China könnte Börsengang von Saudi Aramco abschießen

Der Börsengang von Saudi Aramco steht auf der Kippe: China ist interessiert, bei den Saudis einzusteigen.

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Chinas Präsident Xi Jinping und der saudische König Salman bin Abdulaziz, Peking 2014. (Foto: dpa)

Chinas Präsident Xi Jinping und der saudische König Salman bin Abdulaziz, Peking 2014. (Foto: dpa)

Der saudi-arabische Ölgigant Aramco erwägt einem Medienbericht zufolge anstelle eines klassischen Börsengangs eine Privatplatzierung seiner Aktien. Die Wertpapiere könnten an die weltgrößten Staatsfonds und an institutionelle Investoren verkauft werden, berichtet die „Financial Times“ am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Gespräche über einen Privatverkauf an ausländische Regierungen seien in den vergangenen Wochen intensiviert worden. Ein Saudi-Aramco-Sprecher sagte, dass sich das Unternehmen eine Reihe von Optionen wie einen Börsengang offenhalte.

Ein Börsengang von Aramco wäre der größte aller Zeiten geworden. Saudi-Arabien will nach früheren Angaben bis zu fünf Prozent der Anteile an die Börse bringen und damit schätzungsweise 100 Milliarden Dollar erlösen. Die Papiere sollten an der Börse in Riad sowie an einem internationalen Finanzplatz notiert werden. Als Favoriten galten zuletzt New York und London.

Allerdings haben die Saudis ein großes Problem: Die Berater der Königsfamilie und die höchsten Behörden des Landes wollen nicht an die Börse, weil der Konzern dann seine wichtigsten Zahlen offenlegen müsste. Die internen Operationen und Finanzen von Saudi Aramco wurden jahrzehntelang geheim gehalten. Die enge Beziehung zum Staat hat zahlreiche finanzielle, rechtliche und regulatorische Fragen aufgeworfen. Die Königsfamilie hat laut FT Skrupel, ein Listing in New York anzustreben, weil dann die Saudis wegen Terror-Finanzierung belangt werden können. Auch die strengen Regeln der LSE schmecken den Saudis nicht.

Um das Gesicht zu wahren werden nun andere Lösungen gesucht. Laut FT könnte die Entwicklung eine interessante Wende nehmen: Angeblich ist China stark an einem Einstieg interessiert. Die chinesische Regierung ist laut FT in Gespräche involviert.

Sollte China tatsächlich zum Zug kommen, hätte dies auch weitreichende geopolitische Implikationen: China würde mit einem Schlag im Kreise der erdölproduzierenden Länder eine Rolle spielen, die weit über seine aktuelle Rolle als wichtigster Öl-Konsument hinausgeht.

Die Saudis hatten erst in den vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt, als König Salman als erster Monarch nach Moskaus reiste, wo Russland und Saudi-Arabien eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Rüstung und Energie diskutiert haben. Den Chinesen könnte an einer Diversifizierung ihrer geopolitischen Assets gelegen sein: Aktuell ist der Iran der wichtigste Verbündete Chinas, weil das Land auch im Hinblick auf die Route der neuen Seidenstraße eine entscheidende Rolle spielt. Die Verschärfung der Gangart der USA gegen den Iran trifft daher auch China und könnte die Chinesen in ihrem Bestreben bestärken, sich weltweiter breiter aufzustellen. China hat vor wenigen Wochen seine erste Militärbasis in Afrika in Betrieb genommen.

Russland hat mit seiner Intervention in Syrien eine zentrale Rolle im Nahen Osten übernommen. China und  Russland arbeiten seit langem an einer Allianz, die eine Balance zu den von den USA dominierten Spielregeln der Weltwirtschaft herstellen könnte. So haben beide Länder darüber verhandelt, sich vom Petro-Dollar unabhängiger machen zu wollen. Außerdem wollen sich die beiden Länder vom internationalen Zahlungssystem SWIFT lösen und haben ein eigenes System aufgesetzt. Der Grund: Wegen des Dollars sind alle Länder der ständigen Gefahr von US-Sanktionen oder aber Ermittlungen der US-Strafverfolger ausgesetzt. Russland und China streben als Wortführer der BRICS-Staaten nach einer multipolaren Weltordnung.

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