Pentagon: Russland bombardiert US-Verbündete in Syrien

Russland hat Söldner in Syrien bombardiert, die die USA als Verbündete reklamieren. Moskau sagt, man wisse nicht, wie diese Söldner ohne Kämpfe hinter die Linien des IS hätten kommen sollen.

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Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konashenkov, am 20. Oktober 2016 in Moskau. Russland und das Pentagon sind sich uneins. (Foto: dpa)

Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konashenkov, am 20. Oktober 2016 in Moskau. (Foto: dpa)

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Die USA haben Russland am Wochenende kritisiert, weil die Russen in Syrien ein Ziel bombardiert haben sollen, in dem sich von den USA unterstützte Rebellen der Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) sowie Berater der Koalition befanden. Bei dem Beschuss durch russische Kampfjets seien mehrere SDF-Kämpfer verwundet worden, berichtet Reuters.

Auf Twitter brachte die US-Einsatzleitung ein Foto von verwundeten Kämpfern:

Moskau bestätigte, dass es einen Angriff gegeben habe, stellte jedoch in einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums fest: Die Luftwaffe habe ausschließlich Ziele von IS-Kämpfern unter Beschuss genommen. Zudem seien die USA frühzeitig über die Einsatzpläne informiert worden. Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS zitiert den Sprecher des russischen Verteidgungsministeriums, Igor Konashenkov, mit der Aussage, während der vergangenen Tage hätten die Kontroll- und Aufklärungsmaßnahmen Russlands keine Kampfhandlungen zwischen den IS-Terroristen und bewaffneten Vertretern einer „dritten Kraft“ ergeben. Daher konnten nur die Vertreter der internationalen Koalition selbst erklären, wie die „Opposition“ oder „militärische Berater der internationalen Koalition“ ohne Kämpfe hinter die Linien des IS hätten kommen können.

Der russischen Regierung zufolge rief US-Außenminister Rex Tillerson am Samstag seinen Amtskollegen Sergej Lawrow an, um die Situation zu besprechen. Die von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Streitkräfte“, eine Söldner-Truppe, zu der sich kurdische und arabische Söldner zusammengeschlossen haben, hatten zuvor laut Reuters angegeben, in der Provinz Deir Ezzor östlich des Euphrats von russischen Jets und syrischen Regierungstruppen unter Beschuss geraten zu sein. Bei dem Angriff seien sechs Kämpfer verletzt worden.

Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums sagte, um eine unnötige Eskalation zu vermeiden, hätten die Befehlshaber der russischen Streitkräfte in Syrien bestehende Kommunikationswege genutzt, um die amerikanischen Partner frühzeitig über die Grenzen den Militäreinsatz in Deir Ezzor zu unterrichten. Der Euphrat soll als Demarkationslinie zwischen Russen und Amerikanern fixiert werden. Die Russen wollen sicherstellen, dass sich Söldner-Verbände im Falle einer Vereinbarung auch an diese halten.

Russen und Amerikaner arbeiten in Syrien eng zusammen. Die Zusammenarbeit hatte bereits unter Barack Obama begonnen. Unter seinem Nachfolger Donald Trump hat die US-Regierung einen Kurswechsel vorgenommen: Sie hat die Finanzierung der von der CIA geführten Söldner eingestellt. Die Oberhoheit liegt jetzt bei Verteidigungsminister General James Mattis.

Sowohl in Syrien als auch im Irak sind Offensiven angelaufen, um IS-Kämpfer in der Grenzregion aus den letzten ihnen verbliebenen Gebieten zurückzudrängen. Im Osten Syriens nahmen Militärangaben zufolge syrische Regierungstruppen einen Vorort der Stadt Deir al-Sor ein. Der russischen Agentur Ria zufolge kappte die syrische Armee den Hauptversorgungsweg der IS-Kämpfer in die Stadt. Zuvor sei der Bezirk al-Jafra eingenommen worden. Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad hatten den Vorstoß auf Deir Ezzor mit Hilfe der russischen Luftwaffe und vom Iran unterstützter Milizen in diesem Monat gestartet. Die gleichnamige Provinz an der Grenze zum Irak hat große Ölvorkommen und gehört zu den letzten großen Stützpunkten der Extremisten.

Auch im Irak gerät der IS an der syrischen Grenze immer stärker unter Druck. Südlich des Euphrats sei die Region Akaschat vom IS zurückerobert worden, teilte das Militär mit. Irakische Streitkräfte hatten in der Region einen Vorstoß gestartet, um die letzten IS-Stellungen im Tal des Euphrats von den Extremisten zurückzuerobern.

Das 2014 von den Extremisten ausgerufene Kalifat im Irak und Syrien ist faktisch im Juli mit der Rückeroberung der irakischen Großstadt Mossul untergegangen. Die Städte in der Grenzregion zu Syrien sowie die nördliche Provinz Hawija sind die letzten noch vom IS kontrollierten Zentren im Irak. In Syrien haben Assads Truppen russischen Angaben zufolge mittlerweile wieder 85 Prozent des Staatsgebiets unter ihrer Kontrolle. Allerdings müssen sich Syrer und Russen gegen die neu formierten al-Kaida-Söldner in und um Idlib behaupten.

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