Nasdaq: Technologie-Aktien vor Richtungsentscheidung

Die kommenden Tage könnten für viele Technologieaktien eine Richtungsentscheidung bereithalten.

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Ein Passant vor dem Nasdaq-Gebäude am Times Square in New York. (Foto: dpa)

Ein Passant vor dem Nasdaq-Gebäude am Times Square in New York. (Foto: dpa)

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Der Technologie-Index Nasdaq mit Schwergewichten wie Google, NVIDIA, Tesla, Amazon und Apple scheint derzeit auf der Stelle zu treten. Rund ein Jahr lang hatte der Index zugelegt.  Auf 52-Wochen-Sicht steht ein enormes Plus von 24 Prozent.

Im folgenden Tageschart auf Jahressicht sieht man die schwarze Trendlinie, die den Nasdaq nach oben zieht. Ebenfalls eingezeichnet ist die grüne 200-Tageslinie. Diese repräsentiert die Durchschnittskurse der jeweils vergangenen 200-Tage und verdeutlicht die Stärke des Trends: Der Abstand zu den aktuellen Kursen ist mehr als offensichtlich.

Grafik: Guidants.com

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Doch war es das jetzt mit dem starken Anstieg? Die 6.000 Punkte wurden geknackt, aber danach blieb das Kursfeuerwerk aus. Die eigentlich wichtige psychologische Marke – als diese werden derartige runde Nummern gerne bezeichnet – bewirkt momentan eher einen Dämpfer.

Somit wird es tatsächlich wieder spannend, wohin die Reise geht. Denn die Trendlinie und die 6.000er-Marke lassen den Kursen nicht mehr viel Raum zum Atmen. Entweder wird die Trendlinie gebrochen und die Kursen fallen oder die Rallye setzt sich durch und wir lassen die 6.000 Punkte hinter uns.

Generell sehen wir hier ein steigendes Dreieck. So nennt sich das Chartmuster im Börsenjargon. In den meisten Fällen brechen die Kurse bei solch einer Situation nach oben aus. Eine Garantie dafür gibt es natürlich nicht.

Gehen wir mehr ins Detail und werfen einen Blick auf einzelne Aktien des Nasdaq, die besonders stark am Aufschwung beteiligt waren. Auf Jahressicht hat NVIDIA mit Abstand am meisten zulegen können. 186 Prozent Plus auf 12-Monatssicht; 68 Prozent Plus im Jahr 2017. Tesla und Netflix konnten beide auf Jahressicht rund 84 Prozent gewinnen. Tesla hat aber alleine 2017 ganze 77 Prozent gutgemacht. Facebook und Apple sind auch noch gut mit dabei: 49 Prozent Plus für Facebook und 38 Prozent Plus für Apple in diesem Jahr.

Starten wir mit dem Schwergewicht Apple. Abgebildet sind die Kurse von etwas mehr als einem Jahr. Der Verlauf ähnelt dem Nasdaq sehr. Auch die Trendlinie verläuft fast im selben Winkel. Und genau hier gibt es eine weitere Parallele: Apple steigt seit 3 Wochen nicht mehr und nähert sich der besagten Trendlinie an. Der Nasdaq verhält sich genauso.

Grafik: Guidants.com

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Sollte der Nasdaq oder Apple zuerst die Trendlinie nach unten durchbrechen oder neue Hochs ansteuern, der andere Chart wird sehr wahrscheinlich folgen. Die Präsentation des neuen Gesichtserkennungs-Smartphones hat bei den Anlegern keine Jubelstürme ausgelöst sondern Enttäuschung hervorgerufen. Warum sollte Apple jetzt plötzlich die 160 US-Dollar pro Aktie hinter sich lassen? Da braucht es schon einen neuen Impuls. Vielleicht reichen ja veröffentlichte Daten zu den Vorbestellungen des iPhone 8. Apple und Nasdaq bewegen sich, was die Kursentwicklung angeht, im Gleichschritt.

Viel diskutiert, nicht nur wegen den Kursen: Tesla. Das Unternehmen von Elon Musk erklimmt auch in diesem Jahr neue Höhen, obwohl es seit Jahren nur Verluste erwirtschaftet.

Im Tageschart ist interessanterweise die 100-Tageslinie von Bedeutung. Denn an ihr und an der Trendlinie haben die Kurse in der Vergangenheit wieder nach oben gedreht.

Grafik: Guidants.com

Grafik: Guidants.com

 

Doch auch Tesla ist aktuell am Ende der Fahnenstange. Die Kurse um 387 US-Dollar wurden bereits einmal im Juni erreicht und danach ging es wieder bergab. Die nächsten Tage sind auch hier von Bedeutung. Das etwas Großes bevorsteht, ist also nicht nur bei Apple zu sehen. Entweder gibt es bei Tesla ein neues Allzeithoch oder die Trendlinie ist in Gefahr.

Aber nicht alle Aktien spielen dieses Spiel. Vor allem NVIDIA macht sein eigenes Ding. Das liegt aber nicht daran, dass alle PC-Nutzer plötzlich neue Grafikkarten kaufen. Die Aktie des Herstellers von Grafikprozessoren entwickelt sich gut, weil immer mehr Leute Kryptowährungen für sich entdeckt haben. Wie verdient man heute Geld mit Bitcoin & Co? Indem die Coins selbst berechnet und hergestellt werden, das sogenannte „Farmen“. Dazu braucht es viel Rechenleistung und genau die liefern die Grafikkartenchips.

So ist es ganz normal, dass überall neue Farm-Stationen aus dem Boden sprießen. Diese werden meist dort eingerichtet, wo die Stromkosten niedrig sind – also nicht in Deutschland. Diese Industrie umfasst je nach Standort mehrere hundert Grafikkarten, die pausenlos durchlaufen und Coins generieren. Wären Bitcoin oder Ethereum nicht derart auf dem Vormarsch, wäre NVIDIA als Unternehmen sicherlich nur einen Bruchteil wert.

Im Chart sieht man den deutlichen Aufstieg und die 186 Prozent Gewinn in den vergangenen 12 Monaten. Das ist der Wochenchart auf 2-Jahressicht. 2015 hatten Sie also zwei gute Einstiegsgelegenheiten: Entweder Kryptowährungen selber kaufen und einfach NVIDIA-Aktien. Letzteres ist natürlich schwankungsärmer und weniger nervenzehrend.

Grafik: Guidants.com

Grafik: Guidants.com

Das Unternehmen hat seinen Wert von Mitte 2015 bis heute aufgrund der Kryptowährungen um den Faktor 7 gesteigert. Ein Ende scheint auch hier bisher nicht in Sicht. Solange Bitcoin & Co. steigen oder zumindest gefragt sind, wird NVIDIA Grafikkarten verkaufen. Das haben auch die Anleger erkannt. Aber das ist schon sehr viel kreative Spekulation. NVIDIA wird sich in den meisten Fällen da oben halten und vielleicht sogar noch weiter anziehen. Denn schließlich steigen die Kurse selbst, wenn die Kurse von Bitcoin abstürzen. Ein besseres Zeichen für NVIDIA gibt es eigentlich nicht.

Unter dem Strich werden die nächsten Tage bei den Technologie-Aktien in den USA auf jeden Fall für viele Anleger richtungsweisend sein. Brechen die Top-Werte den Aufwärtstrend und fallen die Kurse oder geht die Rallye weiter? Eines sollte man auf jeden Fall aber im Hinterkopf haben: Die Problematik der US-Schuldenobergrenze.

Ende September geht den USA wieder einmal das Geld aus und das Schuldendach muss offiziell angehoben werden. US-Präsident Donald Trump will das aussitzen, bis er die nötigen Gelder für seine Mauer Richtung Mexiko bekommt. Die daraus entstehenden Turbulenzen können durchaus die Kurse drücken.

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