Stiftung Warentest kritisiert internetfähige Kinder-Spielzeuge

Die Stiftung Warentest kritisiert Spielzeuge für Kinder, die mit dem Internet verbunden sind.

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Der Spielzeuge-Dino „Watson“ des Start-ups Elemental Path aus New York wird am 16.03.2015 am Stand von IBM auf der Messe CeBIT in Hannover vorgestellt. Er ist mit dem „Gehirn“ des bekannten Supercomputers Watson ausgestattet und soll kleinen Kindern in echten Gesprächen Fragen beantworten können. (Foto: dpa)

Der Spielzeug-Dino „Watson“ des Start-ups Elemental Path aus New York wird am 16.03.2015 am Stand von IBM auf der Messe CeBIT in Hannover vorgestellt. Er ist mit dem „Gehirn“ des bekannten Supercomputers Watson ausgestattet und soll kleinen Kindern in echten Gesprächen Fragen beantworten können. (Foto: dpa)

Mithörende Teddys und ferngesteuerte Roboterhunde: Die Stiftung Warentest hat internetfähige Spielwaren getestet und dabei einige wahre Spione im Kinderzimmer entdeckt, berichtet AFP. Die Tester stuften drei der sieben geprüften Spielzeuge als sehr kritisch und alle anderen als kritisch ein, wie die Stiftung am Montag aus der neuen Ausgabe ihres Magazins „Test“ zitierte. Grund für die Möglichkeit zum Ausspionieren sind demnach unsichere Funkverbindungen.

Drei der getesteten Spielzeuge benötigten etwa für eine Bluetooth-Verbindung weder ein Passwort noch einen Pin-Code. Jeder Smartphone-Besitzer könne sich auf diese Weise mit den Spielwaren verbinden, „um das Kind abzuhören, es auszufragen oder zu bedrohen“, warnte die Stiftung Warentest.

Ein Roboter erlaubt es Fremden, zum Beispiel aus der Nachbarwohnung, dem Kind Fragen zu stellen und Anweisungen zu geben. Auch die Antworten des Kindes können abgehört werden. Ein Teddy kann Sprachnachrichten von den Eltern, aber auch von Fremden empfangen. Ein Roboterhund lässt sich auch von Unbefugten fernsteuern.

Bei den vier als kritisch eingestuften Spielzeugen, darunter Plüschtiere und eine Barbie, gab es zwar keine unsichere Funkverbindung, jedoch Abzüge bei den dazugehörigen Apps. Einige davon erfassen den Testern zufolge die Geräte-ID des Smartphones, übertragen Nutzerdaten an Drittfirmen oder setzen Tracker, die auch das Surfverhalten der Eltern protokollieren können. Die Spielzeuge nehmen demnach über integrierte Mikros die Unterhaltungen mit den Kindern auf und schicken sie mitunter an die Server der Anbieter. Über die Barbie könnten Eltern sogar das eigene Kind belauschen, hieß es.

„Das Kinderzimmer darf kein Einfallstor für Ausspähung sein“, kritisierte die Grünen-Politikerin Renate Künast, Vorsitzende des Ausschusses für Verbraucherschutz. Kinder seien besonders schutzbedürftig im Sinne des Verbraucher- sowie des Datenschutzes.

Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen gehe hervor, dass die Bundesnetzagentur ständig nach verbotenen Sendeanlagen suche, erklärte Künast. Die Behörde habe bereits 160 Verfahren eingeleitet und 400 Angebote gelöscht. Der AFP vorliegenden Antwort zufolge wurde die Spielzeugpuppe „My friend Cayla“ als verbotene Sendeanlage identifiziert und aus dem Handel genommen, nachdem die Verkäufer über das Verbot informiert wurden.

Ein fragwürdiger Roboter für Kinder sei aber noch im Online-Handel erhältlich, erklärte Künast. Hier müsse die Bundesnetzagentur noch tätig werden, forderte sie.

Zum pädagogischen Wert der intelligenten Spielwaren machten die Tester für ihre neue Ausgabe keine Angaben. Ihre Einschätzung lautete dennoch, dass ein nicht internetfähiger, „dummer“ Teddy auch in Zukunft die schlauere Wahl sei.

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