Spekulation: Scaramucci musste wegen China-Geschäften gehen

Dem Ökonomen Jim Rickards zufolge waren vor allem geschäftliche Kontakte von Trumps Pressechef mit China für dessen Rücktritt verantwortlich.

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Anthony Scaramucci. (Foto: dpa)

Anthony Scaramucci. (Foto: dpa)

Dem Ökonomen Jim Rickards zufolge waren die Geschäftsbeziehungen von Donald Trumps kürzlich entlassenem Pressechef Anthony Scaramucci nach China ein Hauptgrund für den Rauswurf, berichtet CNBC.

Scaramuccis Hedgefonds Sky Bridge wurde im Januar an HNA Capital, eine Beteiligungsgesellschaft des chinesischen HNA-Konzerns verkauft. Diese Nähe sei für die US-Regierung nicht hinnehmbar gewesen, sagt Rickards. Bei der Übernahme wurde der Wert von Sky Bridge mit etwa 200 Millionen Dollar angegeben.

Derzeit liegt die Übernahme dem Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) zur Autorisierung vor und wird geprüft. Rickards zufolge ist es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass die Behörde grünes Licht geben wird. Die US-Regierung unter Trump versuche, Übernahmen amerikanischer Finanzdienstleister und Banken durch Ausländer – insbesondere auch durch chinesische Konkurrenten – zu verhindern. In den vergangenen Wochen hat sich der Ton zwischen Washington und Peking verschärft – Trump könne die Übernahme aus innenpolitischen Gründen deshalb nicht rechtfertigen.

Bemerkenswert ist, dass auch die chinesische Regierung dem Deutsche-Bank-Großaktionär HNA bei Übernahmen im Ausland Insidern zufolge in die Parade fährt. Zwei Zukäufe lägen auf Eis, weil die Genehmigungen der Behörden für die nötigen Finanztransfers ins Ausland nicht vorlägen, sagten vier mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. China versucht seit Ende 2016 den Expansionshunger von Unternehmen wie HNA, dem Finanzinvestor Fosun oder dem Versicherer Anbang zu bremsen. Bei HNA habe das unter anderem die 200 Millionen Pfund schwere Übernahme der Londoner International Currency Exchange (ICE) und das Pflichtangebot für die börsennotierte schwedische Hotelkette Rezidor ins Stocken gebracht.

Große Konzerne aus China sind seit Jahren auf Einkaufstour im Ausland. Dabei folgen sie aber nicht nur dem Fünfjahresplan, der Investitionen in High-Tech vorsieht – wie etwa im deutschen Maschinenbau. Auch Filmstudios und Fußballclubs stehen auf dem Einkaufszettel chinesischer Investoren. Im vergangenen Jahr haben sie allein für umgerechnet 187 Milliarden Euro Unternehmen außerhalb Chinas gekauft. Das hat die staatlichen Regulierer auf den Plan gerufen. Bereits im Juni wiesen sie Banken an, ihre milliardenschweren Kredite an Firmen wie das Konglomerat Dalian Wanda, HNA oder Anbang zu überprüfen.

Bei HNA trifft die Blockade erstmals laufende Transaktionen, wie drei mit dem Vorgang vertraute Investmentbanker in Hongkong sagten. Die Übernahme der ICE sollte eigentlich im April perfekt sein, nun könnte sie sich bis Jahresende hinziehen. Dabei waren den Behörden bisher vor allem große, schuldenfinanzierte Zukäufe ein Dorn im Auge, die sie als riskant einstufen. Der Chemieriese ChemChina brauchte eineinhalb Jahre, ehe er die 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Schweizer Saatgut- und Pflanzenschutz-Konzerns Syngenta unter Dach und Fach hatte.

Insgesamt hat allein HNA in den vergangenen zwei Jahren für 50 Milliarden Dollar im Ausland zugekauft. Davon sind Zukäufe über acht Milliarden Dollar noch nicht abgeschlossen. HNA hat seine Wurzeln in der regionalen Fluggesellschaft Hainan Airlines und investierte zunächst vor allem in tourismusnahen Bereichen. So gehört den Chinesen der schweizerische Flughafenbetreiber Swissport und eine Beteiligung an der Hilton-Hotelkette. Auch beim Flughafen Hahn im Hunsrück steht HNA vor dem Einstieg. Das Pflicht-Übernahmeangebot für Rezidor ist Teil des Erwerbs der Hotelkette Carlson. Seit einiger Zeit ist auch die Finanzbranche im Visier des Konglomerats. Bei der Deutschen Bank ist HNA seit dem Frühjahr mit fast zehn Prozent größter Aktionär. Gehalten wird der Anteil über einen Spezialfonds des Vermögensverwalters C-Quadrat in Wien.

Am Montag war der stark wachsende Versicherer Anbang in den Blickpunkt geraten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, die Behörden hätten Anbang angewiesen, sein Auslandsgeschäft zu verkaufen und die Erlöse wieder ins Land zu schaffen. Ein Sprecher wies eine solche Anordnung am Dienstag zurück. Der 2004 gegründete Versicherer ist seit Jahren auf einem aggressiven Wachstumskurs. Ihm gehört das New Yorker Luxushotel Waldorf Astoria, insgesamt hat er im Ausland für 30 Milliarden Dollar zugekauft. Versicherer stehen unter besonderer Beobachtung, weil sie Geld aus dem Verkauf hochverzinster Produkte für Zukäufe im Ausland nutzen.

Unterdessen hat der Arzneimittelhersteller Shanghai Fosun Pharma laut einem Insider Schwierigkeiten mit den indischen Behörden wegen der geplanten 1,3 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Gland Pharma. Sie hätten intern Bedenken gegen den Verkauf geäußert, unter anderem weil Shanghai Fosun in China selbst unter Beobachtung stehe.

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