Hongkong will von Chinas Bitcoin-Verbot profitieren

Hongkong will zu einem wichtigen Zentrum für die Blockchain-Technologie und für Digitalwährungen werden.

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Die Niederlassung von HSBC in Hongkong. Die britische Bank ist seit ihrer Gründung vor über 150 Jahren hauptsächlich in Asien aktiv und will von dem Bitcoin-Verbot profitieren. (Foto: dpa)

Die Niederlassung von HSBC in Hongkong. Die britische Bank ist seit ihrer Gründung vor über 150 Jahren hauptsächlich in Asien aktiv. (Foto: dpa)

Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong ist auf dem Weg, ein wichtiges Zentrum der Blockchain-Technologie und für Digitalwährungen zu werden. Die Blockchain-Technologie findet gerade in jenen Sektoren Anwendungen, die dort eine lange Tradition haben: im Schiffswesen und im Finanzsektor. Vorteilhaft für das Vorhaben ist außerdem die gemäßigte Regulierung in dem Stadtstaat.

Eine wachsende Zahl von Unternehmern und Politikern in Hongkong sieht die enormen Chancen der Technologie, auf der auch Bitcoin basiert. Und sie glauben, dass die Blockchain nicht nur die Finanzdienstleistungen und das Management von Lieferketten revolutionieren wird.

Der Unternehmer Johnson Leung etwa betreibt in Hongkong das Start-up 300cubits.tech, das die Blockchain-Technologie für die Buchführung im Container-Geschäft einsetzen will. Ziel dabei ist es, die Ausfallrisiken bei Verladevereinbarungen zu minimieren.

„Ich sehe nicht, warum Hongkong nicht der Führer der Blockchain-Technologie werden kann“, zitiert ihn Bloomberg. „Das ist ja so neu, dass nun kein anderes Land einen großartigen Vorteil uns gegenüber hätte.“

Bevor Johnson Leung das Start-up 300cubits.tech mitgründete, hatte er über mehr als ein Jahrzehnt im Finanzsektor gearbeitet. Unter anderem war er Forschungsanalyst bei JPMorgan Chase und bei der Jefferies Group.

Die Regierung von Hongkong hat auch selbst in die neue Technologie investiert. Die Zentralbank des Stadtstaats entwickelt derzeit ihre eigene Kryptowährung. Zudem testet sie den Einsatz von Blockchains in der Handelsfinanzierung, bei Hypothekenanträgen und bei der Verfolgung von elektronischen Zahlungen.

Ein staatlich gefördertes Forschungsinstitut hat unter anderem an einem Blockchain-basierten System zur Nachverfolgung von Immobilienbewertungen gearbeitet. Für das nächste Jahr plant die Börse von Hongkong den Start einer Blockchain-Plattform für junge Unternehmen und Investoren.

Hongkongs Börsenaufsicht hat sich dem R3 angeschlossen. Diese Vereinigung von mehr als 80 der größten Finanzinstitute der Welt mit Hauptsitz in New York arbeitet daran, die Blockchain-Technologie für herkömmliche Finanztransaktionen nutzbar zu machen.

„Blockchain hat für uns eine sehr hohe Priorität“, sagt Charles d’Haussy, Fintech-Chef bei InvestHK, einer staatlichen Behörde für Wirtschaftsentwicklung. Doch das positive Umfeld für die Blockchain-Technologie hieße nicht, dass Hongkong dem Sektor einen Freibrief ausstellt.

Kürzlich hat die Finanzaufsicht Investoren mitgeteilt, sich vor Betrug bei Initial Coin Offerings (ICOs) in Acht zu nehmen. Bei einem ICO sammelt ein Projekt Investorengelder mithilfe von Kryptowährungen ein. Zudem warnte die Behörde, dass ICOs den lokalen Wertpapiergesetzen unterliegen könnten.

„Wir müssen hier sehr vorsichtig sein, weil wir auf der einen Seite Innovationen und freie Märkte fördern wollen, aber auf der anderen Seite auf kleine Investoren aufpassen müssen“, sagte Hongkongs Finanzminister Paul Chan vor zwei Wochen in einem Interview.

Von den harten Regulierungen in China ist Hongkong weit entfernt. Die chinesischen Behörden haben kürzlich ICOs auch rückwirkend für illegal erklärt. Zudem haben sie die Bitcoin-Börsen des Landes dazu gedrängt, den Handel vollständig einzustellen.

Doch das harte Vorgehen der chinesischen Behörden macht nun Hongkong nur umso attraktiver. Zwar steht der Stadtstaat unter chinesischer Herrschaft. Doch laut Aurelien Menant, dem Chef der Bitcoin-Börse Gatecoin, hat Hongkong ein eigenständiges Rechts- und Regulierungssystem.

Erst in der vergangenen Woche wurde eine Blockchain-Konferenz, die von Bitkan organisiert wurde, einer chinesischen Tradingfirma im Bereich der Kryptowährungen, von Peking nach Hongkong verlegt. Grund war das Verbot von Initial Coin Offerings in China.

„Hongkong ist traditionell ein Hafen der ökonomischen Freiheit in der Welt, und ich wünsche mir, dass das auch für Bitcoin und Kryptowährungen und ICOs so bleibt“, sagte Roger Ver, Chef von Bitcoin.com, im Interview mit Bloomberg auf der Bitkan-Konferenz in Hongkong.

Doch nicht nur Hongkong bemüht sich darum, ein Zentrum der Blockchain-Technologie zu werden. Auch der regionale Rivale Singapur investiert in seinen Fintech-Sektor. Und in Dubai oder der Schweiz gibt es ebenfalls Bemühungen, um Blockchain-Unternehmen anzulocken.

Zudem hat Hongkong im Hinblick auf Technologie-Start-ups nicht gerade eine Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Laut der Wagniskapital-Datenbank CB Insights gibt es in dem Stadtstaat nicht ein einziges Start-up mit einer Bewertung von einer Milliarde Dollar oder mehr.

Doch möglicherweise hilft Hongkong seine Tradition im Finanzsektor. Dies zeigen die dort ansässigen frühen Start-ups, darunter BitMEX, eine Börse für Bitcoin-Derivate, Bitspark, eine Geldanweisungsplattform, und Kenetic Capital, eine Blockchain-Investmentfirma.

Charles d’Haussy, Fintech-Chef bei der staatlichen Behörde für Wirtschaftsentwicklung InvestHK, erwartet für die kommenden sechs Monate, dass in Hongkong zwischen zehn und zwanzig Unternehmen Investorengelder mithilfe von Initial Coin Offerings einsammeln werden.

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