Syrische Armee bereitet sich auf Häuserkampf in Deir Ezzor vor

Der Syrischen Armee steht in Deir Ezzor ein harter Häuserkrieg bevor.

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Die militärische Lage in Syrien. Der SAA steht ein Häuserkampf in Deir Ezzor bevor. (Grafik: Stratfor)

Die militärische Lage in Syrien. (Grafik: Stratfor)

Die militärische Situation in Deir Ezzor. (Grafik: WINEP)

Die militärische Situation in Deir Ezzor. (Grafik: WINEP)

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Der von Syrern und Russen erreichte Durchbruch bei Deir Ezzor bedeutet nicht, wie vom UN-Sondergesandten De Mistura insinuiert, dass der Krieg in Syrien schon bald zu Ende sei kann. Die Syrische Armee stellt sich in Deir Ezzor auf einen harten Kampf ein, bei dem die Söldner – wie schon zuvor in anderen Städten – den Syrern einen Kampf um jedes Haus liefern dürften.

Die syrische Armee (SAA) fährt mit ihren Kämpfen im Osten Syriens fort, um einen Korridor für ihre Truppen in die Stadt Deir Ezzor zu schaffen. Am Dienstag hatte die SAA die Belagerung von Deir Ezzor durch ISIS gebrochen. Dem englischsprachigen Dienst von Reuters zufolge finden in Deir Ezzor noch Kämpfe zwischen der SAA und ISIS statt, da sich Teile von ISIS nicht ergeben wollen. „Die Arbeit geht voran, um die Strecke zu sichern und die Flanken zu vergrößern, damit ISIS nicht unsere Reihen schneidet oder uns angreift. Der nächste Schritt besteht darin, die Stadt zu befreien“, so ein Kommandeur der pro-syrischen Allianz. Reuters berichtet, dass die SAA von nun an einen Häuserkampf gegen ISIS führen muss. Die SAA und Russland planen zudem, in den kommenden Tagen eine Offensive entlang des Euphrat-Tals durchzuführen. Das Euphrat-Tal ist 260 Kilometer lang und zehn Kilometer breit. Es verläuft von der Wüste in Rakka bis an die irakische Grenze bei al-Bukamal. ISIS wird derzeit von Deir Ezzor in Richtung al-Mayadin und al-Bukamal zurückgedrängt, wo sich noch weitere ISIS-Kämpfer befinden.

Die SAA plant, nach der Rückeroberung der Stadt Deir Ezzor weiter nach Osten vorzustoßen, um bis an die syrisch-irakische Grenze zu gelangen. Dabei muss sie den Euphrat überqueren. Der US-Informationsdienst Stratfor führt in einem Lagebericht aus: „Die Ankunft der syrischen Loyalisten (Anm. D. Red. pro-syrische Milizen und die SAA) an der irakischen Grenze steht nicht unmittelbar bevor: Die Loyalisten müssen noch die Kontrolle über die Stadt Deir Ezzor konsolidieren, die Gegenangriffe von ISIS abwehren und den Euphratfluss überqueren“. Dennoch sei die Ankunft der syrischen Kräfte an der irakischen Grenze wahrscheinlicher denn je. Zwischen Deir Ezzor und der irakischen Grenze würden um die 100 Kilometer liegen.

Der US-Sondergesandte der Anti-ISIS-Allianz, Brett McGurk, sagte Mitte August, dass die USA die Überquerung des Euphrats durch die SAA nicht zulassen werden, berichtet die Zeitung Aydinlik.

Der IS veröffentlichte am Donnerstag ein Video, auf dem angeblich tote russische Soldaten zu sehen sein soll. Ein Söldner misshandelt die Toten und schmäht die Russen. Die Herkunft des Söldners ist nicht bekannt, auch die Authentizität des Videos ist unabhängig nicht zu verifizieren.

Nach Angaben von The Independent ist in Syrien eine Stärkung von Al-Qaida zu beobachten. Insbesondere in der nordwestlichen Provinz Idlib ist der syrische Ableger von Al-Qaida, Hayat Tahrir al-Scham (HTS), erstarkt. Die Zahl der HTS-Kämpfer in Idlib liegt dem Blatt zufolge bei 30.000. Allerdings würde die Kampfstärke von HTS drastisch anwachsen. HTS integriere Kämpfer von anderen Söldner-Truppen in seine Reihen. Zudem rekrutiere HTS junge Männer aus den Flüchtlingslagern für Binnenvertriebene. Unklar bleibt, wie viel Geld HTS den jungen Männern zahlt. HTS hatte Mitte Juli 2017 die Provinz Idlib erobert. Künftig könnte es der Gruppe durch den Zuzug von Kämpfern aus dem Libanon gelingen, weiter nach Südsyrien vorzustoßen.

Die US-Regierung hat für Syrien insoweit eine Erleichterung geschaffen, weil US-Präsident Donald Trump die Militärhilfe für die von der CIA kontrollierten Söldner gestrichen hat. Der russische Staatssender RT berichtete am Mittwoch, dass die US-Armee die Russen beim Kampf gegen den IS jetzt aktiv unterstütze, was in Deir Ezzor sehr hilfreich gewesen sei. Trump sagte am Donnerstag in Washington, die USA seien nur für den Kampf gegen den IS in Syrien engagiert und verfolgten dort keine anderen Ziele.

Probleme könnte Syrien allerdings von Israel bekommen: Nach einem israelischen Luftangriff auf eine Militäranlage in Syrien hat der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman eine indirekte Warnung an Syrien und an den Iran gerichtet. „Wir sind entschlossen, unsere Feinde daran zu hindern, die Sicherheit unserer israelischen Bürger zu verletzen“, sagte Lieberman am Donnerstag im israelischen Fernsehen. „Wir werden alles unternehmen, um keinen schiitischen Korridor von Teheran nach Damaskus zuzulassen.“

Israel wirft dem Iran seit Jahren vor, die schiitische Hisbollah, die auch von der syrischen Regierung unterstützt wird, mit Waffen auszurüsten. Die Hisbollah hatte 2006 vom Libanon aus einen Krieg gegen Israel geführt.

Die syrische Armee teilte am Donnerstag mit, israelische Kampfflugzeuge hätten in der Nacht mehrere Raketen auf einen Stützpunkt bei Masjaf abgefeuert und dabei zwei Menschen getötet. Der frühere Chef des israelischen Militärgeheimdiensts Amos Jadlin sagte, auf dem attackierten Gelände würden „Chemiewaffen und Fassbomben hergestellt, die tausende syrische Zivilisten getötet haben“. Israelische Regierungsvertreter wollten sich am Donnerstag nicht zu dem Angriff äußern. Belege legte der Geheimdienstmann nicht vor.

Die Möglichkeiten Israels sind allerdings aktuell begrenzt, weil Russland die Lufthoheit kontrolliert und alle Aktivitäten genau kontrolliert. Die Russen haben Israel bisher zahlreiche Einsätze erlaubt, allerdings immer nur nach vorheriger Absprache.

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