Weidmann: EZB bereitet Normalisierung der Geld-Politik vor

Die EZB bereitet nach Aussage von Bundesbank-Präsident Weidmann die Normalisierung der Geld-Politik in der Euro-Zone vor.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die Währungshüter der Euro-Zone bereiten sich nach den Worten von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann allmählich auf eine Abkehr von ihrer ultralockeren Ausrichtung vor. „Das kommt hoffentlich und daran arbeiten wir auch, das diskutieren wir auch“, sagte Weidmann am Samstag in Frankfurt beim Tag der Offenen Tür der Bundesbank laut Reuters. Die Kernherausforderung, vor der die Euro-Wächter jetzt stünden, sei es, wenn es darauf ankomme, Rückrat zu zeigen und die Geldpolitik wieder zu normalisieren. Dabei sollten sich die Euro-Wächter nicht von den Finanzministern unter Druck setzen lassen, die wegen der Niedrigzinsen zur Zeit in einer bequemen Lage seien.

Auf der Veranstaltung wies Weidmann in einem Bürgerdialog auf die aktuell sehr solide Konjunktur im Euro-Raum hin: „Der Aufschwung wird sich, nach dem, was wir wissen und was wir annehmen, vermutlich auch fortsetzen.“ Sorgenkind der Notenbank ist Weidmann zufolge aber der momentan geringe binnenwirtschaftliche Inflationsdruck. Nach einhelliger Auffassung des EZB-Rats sei deshalb zwar eine expansive Geldpolitik angemessen. „Worüber wir diskutieren und auch kontrovers diskutieren ist, wie expansiv muss die Geldpolitik eigentlich angesichts unseres Zieles sein.“

Am Freitag hatte EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger gefordert, die Währungshüter sollten schon jetzt Vorkehrungen für eine spätere Eindämmung der Geldflut treffen. Zwar sei die Inflation noch nicht auf einem stabilen Trend hin zum EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Aber alle Voraussetzungen dafür seien gegeben. Entsprechend gelte es, die Kommunikation anzupassen. Die Verbraucherpreise im Euro-Raum waren im Juni lediglich um 1,3 Prozent gestiegen. Ein Grund ist, dass sich Energie mit 1,9 Prozent nicht mehr so stark wie in den Vormonaten verteuerte.

Die EZB hält ihren Leitzins derzeit auf dem Rekordtief von null Prozent, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Zudem kauft sie monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro auf. Doch angesichts positiver Konjunkturdaten hatte die EZB jüngst einen Mini-Schritt in Richtung Kurswechsel gewagt. So strichen die Euro-Wächter die bislang stets erwähnte Option auf noch tiefere Schlüsselzinsen aus ihrem Ausblick. An den Börsen wird aktuell spekuliert, dass die EZB 2018 ihre Wertpapierkäufe schrittweise reduzieren könnte. Manche Ökonomen erwarten, dass sie einen solchen Schritt im September oder im Oktober ankündigen wird.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung! Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***