Teure Koalition: Jamaika-Parteien wollen 100 Milliarden Euro ausgeben

Grüne, FDP und Union wollen 100 Milliarden Euro mehr aus Steuergeldern verteilen.

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Jamaika-Koalition für Anfänger – das neue DWN-Magazin.

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Die CDU veranschlagt die Ausgabewünsche der möglichen künftigen Koalitionäre eines Jamaika-Bündnisses für die kommende Wahlperiode einem Zeitungsbericht zufolge auf deutlich mehr als 100 Milliarden Euro. „Allein die bereits bezifferbaren Forderungen betragen in Summe weit über 100 Milliarden Euro“, zitiert die Tageszeitung Die Welt aus einem Papier von CDU-Haushaltsexperten. Der Spielraum im Bundeshaushalt betrage aber nur rund 30 Milliarden Euro über vier Jahre. „Die Einhaltung der Schwarzen Null, aber auch der verfassungsrechtlichen Schuldenregel in jedem Jahr der 19. Wahlperiode erfordert eine klare Priorisierung der zu beschließenden Maßnahmen“, fordern die CDU-Politiker. Allein die von der CSU geforderte Mütterrente würde demnach über vier Jahre verteilt 28 Milliarden Euro kosten. Die von der FDP in die Diskussion gebrachte Anschaffung des Soli belasteten den Haushalt dem Papier zufolge 2020 und 2021 zusammen mit 41 Milliarden Euro. Und das von den Grünen angestrebte „Familienbudget“ schlage über vier Jahre gerechnet mit mehr als 48 Milliarden Euro zu Buche, rechnen die CDU-Politiker.

CDU und CSU haben bereits Steuersenkungen im Volumen von 15 Milliarden Euro ins Gespräch gebracht. Durch die Ausgabepläne sei auch die Schuldenbremse in Gefahr, warnen die Fachpolitiker. CDU, CSU, FDP und Grüne hatten in der vergangenen Woche erstmals gemeinsam Sondierungsgespräche über die Bildung einer gemeinsamen Bundesregierung geführt.

Auch personell dürfte die Dreier-Koalition teuer werden: Die Grünen haben für den Fall ihrer Beteiligung an einer Jamaika-Koalition die Berufung von zwei Vizekanzlern gefordert. „Grüne und FDP müssten gleichermaßen die Regierungsarbeit mitkoordinieren“, sagte Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner der „Bild“-Zeitung (Montagsausgabe). „Die Koordination der Regierungsarbeit kann in so einer möglichen Koalition nicht nur im Kanzleramt und bei einem weiteren Partner, sondern muss bei allen drei liegen: Union, Grünen und FDP.“

Laut Grundgesetz-Artikel 69 ist allerdings nur ein Vizekanzler vorgesehen. Dort heißt es: „Der Bundeskanzler ernennt einen Bundesminister zu seinem Stellvertreter.“ Die Geschäftsordnung der Bundesregierung sieht aber umfangreichere Vertretungsregelungen vor. Sind bei einer Kabinettssitzung sowohl Kanzlerin wie Vizekanzler verhindert, dann führt ein vorab benannter Minister den Vorsitz.

Die Jamaika-Koalition beruht weniger auf breit aufgestellten Volksparteien, sondern eher auf Netzwerken, die jeweils die Wünsche einer bestimmten Klientel zu erfüllen trachten. Alles zu den Hintergründen im neuen DWN-Magazin. 

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