US-Ölfeldausrüster Schlumberger will in Russland expandieren

Der US-Ölfeldausrüster Schlumberger will seinen russischen Rivalen Eurasia Drilling übernehmen. Die Russen begrüßen das Interesse der Amerikaner.

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Ein halbes Jahr nach dem Regierungswechsel in den USA unternimmt der Ölfeldausrüster Schlumberger einen zweiten Anlauf zur Übernahme des russischen Branchenführers Eurasia Drilling Co (EDC). Dieser gab am Freitag die Veräußerung einer Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an den Weltmarktprimus bekannt. Kommt der Deal zustande, wäre dies laut Reuters der erste Zukauf eines amerikanischen Konzerns in der Branche auf dem russischen Markt seit der Verhängung von Sanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise im Jahr 2014.

Schlumberger-Chef Paal Kibsgaard hatte im Herbst 2016 angekündigt, das Unternehmen wolle sich auf Expansionskurs begeben, wie das Magazin North American Shale berichtete. Russland hatte im Jahr 2016 in den Aktivitäten von Schlumberger eine bessere Performance aufzuweisen als andere Märkte.

EDC-Chef Alexander Djaparidse betonte die jahrelangen Geschäftsverbindungen mit dem US-Konzern und erklärte: „Ich heiße Schlumberger als unseren neuen Mehrheitsaktionär herzlich willkommen.“ Allerdings steht die Zustimmung der russischen Behörden noch aus. Ein Kreml-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. Schlumbergers erster Versuch im Jahr 2015 war daran gescheitert, dass die zuständige Behörde ihre Zustimmung mehrfach verschob. Damals wollte der US-Konzern knapp 46 Prozent der EDC-Anteile für 1,7 Milliarden Dollar kaufen.

Zuletzt hatte der US-Senat neue Sanktionen gegen Russland beschlossen, was in der Energiebranche für einen Aufschrei sorgte. Warnungen vor eklatanten Auswirkungen auf die Öl- und Gasversorgung wurden laut. Um Gesetzeskraft zu erlangen, muss die Vorlage allerdings noch das Repräsentantenhaus passieren und von US-Präsident Donald Trump unterzeichnet werden. Die Sanktionen würden vor allem europäische Konzerne treffen. Die FAZ kommentiert: „Das Gesetz zielt speziell auf die Pipeline Nord Stream II, die russisches Gas nach Europa befördern soll. Doch bei allem Verständnis für den Senat und sein Bestreben, dem Präsidenten Donald Trump in der Russland-Politik die Hände zu fesseln, ist der Gesetzesentwurf nicht hinnehmbar aus europäischer Perspektive.“

Für westliche Konzerne ist das Russland-Geschäft deswegen interessant, weil die dortigen Ölfirmen trotz der gesunkenen Preise an ihren Investitionen festhalten. Schlumberger profitierte zuletzt insbesondere vom Schieferölboom in den USA. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Quartal um 4,2 Prozent auf 7,46 Milliarden Dollar, der Verlust reduzierte sich kräftig auf 74 Millionen Dollar nach 2,16 Milliarden Dollar vor einem Jahr.

US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, die USA zum Weltmarktführer bei Erdöl und Erdgas machen zu wollen. Tatsächlich können die Amerikaner aktuell weder mit den Golf-Staaten noch mit Russland mithalten.

Der Expansionskurs von Schlumberger ist durchaus riskant. Denn CEO Kibsgaard hatte im Herbst 2016 erwartet, dass die Talsohle beim Ölpreis erreicht sei. Doch haben sich Lagerbestände nicht wie von Kibsgaard reduziert. Zusätzlich unter Druck könnte der Ölpreis wegen eines möglichen Zerfalls des OPEC-Kartells kommen.

Die Spekulationen über das Scheitern der Opec-Förderbremse haben am Freitag die Ölpreise belastet. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um 2,4 Prozent auf 48,13 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl WTI kostete mit 45,71 Dollar 2,6 Prozent weniger. Der Beraterfirma Petro-Logistics zufolge haben die Mitglieder des Kartells im Juli ihre Produktion um 145.000 Barrel pro Tag (bpd) erhöht. Insgesamt käme die Förderung damit auf mehr als 33 Millionen Fässer täglich. Dabei hatte sich die Opec im Mai mit Ländern wie Russland auf einer Verlängerung der Förderbremse bis Ende März 2018 verständigt. Ziel war die Reduzierung der Produktion um 1,8 Millionen Fässer pro Tag.

Experten vermuten, dass vor allem die hohe Förderung von Öl in Nigeria und Libyen – die beiden Länder sind von der Förderbremse wegen politischer Unruhen bislang ausgenommen – der Opec einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. In diesem Zusammenhang steht ein Treffen von Vertretern der Opec und Russland in St. Petersburg am Montag im Fokus. Es sei ziemlich unwahrscheinlich, dass diese beiden Länder nun mit einbezogen würden, sagte Dan Katzenberg, Analyst bei Baird and Company in New York. „Es gibt keine diesbezüglichen Erwartungen.“ Laut LBBW-Analyst Frank Schallenberger dürfte sich der Enthusiasmus in Libyen und Nigeria für Förderkürzungen ohnehin in Grenzen halten.