Aktie von Lockheed ist ein Geheimtipp für Insider

Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin profitiert vom Boom der Rüstungsindustrie.

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Zwei F35 Kampfflugzeuge von Lockheed Martin bei einem Flug zur Edwards Air Force Base in den USA. (Foto: dpa)

Zwei F35 Kampfflugzeuge von Lockheed Martin bei einem Flug zur Edwards Air Force Base in den USA. (Foto: dpa)

Ein aus dem Ruder gelaufenes Rüstungsgeschäft zahlt sich für den US-amerikanischen Waffenhersteller Lockheed Martin aus. Probleme der US-Luftwaffen bescheren Lockheed Mehreinnahmen in Höhe von 27,5 Milliarden US-Dollar. Hintergrund ist ein Deal zwischen der Luftwaffe und der Rüstungsschmiede. Das Geschäft war auf zehn Jahre ausgerichtet und demzufolge sollte die Air Force pro Jahr 80 Stück F-35 Kampfflugzeuge von Lockheed kaufen. Insgesamt beläuft sich der Vertrag – der noch viel mehr Waffensysteme umfasst – auf eine Summe von 379 Milliarden US-Dollar. Dafür sollte es unter anderem 1.763 Jets vom Typ F-35A geben.

Doch die Nachfrage der Air Force kommt den Vertragsbedingungen nicht nach. Statt der vereinbarten 80 Jets pro Jahr wurde die Zahl auf 60 heruntergeschraubt. Offenbar fließen nicht genug Gelder in die entsprechenden Abteilungen. Das Marine Corp konnte zwar selbst 13 F-35B Kampfjets einkaufen, doch selbst das hat nicht gereicht, um die mangelnde Abnahme auszugleichen.

Durch die verzögerte Auslieferung muss das Pentagon langfristig tiefer in die Tasche greifen. Das war übrigens beim B2-Bomber ähnlich. Damals wurde die jährliche Zahl von 100 auf 21 Stück heruntergeschraubt. Der F-35-Deal besteht weiterhin – jedoch steigen die Kosten für die US-Luftwaffe um etwa sieben Prozent. Einfach weil sie jährlich weniger Jets abkaufen als vereinbart. Außerdem wird der Vertrag dadurch sechs Jahre länger laufen als ursprünglich gedacht. Das bedeutet auch mehr verkaufte Ersatzteile für Wartung.

Darüber freut sich der Hersteller Lockheed. Schließlich laufen so die Produktionsbänder nicht heiß und auch generell ist es ein perfektes Szenario für Lockheed Martin: Das Rüstungsunternehmen muss weniger ausliefern und bekommt dafür sogar noch mehr Geld. Und genau derartige Situationen machen diese krisensichere Industrie für Anleger so attraktiv. Die Kurse von Lockheed Martin haben auf diese Nachrichten mit Anstiegen reagiert haben.

Die Sommermonate sind bisher durchwachsen verlaufen. Die Kurse pendelten in einem engen Bereich etwa zwischen 274 und 284 US-Dollar pro Aktie. Erst Anfang Juli gab es einen deutlichen Impuls aus dieser Seitwärtsphase heraus.

Grafik: Guidants.com

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Der blaue Pfeil im Tageschart signalisiert den Zeitpunkt (11. Juli), als die Nachricht über die 27,5 Milliarden US-Dollar Mehreinnahmen herauskam. Offensichtlich war die Information bereits vorher bekannt. Das würde zumindest die große grüne Kerze zwei Handelstage zuvor erklären. Wer also im kurzfristigen Zeitfenster solche „Breaking News“ handeln möchte, braucht exzellente Informationsquellen.

Aber in diesem Fall wäre sogar selbst dann noch ein Einstieg in die Aktie von Lockheed Martin sinnvoll gewesen. Zumindest rangieren die Kurse aktuell vier US-Dollar über dem Wert vom 11. Juli.

Doch das ist noch lange nicht alles. Es gibt weitere Gründe, warum Lockheed auch in den nächsten Jahren für Investoren interessant bleibt.

Der Konzern mit Sitz in Bethesda, Maryland will in den kommenden drei Jahren zusätzliche 440 Stück vom Typ F-35 verkaufen. Vor allem, weil der Konkurrent Boeing offenbar mit seinen F-15 und F/A-18 Jets ins Hintertreffen gerät. Das hat zwei Gründe:

Einerseits hat sich wohl ein Konglomerat aus elf Nationen bei der Air Show im Juni in Paris für die Kampfjets von Lockheed interessiert. Demnach sollen unter anderem Australien, Dänemark, Italien, Holland, Norwegen, Türkei und Großbritannien den Deal über 440 Kampfflugzeuge ins Rollen gebracht haben. Die Summe beläuft sich dabei auf rund 40 Milliarden US-Dollar.

Andererseits wird der Kaufpreis des F-35 immer attraktiver. Aktuell gibt es den Jet für gut 94 Millionen US-Dollar zu kaufen. Dazu fällt der Preis für das derzeitige Modell in den nächsten Jahren, weil neue Versionen nachrücken. Im Jahr 2020 könnten die Anschaffungskosten einen neuen Rekord aufstellen. Denn dann wäre der F-35 zum ersten Mal für 80 Millionen US-Dollar zu haben. Dieses Ziel hat sich Lockheed gesetzt. Nicht nur, um den Jet so günstig wie nie anbieten zu können, sondern auch um der Konkurrenz das Leben schwer zu machen.

Boeing wäre dann nämlich der Leidtragende. Mit dem geplanten Preisschild sind die Kampfflugzeuge von Lockheed günstiger als die F-15 und F/A-18 von Boeing. Und obendrein wäre das Argument der US Navy auch widerlegt, denn diese möchte aus Kostengründen derzeit lieber F/A-18-Jets kaufen. Lockheed positioniert sich also gerade stark für die kommenden Jahre. Betrifft das den Aktienkurs von Boeing? Ein klares Nein!

Grafik: Guidants.com

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Zumindest zeigt der Konzern mit Sitz in Chicago keine Schwäche. Seit Oktober 2016 haben die Kurse des weltgrößten Herstellers von zivilen und militärischen Flugzeugen um signifikante 60 Prozent zugelegt. Offensichtlich sind die Kampfjets für Boeing keine derart wichtige Einnahmequelle. Bei Lockheed kommen dagegen 37 Prozent der Einnahmen über den F-35. Ein kleiner aber feiner Unterschied, den auch Anleger im Hinterkopf behalten sollten.

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