und das Land zu einer Islamischen Republik umgestaltet. Der erst im Mai wiedergewählte Präsident Hassan Ruhani bemüht sich um Reformen in dem Land, in dem Chomeinis Nachfolger, Ajatollah Ali Chamenei, als geistliches und politisches Oberhaupt letztlich das Sagen hat.

Ruhani hatte sich mit großer Mehrheit gegen die Kandidaten der konservativen Geistlichkeit und der mächtigen Revolutionsgarden durchgesetzt, die für die nationale Sicherheit sorgen sollen. Für Ruhani seien die Anschläge ein Rückschlag, verlautete aus Regierungskreisen. Die Stimmung sei angespannt, sagte ein Insider. „Wie können es vier bewaffnete Männer schaffen, in das Parlament einzudringen, wo es immer sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen gibt?“

Der Iran spielt auch eine Rolle in der gegenwärtigen Krise um den Golfstaat Katar. Irans Erzfeind Saudi-Arabien und weitere arabische Staaten haben die diplomatischen Beziehungen zu Katar gekappt und werfen dem Land vor, Terroristen und den Iran zu unterstützen, was die Regierung in Doha zurückweist. Der Iran sieht sich als eigentliches Ziel des Vorstoßes der arabischen Staaten und die USA als Strippenzieher, zumal er kurz nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien folgte.

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