Spannungen zwischen Saudi-Arabien und der Türkei

Die Türkei eilt Katar in der Isolation zur Hilfe. Dies erhöht die ohnehin bestehenden Spannungen zwischen Ankara und Riad.

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In der Katar-Krise haben vier arabische Staaten einem Insider zufolge ihre Bedingungen für ein Ende ihres Boykotts übermittelt. Innerhalb von zehn Tagen müsse das Emirat 13 Forderungen erfüllen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von einem Vertreter der Ländergruppe bestehend aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Bahrain. Unter anderem müsse die Regierung in Doha den Fernsehsender Al-Jazeera schließen und ihre Verbindungen zum Iran einschränken, dem Erzfeind der Boykott-Staaten.

Nach der Frist ist das Verhandlungsangebot offenbar hinfällig. Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani hatte am Montag Verhandlungen so lange ausgeschlossen, wie die Isolation aufrechterhalten werde. Unterstützt wird Katar nicht nur vom Iran, der mit Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region buhlt. Auch die Türkei steht auf der Seite des Emirats. Unlängst schickte das Nato-Land ein Schiff mit Hilfslieferungen sowie einige weitere Soldaten nach Katar.

Die Forderung der vier arabischen Länder, die türkische Militärbasis in Katar zu schließen, stieß in Ankara umgehend auf Widerstand. Verteidigungsminister Fikri Isik erklärte im Fernsehen, der Stützpunkt stehe nicht infrage. Die Einrichtung diene nicht nur der der Sicherheit Katars, sondern der gesamten Region. Jede Forderung, die Anlage zu schließen, sei eine Einmischung in die bilateralen Beziehungen der Türkei mit Katar, zitiert die Zeitung Milliyet Isik.

Doch auch in Syrien gibt es Differenzen zwischen Saudi-Arabien und der Türkei. Am Donnerstagabend hatte der Sprecher des türkischen Präsidialamts, Ibrahim Kalin, gesagt, dass die Vereinbarungen aus den Friedensgesprächen in Astana umgesetzt werden würden. Damit machte Kalin deutlich, dass dem Iran bei der Zukunft Syriens eine Rolle zugesprochen wird. Zwischen Russland, der Türkei und dem Iran sei ein Mechanismus zur Errichtung von Deeskalationszonen errichtet worden. „Höchstwahrscheinlich wird Idlib unter türkisch-russischer Beobachtung, Damaskus unter russisch-iranischer Beobachtung und Daraa (Anm.d.Red. im Süden des Landes) unter jordanisch-amerikanischer Beobachtung gestellt werden. Bis zu den Gesprächen in Astana im Juli werde der Plan konkretere Formen annehmen“, zitiert der türkische Sender NTV Kalin.

Nach Angaben des türkischen Nahost-Experten Hüsnü Mahalli planen die Golf-Staaten, die Türkei mittelfristig in einen kriegerischen Konflikt mit dem Iran zu verwickeln. Als Vorbild diene den Golf-Staaten der Erste Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran. Saudi-Arabien spiele bei diesem Plan eine wichtige Rolle. Die Aussagen Mahallis sind deshalb bemerkenswert, weil auch US-Denkfabriken und Informationsdienste von einer Eskalation zwischen Ankara und Teheran ausgehen.

Rheva Bhalla, von der US-Denkfabrik Stratfor, hatte bereits im Jahr 2015 in einer Analyse aus dem ein düsteres Szenario für den Irak gezeichnet. Denn dort sei die Grundlage für Eskalation zwischen der Türkei und dem Iran gelegt worden. Teheran unterstütze die Zentralregierung in Bagdad und Ankara unterstütze die Kurden im Nordirak.

Sowohl die Zentralregierung als auch die Iraner seien unzufrieden mit der türkisch-kurdischen Annäherung im Nordirak. Die Türken und Kurden befinden sich aktuell in Verhandlungen, um die Türkei mit irakischen Energieträgern aus dem Nordirak zu versorgen. Das Öl soll schon bald fließen. Bagdad und Teheran sind gegen diese Verhandlungen.

Dieser Energiepakt komme einer Unabhängigkeits-Erklärung der Kurdenregion des Irak gleich. Es sei aber auch eine von der Türkei geförderte Kriegserklärung an Bagdad und seiner „persischen Sponsoren“, Stratfor-Analystin Bhalla. Der „Sponsor“ der Kurden des Nordirak sei die Türkei. Damit legt Bhalla zunächst die Fronten fest.

„Die uralte türkisch-persische Rivalität wird in Kurdistan wiedererweckt werden“, schreibt Bhalla. Der Iran werde auch Militär-Operationen auf seinem eigenen Territorium als Vorwand nutzen, um Militäroperationen in der Kurdenregion des Irak durchzuführen. Doch spätestens dann würde die Türkei ins Spiel kommen und müsste dann als Schutzmacht der Kurden auftreten. Ein Krieg zwischen dem Iran und der Türkei wäre das Ergebnis.

Der letzte Krieg zwischen den Türken und den Persern fand zwischen 1623 und 1639 statt. Bei der Auseinandersetzung ging es um territoriale Ansprüche im Irak. Am 17. Mai 1639 wurde ein Friedensvertrag geschlossen. Die aktuellen Grenzen zwischen der Türkei und dem Iran gehen zurück auf diesen Vertrag. Davor gab es über 150 Jahre lang immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Türken und heutigen Iranern.

Es ist davon auszugehen, dass sowohl die USA als auch die Golf-Staaten unter Führung von Saudi-Arabien die Türkei als Gegengewicht zum Iran unterstützen und das Land nach dem Beispiel Saddam Husseins in eine Eskalation mit dem Iran treiben wollen.

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