China nervös wegen Schieflage von Anbang-Versicherung

Die chinesische Anbang-Versicherung scheint erhebliche Probleme zu haben. Taumelt das Institut, könnten dies unabsehbare Folgen für das globale Finanzsystem haben.

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Die Probleme des chinesischen Versicherungsgiganten Anbang sind offenbar größer als bisher bekannt. Wenige Tage nach der Festnahme von Konzernchef Wu Xiaohui erklärte der Konzern am Donnerstag, dass seine Produkte weiter über Banken verkauft würden. Angestellte mehrerer Finanzinstitute erklärten aber auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters, teilweise sei der Vertrieb schon vor Monaten eingestellt worden. So sagte der Chef einer Pekinger Filiale der weltgrößten Bank ICBC, noch im vergangenen Jahr seien Anbang-Produkte sehr beliebt gewesen. Seit einer Anweisung der Konzernzentrale habe man den Vertrieb jedoch eingestellt. Die Gründe dafür seien unklar.

Gegen den Versicherungskonzern Anbang ermitteln die Behörden laut dem Magazin Caixin wegen des Verdachts der Missachtung von Vorschriften für Versicherungsprodukte und Investitionen. Dabei geht es vor allem darum, dass viele der relativ attraktiv verzinsten Versicherungsprodukte des Unternehmens auf hochriskanten, unregulierten Wertpapieren basieren. Diese erfreuen sich in China einer großen Beliebtheit, stellen aber aufgrund ihrer Funktionsweise im Sinne eines Schneeball-Systems ein Risiko für die Stabilität des gesamten Finanzsystems dar.

Daten der China Insurance Regulatory Commission zufolge ist das Neugeschäft der Lebensversicherungssparte von Anbang im April um 99 Prozent eingebrochen, berichtet die Financial Times. Damals hatte die Finanzaufsicht den Banken des Landes verboten, bestimmte Produkte von Anbang zu verkaufen. Nach Angaben von Bloomberg haben daraufhin mindestens 6 Banken den Verkauf von Anbang-Versicherungen eingestellt.

Anbang verfügt zwar über verschiedene Vertriebskanäle. Mit Hilfe von Banken wurden jedoch im vergangenen Jahr 88 Prozent der Policen verkauft. Die chinesische Finanzaufsicht reagierte zunächst nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme.

Anbang gehört zu den chinesischen Unternehmen, die im großen Stil andere Versicherer und Immobilien im Ausland aufkaufen, darunter das New Yorker Luxushotel Waldorf Astoria. Für Deals wie diese hat der Konzern in den vergangenen zwei Jahren mehr als 30 Milliarden Dollar ausgegeben. Allerdings hat die Staatsführung in Peking angekündigt, Risiken im Finanzsystem einzudämmen und deswegen den Abfluss von Geld ins Ausland zu beschränken. Große Versicherer stehen unter besonderer Beobachtung, weil sie Geld aus dem Verkauf hochverzinster Produkte für Zukäufe im Ausland nutzen.

Konzernchef Wu wurde Insidern zufolge am Freitag vergangener Woche überraschend festgenommen. In dieser Woche erklärte Anbang, Wu könne seinen Pflichten vorübergehend nicht nachkommen. Die Geschäfte würden aber normal weitergeführt.

Der Rücktritt Wus erfolgt in einer Zeit großer Unruhe in der chinesischen Versicherungsbranche. Mehrere namhafte Vertreter stehen wegen Korruptionsverdachts oder Missachtung der Vorschriften im Fadenkreuz der Aufsichtsbehörden. Selbst der Chef der Aufsichtsbehörde, Xiang Junbo, musste im April zurücktreten, gegen ihn wird wegen Korruption ermittelt.

Im Jahr 2004 gegründet, entwickelte sich Anbang in wenigen Jahren vom einfachen Immobilienversicherer zu einem Finanzkoloss, der massiv im Ausland investierte. Aufgrund ihrer starken Verflechtung im instabilen chinesischen Finanzsystem und aufgrund ihrer Investitionen im Westen birgt eine mögliche Insolvenz der Versicherung hohe Risiken für das Weltfinanzsystem.

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