Risiko politischer Interventionen bei Übernahmen steigt

Einer Befragung von Branchenkennern zufolge hat die Einflussnahme von Regierungen bei Übernahmen und Fusionen zugenommen.

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Eine Dokumentenmappe mit Finanzierungsverträgen liegt am 24.07.2013 in Bonn auf dem Tisch. Wirtschaftliche Übernahmen sind von Risiken geprägt. (Foto: dpa)

Eine Dokumentenmappe mit Finanzierungsverträgen liegt am 24.07.2013 in Bonn auf dem Tisch. (Foto: dpa)

Nach einem Kongress, für das die Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland und das Magazin „Finance“ drei Mal jährlich Chefs deutscher Unternehmen für den Bereich Übernahmen und Fusionen (M&A) sowie führende Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragen, ergab sich folgendes Meinungsbild:

Viele M&A-Verantwortliche in deutschen Unternehmen sehen, dass das Risiko politischer Interventionen zunimmt: Für 60 Prozent der Befragten ist das Risiko in den vergangenen fünf Jahren leicht gestiegen. Elf Prozent machen sogar einen sehr starken Anstieg aus. Eine sinkende Einflussnahme sieht dagegen kein Teilnehmer. „Wir können bestätigen, dass die Prüfung etwaiger staatlicher Interventionsmöglichkeiten und -risiken in der Vorbereitungs- beziehungsweise Anfangsphase einer Transaktion in Gesprächen mit unseren Mandanten eine immer größere Rolle spielt“, so Dr. Oliver Wolfgramm, Corporate Partner von CMS.

Dabei wird der Einfluss staatlicher Interventionen als stark branchenabhängig eingestuft. Besonders anfällig seien für die M&A-Verantwortlichen in den Unternehmen die Rüstungsindustrie (100 Prozent) und die Luftfahrt (90 Prozent). Hier verstärkt sich nur eine Entwicklung, die ohnehin schon angelegt war: „Transaktionen im Rüstungsbereich und rüstungsnahen Branchen unterlagen auch in der Vergangenheit besonderen Anforderungen. Dies fängt bereits bei der Due Diligence an“, berichtet Dr. Thomas Meyding, Corporate Partner von CMS.

Aktuell wollen sich die M&A-Profis der Unternehmen im Vorfeld von M&A-Transaktionen noch nicht intensiv mit politischen Gremien, wie der US-Behörde für Auslandsinvestitionen (CFIUS), beschäftigen. Auf einer Intensitätsskala von 1 bis 10 positionierten sich die Befragten beim Wert 5,00 (10 = sehr intensive Beschäftigung). „Letztlich handelt es sich um ein weiteres regulatorisches Transaktionsrisiko, das im Vorfeld genau analysiert werden muss. Sofern die Parteien bereit sind, dieses Transaktionsrisiko in Kauf zu nehmen, muss im Vertrag durch klare Regelungen zu den Rechten und Pflichten adäquat Vorsorge getroffen werden“, so Thomas Meyding. „Wir sehen, dass Unternehmen vermehrt dazu bereit sind, auch ein Scheitern aufgrund kartellrechtlicher Untersagung in Kauf zu nehmen.“

In Deutschland liegt die Verantwortung für die Prüfung von Auslandsinvestitionen beim Bundeswirtschaftsministerium. Ob auch hierzulande müssen die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zur Kontrolle und zum Verbot ausländischer Direktinvestitionen mittel- bis langfristig verschärft werden, darüber haben sich die Kongressteilenhmer noch kein einheitliches Bild gemacht. Die Corporate-M&A-Vertreter positionierten sich zu dieser These durchschnittlich bei dem Wert 5,72 (10 = sehr wahrscheinlich). „Es wird nach unserer Einschätzung keine nationalen Alleingänge in Europa geben. Vielmehr wird diskutiert, bestehendes EU-Recht zu ergänzen, um den Mitgliedsstaaten mehr Möglichkeiten zu geben, unliebsame Investoren draußen zu halten. Deutschland, Frankreich und Italien hatten die EU-Kommission im Februar gebeten, das Thema auf die Tagesordnung zu nehmen“, erläutert Oliver Wolfgramm.

Für die Corporate-M&A-Chefs ist die eigene Liquidität weiterhin das mit Abstand wichtigste Finanzierungsinstrument. Sie bewerten deren Stellenwert mit 8,17 (10 = sehr wichtiges Finanzierungsinstrument). Die Bedeutung der Bankenfinanzierung nimmt weiter ab und wird aktuell mit einem Wert von 5,56 bewertet. Leicht zugelegt hat die Bedeutung von Private Equity mit einem Wert von 3,78.

Der wichtigste Deal-Breaker sind nach Ansicht aller Befragten weiterhin divergierende Preisvorstellungen. Mit einem Wert von 6,89 bei den Corporate-M&A-Chefs und 6,00 bei den M&A-Beratern und Investmentbanken sind negative Befunde aus der Due Diligence der zweitwichtigste Grund für das Scheitern von Verhandlungen. „Die Bedeutung der Due Diligence hat wieder zugenommen“, beobachtet Thomas Meyding. „Insbesondere für US-Investoren war eine umfangreiche Due Diligence schon immer wichtig. Aber auch europäische Unternehmen richten inzwischen verstärkt ihr Augenmerk auf eine intelligente Due Diligence.“ Das unsichere politische Umfeld trage dazu bei, da sich in dieser Situation kein Unternehmenslenker handwerkliche Schnitzer bei einer Transaktion vorwerfen lassen möchte.

Die M&A-Berater schätzen ihre eigene Auslastung nach wie vor als überdurchschnittlich ein und blicken positiv in die Zukunft. Das Projektaufkommen ist im Vergleich zur Februar-Umfrage sowohl bei Beratungshäusern mit Fokus auf Mid- und Largecap als auch im Smallcap-Segment leicht gestiegen. Auch das zukünftige Projektaufkommen mit Deal Signing in den folgenden drei bis acht Monaten wird positiv geschätzt. Smallcap-Berater sehen einen Anstieg von derzeit 1,71 auf 1,95 (Skala von -5 bis +5, wobei der Wert 0 einem durchschnittlichen Projektaufkommen entspricht). Mid- und Largecap-Berater rechnen mit einem Anstieg des Projektaufkommens von aktuell 2,00 auf 2,41.

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