Weltweite Krisen: Ölpreise steigen an

Die Preise für Rohöl sind seit Beginn der Woche deutlich gestiegen. Der langfristige Ausblick bleibt höchst unsicher.

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Mit Steck-Ziffern ändert ein Tankstellenmitarbeiter am 22.04.2012 die Benzinpreise an der Anzeigentafel einer Tankstelle in Hannover. Die Ölpreise bleiben weiterhin unsicher. (Foto: dpa)

Mit Steck-Ziffern ändert ein Tankstellenmitarbeiter am 22.04.2012 die Benzinpreise an der Anzeigentafel einer Tankstelle in Hannover. (Foto: dpa)

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Die Preise für Erdöl erholen sich vor dem Hintergrund der militärischen Auseinandersetzungen zwischen der irakischen Armee und Einheiten der Kurden in der ölreichen Region Kirkuk seit Montag deutlich. Am Dienstagmittag lagen die Sorten Brent und WTI leicht im Plus. Am Montag notierte der WTI-Ölpreis mit 52,13 US-Dollar jedoch rund 2,10 Prozent höher als noch zu Handelsstart. Damit erreicht der US-Ölpreis den höchsten Stand seit Ende vergangenen Monats. Ein Barrel (je 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostete am Abend 57,80 US-Dollar. Das waren 63 Cent mehr als am Freitag.

Massud Barsani, der Präsident der nordirakischen Kurden, hatte im Vorfeld seinen Truppen angewiesen, attackierende irakische Einheiten unter allen Umständen anzugreifen. Daraufhin reagierte der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der kurdischen Peschmerga, als Soldaten der Zentralregierung aus Bagdad in der Provinz Kirkuk vorrückten. Das ölreiche Gebiet wird von den Kurden beansprucht und kontrolliert. Wie einer Analyse von Rohstoffexperten der Commerzbank zu entnehmen war, befinde sich der Ölmarkt aktuell unter dem Einfluss geopolitischer Risiken.

Dabei hält das Gerangel um Förderquoten innerhalb der Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC) unvermindert an. Die Organisation erklärte, dass die weltweiten Lagerbestände bei Rohöl zum ersten Mal seit vier Jahren unter dem Strich wieder sinken werden – jedenfalls nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) in ihrem jüngsten Monatsbericht.

Das weltweite Überangebot, das seit Monaten auf den Preisen lastet, baut sich seit einigen Wochen sukzessive ab. Die Ölpreise waren in dem Zeitraum zwischen 2014 und 2016 phasenweise auf ein Viertel ihres ehemaligen Wertes zusammengeschmolzen und lagen damit unter 30 US-Dollar je Barrel. Aktuell hat sich der Ölpreis deutlich erholt. Inzwischen kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent wieder mehr als 57 US-Dollar.

Der Report der IEA dürfte der OPEC echte Freude und Genugtuung bereitet haben, denn in ihren Augen sind die Anfang 2017 eingeführten Förderkürzungen ihrer Mitgliedsländer ein Erfolg. Die Preiskurve hat sich im Sinne des Ölkartells gedreht. Erst in der vergangenen Woche hatte OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo im indischen Neu-Delhi gelobt, dass man mit der Ausbalancierung des Marktes rasch vorankomme. Wie nachhaltig diese Erholung ausfallen wird, ist allerdings unsicher.

Denn der Optimismus nicht über eine Tatsache hinwegtäuschen: Das OPEC hat das selbst gesteckte Ziel, die weltweiten hohen Lagerbestände auf den Fünf-Jahres-Durchschnitt zu verringern, noch nicht erreicht. Und obwohl die Vereinigung der Ölförderstaaten mit einer höheren Nachfrage und einem kalten Winter rechnen, dürften diese Faktoren allein nicht ausreichen, um weitere Markteingriffe zu vermeiden.

Schließlich drohen im nächsten Jahr weitere Unwägbarkeiten aus den USA. Allein im laufenden Jahr soll die tägliche US-Produktion nach Schätzungen der OPEC um 600.000 Barrel steigen. Im Jahr 2018 sollen es sogar 860.000 Barrel werden. Darüber hinaus ist mit weiteren Großprojekten außerhalb der Kartellmitgliedsstaaten zu rechnen, die im kommenden Jahr den Markt erreichen werden. Durch den massiven Einsatz der Fracking-Technologie ist ein Gegengewicht zu den Kürzungen der OPEC gegeben und ein erneutes Überangebot scheint vorprogrammiert – unter der Voraussetzung, dass das Kartell und seine Partner nach Ablauf des Abkommens im März 2018 zu den alten Förderquoten zurückkehren würden.

Nach wie vor bleibt offen, ob und wie die OPEC die Markteingriffe beenden möchte. Jedenfalls hat Generalsekretär Barkindo – abgesehen von seinem Lob für das bisherige Vorankommen – in den kommenden Jahren „außergewöhnliche Maßnahmen“ in Aussicht gestellt. Barkindo forderte die US-Produzenten für Schieferöl kürzlich dazu auf, sich an die OPEC-Vereinbarungen hinsichtlich der Drosselung zu halten – ein bemerkenswerter Vorgang, der viel über die bei den Ölstaaten derzeit herrschende Nervosität aussagt. Hier hatte die Öl-Gewinnung um nahezu zehn Prozent zugelegt. Bei der Umsetzung ihrer Vorstellungen kann es der OPEC offensichtlich nicht schnell genug gehen. Denn ursprünglich war geplant, die Förderkürzungen nur bis Ende Juni dieses Jahres durchzuführen. Daher gilt nun eine weitere Verlängerung als wahrscheinlich.

Eine Möglichkeit, die der OPEC sehr in die Karten spielen würde, bietet sich geradezu an: nämlich das Aussitzen. Denn das Ölkartell hat in der weltweit anziehenden Ölnachfrage einen mehr als willkommenen Partner in dieser Sache gewonnen. Die Nachfrage nach Öl wird wohl dank der verbesserten Weltkonjunktur in diesem Jahr um 1,6 Millionen auf etwa 97,7 Millionen Barrel pro Tag steigen. Wenn die globale Wirtschaft weiter wachsen sollte, könnte sogar im nächsten Jahr die Marke von 100 Millionen Barrel brechen.

Auch die hohe Verschuldung der US-Ölunternehmen spielt der OPEC in die Hände. Einige Beobachter weisen darauf hin, dass sich viele der Fracking-Unternehmen finanziell übernommen haben – eine Pleitewelle bei wieder sinkenden Preisen ist nicht ausgeschlossen.

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