Kredit-Zyklus geht zu Ende: Saxo Bank rät zu Cash als Sicherheit

Der Chef-Anlagestratege der dänische Saxo Bank erwartet zum Jahresende spürbare Einbrüche an den Finanzmärkten.

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Ein Börsenhändler an der New York Stock Exchange im Mai 2010. Die Saxo Bank rät zu Vorsichtsmaßnahmen. (Foto: dpa)

Ein Börsenhändler an der New York Stock Exchange im Mai 2010. (Foto: dpa)

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Der Chef-Anlagestratege der dänischen Großbank Saxo Bank, Steen Jakobsen, rechnet zum Ende des laufenden Jahres mit Einbrüchen an den Finanzmärkten und mit einer deutlichen Abkühlung des globalen Wirtschaftswachstums. Jakobsen gibt in einer Marktanalyse der Saxo Bank mehrere Gründe für diese negative Einschätzung an.

Einer der Hauptgründe für eine mögliche Rezession in der Weltwirtschaft sei der starke Rückgang des Kreditimpulses, schreibt Jakobsen. Dieser beschreibt die Änderungsraten bei der Kreditvergabe weltweit. Nachdem der Kreditimpuls Ende des vergangenen Jahres einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, sackte er in den vergangenen Monaten stark ab. Jakobsen argumentiert, dass in einer auf Zinseszins basierenden Finanzwirtschaft mit steigenden Gesamtschulden ein deutlicher Abschwung des Kreditimpulses stets als Indikator für einen realwirtschaftlichen Abschwung fungierte, welcher im Allgemeinen mit einer Verzögerung von neun bis zwölf Monaten eintritt. Da der Impuls Ende 2016 kulminierte, erscheint eine Rezession ab Oktober wahrscheinlich.

„Wir gehen davon aus, dass die Marktteilnehmer die Daten immer zu spät bekommen und damit der Entwicklung hinterherhinken. In unserem Fall bedeutet das, dass die Abkühlung jetzt gerade stattfindet in einer Phase, in der die geopolitischen Risiken steigen, in der Trump wenig zustande bringt und in der die Schuldenberge weiter wachsen, weil die Inflation für eine ‚Inflationierung‘ der Schuldenlast zu schwach ist“, schreibt Jakobsen.

Hinzu komme, dass die US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve nicht nur ihre Leitzinsen schrittweise anhebt, sondern auch ihre stark ausgeweitete Bilanz im Umfang von derzeit über 4 Billionen Dollar abbauen will. Beide Faktoren hatten in den vergangenen Jahren zu finanziellen Erleichterungen für Unternehmen, Banken und Privatpersonen beigetragen, die nun auslaufen. Jakobsen weist außerdem darauf hin, dass auch das Anleihekaufprogramm der EZB zum Jahresende auslaufen wird. Wie abhängig die Finanzmärkte bereits von der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken sind, zeigte sich, als Spekulationen um die Strategie der EZB-Führung bereits mehrfach zu Abverkäufen an den Anleihe- und Aktienmärkten geführt hatten.

Jakobsen zufolge befindet sich die Weltwirtschaft an der Schwelle zu einer Phase, die noch deflationärer sein wird als die ohnehin schon mageren Preissteigerungen der vergangenen Jahre. Ursächlich dafür seinen insbesondere drei Faktoren – die demografischen Lücken in den westlichen Industriestaaten, Japan und China, die Digitalisierung und die hohen Schuldenstände, die Schuldner weltweit zu Einsparungen veranlassten, um die Zinsen bezahlen zu können.

Verschärft werde die kommende Deflationsphase noch durch den zu erwartenden neuerlichen Verfall der Erdölpreise. Jakobsen rechnet damit, dass die Öl- und Gaspreise in den kommenden 10 Jahren um rund die Hälfte einbrechen werden. Schuld daran sei der Trend zu Elektroautos – der insbesondere von China forciert wird – und die dadurch abnehmende Nachfrage nach Verbrennungsstoffen.

Die USA stehen aus Sicht des Saxo Bank-CIO vor einer herben Korrektur ihres Lebensstandards, weil andere Länder künftig nicht mehr ohne Weiteres bereit seien, das massive Leistungsbilanzdefizit des Landes zu finanzieren.

„Die USA erwirtschaften ein wachsendes Bilanzdefizit. Sie geben mehr Geld aus, als sie einnehmen. Trump will das ändern…nun gut, dann soll er das machen. Aber das bedeutet, dass der Lebensstandard der Amerikaner sinkt. Präziser gesagt geht die Fähigkeit, Geld auszugeben, zurück, weil ein Defizit besagt, dass man über seine Verhältnisse lebt. Bei Überschüssen handelt es sich um das Gegenteil.“

Ihr Investitionsportfolio glich die Saxo Bank kürzlich an die geänderten Erwartungen einer unmittelbar bevorstehenden Krise an. Der Anteil von Investitionen in Aktien wurde von 25 Prozent auf 10 Prozent gesenkt, ebenso der Anteil von Wertpapieren und Anleihen von 50 Prozent auf aktuell 25 Prozent. Rohstoffe blieben unverändert bei 25 Prozent, wohingegen die Bargeld-Bestände und Bankeinlagen von 0 Prozent auf 40 Prozent erhöht wurden.

Die massive Erhöhung der Barbestände kommentiert Jakobsen mit folgenden Worten: „Der Anteil an Cash ist natürlich zu hoch, aber wir wollen noch bis Jahresende abwarten, wie sich die Folgen des zurückgehenden Kreditimpulses darstellen. Es war bislang ein gutes Jahr. Als J.P. Morgan einst gefragt wurde, wie er reich geworden sei, sagte er: ‚Ich habe meinen Gewinn zu früh eingelöst.‘“

Die Bedenken der Saxo-Bank werden mittlerweile auch von der Aufsicht geteilt: Die Europäische Finanzmarktaufsicht (ESMA) hat Investoren am Dienstag laut Reuters mit ungewöhnlich scharfen Worten vor Risiken an den Finanzmärkten gewarnt. Die Preise für viele Investments seien angesichts geopolitischer Unsicherheiten „auf höchstem Niveau“, teilte die Behörde mit. Zu den größten Risiken gehörten die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit und die politischen Entwicklungen in den USA.

Der Milliardär und Hedgefonds-Gründer Julian Robertson sagte dem Sender CNBC, an den Börsen gebe es inzwischen eine gefährliche Blase. Viele Aktien seien angesichts der niedrigen Zinsen historisch hochbewertet. An der Wall Street hatte der S&P-500-Index erst kürzlich ein neues Allzeithoch erklommen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ist seit November 2011 von knapp 13.000 Punkten auf inzwischen über 22.000 Zähler gestiegen.

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