58 Tote, hunderte Verletzte bei Angriff in Las Vegas

Bei einem Angriff auf ein Konzert in Las Vegas sind mindestens 58 Menschen getötet worden. Hunderte wurden verletzt.

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Vorhänge flattern am 02.10.2017 im Hotel Mandala Bay Resort in Las Vegas (USA) aus zerborstenen Fenstern. Ein Todesschütze hat bei einem Musikfestival in der US-Touristenmetropole Las Vegas mindestens 50 Menschen umgebracht und über 200 verletzt. (Foto: dpa)

Vorhänge flattern am 02.10.2017 im Hotel Mandala Bay Resort in Las Vegas (USA) aus zerborstenen Fenstern. Ein Todesschütze hat bei einem Musikfestival in der US-Touristenmetropole Las Vegas mindestens 50 Menschen umgebracht und über 200 verletzt. (Foto: dpa)

Polizisten stehen am 02.10.2017 in Las Vegas in der Nähe eines Tatortes am Mandalay Bay Resort und Casino am Las Vegas Strip. (Foto: dpa)

Polizisten stehen am 02.10.2017 in Las Vegas in der Nähe eines Tatortes am Mandalay Bay Resort und Casino am Las Vegas Strip. (Foto: dpa)

Bei dem folgenschwersten Schusswaffenangriff in der US-Geschichte sind in Las Vegas mindestens 58 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt worden. Den Ermittlungen zufolge nahm der 64-jährige Attentäter von einem Hotel aus minutenlang ein Freiluftgelände unter Feuer, auf dem sich am Sonntagabend etwa 22.000 Menschen zum Abschluss eines Country-Festivals aufhielten. Unter ihnen brach Panik aus: Mehrere Menschen wurden niedergetreten. Der Polizei zufolge erschoss sich der Täter, noch bevor die Beamten zu ihm vordringen konnten. Sein Motiv ist unklar. „Wir haben keine Erkenntnisse zu seiner Weltanschauung“, sagte Sheriff Joseph Lombardo.

Den Ermittlungen zufolge hatte der mutmaßliche Schütze Stephan Paddock mindestens zehn Gewehre in seinem Zimmer in der 32. Etage des Hotels Mandalay Bay. Er war nicht polizeibekannt, hatte keine Vorstrafen und den Ermittlern zufolge keine Verbindungen zu extremistischen Gruppen. Seine Familie äußerte sich schockiert. „Wir wissen nichts. Wir sind entsetzt“, sagte sein Bruder Eric.

Ziel des Amokschützen war ein Country-Festival auf dem Veranstaltungsgelände Las Vegas Village. Den Ermittlern zufolge wohnte Paddock seit Donnerstag im Mandalay Bay in unmittelbarer Nähe. Einige Musikfans glaubten zunächst an Feuerwerk. „Die Leute fielen einfach zu Boden. Es ging immer weiter“, berichtete der 45-jährige Steve Smith aus Phoenix. Schockierte Konzertbesucher irrten nach dem Anschlag mit blutverschmierter Kleidung durch Las Vegas. Den Behörden zufolge könnte die Zahl der Opfer noch steigen.

Die von Rita Katz betriebene Website Site meldete, dass der IS die Verantwortung für den Anschlag übernommen habe. Site beruft sich auf Amaq, welches die „Nachrichtenagentur“ des IS sein soll. Site ist ein privat betriebener „Aufklärungsdienst“, der stets exklusiv über den IS informiert zu sein scheint.

Aus professionellen US-Sicherheitskreisen verlautete dagegen laut Reuters, es gebe keine Hinweise auf Verbindungen zu internationalen militanten Gruppen. Möglicherweise habe Paddock psychische Probleme gehabt.

Auch US-Präsident Donald Trump erwähnte die angebliche IS-Mitgliedschaft mit keinem Wort und sprach auch nicht, wie sonst in solchen Fällen mittlerweile üblich, von einen „Terroranschlag“. Trump äußerte sich sachlich und zurückhaltend und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Dies sei ein „Akt des absolut Bösen“, sagte er in einer kurzen Erklärung in Washington. Trump kündigte Trauerbeflaggung und eine Reise nach Las Vegas am Mittwoch an. Papst Franziskus zeigte sich erschüttert und sprach von einer „sinnlosen Tragödie“. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerten sich in Kondolenzschreiben an Trump entsetzt und drückten ihr Mitgefühl aus. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin steht die Botschaft in Washington mit den US-Behörden in Kontakt und arbeitet mit Hochdruck daran zu klären, ob Deutsche unter den Opfern sind.

Las Vegas zieht jährlich etwa 3,5 Millionen Besucher aus aller Welt an. In der Metropole im Wüstenstaat Nevada gibt es unzählige Hotels, Casinos und Einkaufszentren. Im Morgenhandel an der Wall Street gaben Aktien von Casinobetreibern nach: So verlor der Besitzer des Hotels Mandalay Bay, MGM Resorts, 4,2 Prozent. Beim Konzern Wynn Resorts betrug das Minus 0,5 Prozent.

Wie bei früheren Massakern in den USA zeigten sich Befürworter strengerer Waffengesetze verärgert. „Es ist Zeit, dass der Kongress seinen Hintern hochbekommt und etwas unternimmt“, sagte der demokratische Senator Chris Murphy. US-Bürger haben per Verfassung das Recht, Waffen zu tragen. Das Grundrecht wird von der Waffenlobby erbittert verteidigt.

Aktien von Waffenherstellern legten an der Wall Street zu: So stiegen die Papiere von American Outdoor Brands um 6,4 Prozent und die von Sturm Ruger um 5,6 Prozent. Hintergrund sind die nach solchen Vorfällen immer aufkommenden Spekulationen, dass die Waffengesetze verschärft werden könnten. Anleger rechnen damit, dass der Absatz kurzfristig steigt, weil sich die Bürger mit Waffen eindecken.

Das Massaker von Las Vegas ist das folgenschwerste der US-Geschichte. Im vergangenen Jahr wurden bei einem Anschlag auf einen Nachtclub in Orlando im Bundesstaat Florida 49 Menschen getötet.

Der Angriff auf das Countrykonzert hat Parallelen zu einem islamistisch motivierten Anschlag auf ein Rockkonzert in Paris. Dabei wurden vor knapp zwei Jahren 89 Menschen getötet.

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