Delivery Hero mit erfolgreichem Börsengang

Delivery Hero hat einen erfolgreichen Börsengang geschafft.

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Das Logo von "Delivery Hero". (Foto: dpa)

Das Logo von „Delivery Hero“. (Foto: dpa)

Ein Kurier lieferte die große Glocke in der typischen roten Delivery-Hero-Kiste im Börsensaal ab – ohne Fahrrad zwar, aber doch pünktlich zum Debüt des Essens-Lieferdienstes am Aktienmarkt. Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg und 100 Mitarbeiter machten den bisher größten Börsengang dieses Jahres in Deutschland am Freitag zur Show. Rot-weißer Flitter regnete auf das Parkett, als der erste Kurs auf der Kurstafel aufleuchtete: 26,90 Euro, 5,5 Prozent über dem Ausgabepreis von 25,50 Euro. Investoren, die bei der Zuteilung leer ausgegangen waren, trieben die Aktie bis zum Handelsschluss auf 27,80 Euro, ein Plus von neun Prozent.

Das sechs Jahre alte Unternehmen („Lieferheld“, „Foodora“, „Pizza.de“) ist damit an der Börse 4,8 Milliarden Euro wert. Dabei schreibt Delivery Hero noch tiefrote Zahlen. „Wir sehen, wie wir in immer mehr Märkten profitabel werden“, sagte Östberg der Nachrichtenagentur Reuters. Die Firma ist in rund 40 Ländern vertreten, in Deutschland vor allem in Großstädten. Im nächsten Jahr will er die Gewinnschwelle erreichen, 2019 soll die Firma schwarze Zahlen schreiben. Die 483 Millionen Euro, die Delivery Hero selbst mit der Emission einnimmt, fließen vor allem in die Tilgung von gut 300 Millionen Euro Schulden. „Wir wollen uns künftig primär mit Eigenkapital finanzieren“, erklärte der 37-Jährige, der seine beiden Kinder mit aufs Parkett genommen hatte.

Der größte Delivery-Hero-Aktionär Rocket Internet kassiert mit dem Börsengang bis zu 264 Millionen Euro und lässt seine Beteiligung auf 25,7 (35,7) Prozent abschmelzen, knapp 23 Prozent sind im Streubesitz. Der südafrikanische Technologie-Investor Naspers hält weiter knapp elf Prozent.

„Einhörner“ werden in der Startup-Szene junge Unternehmen wie Delivery Hero genannt, die auf eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro kommen – weil es so wenige davon gibt. Die Aktien waren auf reißenden Absatz gestoßen. Sie wurden am oberen Ende der Preisspanne ausgegeben. Die 996 Millionen Euro schwere Emission sei 16-fach überzeichnet gewesen, sagten Insider. 40 Prozent der Zeichner gingen leer aus. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hofft auf Nachahmer: „Der Börsengang ist ein gutes Signal für die Startup-Szene.“

Draußen vor der Tür posierten Östberg und seine Manager ausgelassen vor den Bronze-Skulpturen von Bulle und Bär für die Kameras. „Wir haben es geschafft“, rief der Schwede. Die Pappwand mit dem Delivery-Hero-Logo, die hinter den Symbolen für das Auf und Ab an den Märkten aufgebaut war, mussten allerdings acht Mitarbeiter festhalten. Sie drohe im Wind umzufallen, erklärte einer von ihnen.

Nicht alle Börsenkandidaten aus der Branche kommen an. Der holprige Börsenstart des US-Lieferdienstes Blue Apron an der New Yorker Börse am Donnerstag ist ein Alarmzeichen für den deutschen Rivalen Hellofresh, der eigentlich im Windschatten von Delivery Hero im Herbst an die Börse gehen wollte. Am Freitag stürzte die Blue-Apron-Aktie um 4,4 Prozent ab und notiert unter dem Ausgabepreis. Anleger reagieren verschreckt auf den Einstieg des Internet-Riesen Amazon in den Markt für frische Lebensmittel durch die Übernahme des Bio-Einzelhändlers Whole Foods. Er könnte den Startups das Wasser abgraben. Hellofresh und Blue Apron liefern die Zutaten für Rezepte zum Selberkochen ins Haus, während Delivery Hero Mahlzeiten aus Restaurants ausfährt.

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