Messerattacke gegen bekannte Moskauer Journalistin

In Moskauer Radiosender Echo Moskwy ist es zu einem Gewaltverbrechen gekommen.

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Die Moskauer Journalistin Tatyana Felgengauer. Foto: dpa

Die Moskauer Journalistin Tatyana Felgengauer. Foto: dpa

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Die stellvertretende Chefredakteurin des Radiosenders Echo Moskwy ist bei einer Messerattacke schwer verletzt worden. Die Behörden ermittelten wegen versuchten Mordes an der Journalistin Tatjana Felgengauer, hieß es russischen Medien zufolge am Montag. Die Staatsanwaltschaft Moskau und der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin sprachen von einem abscheulichen Verbreche.

Der Angreifer sprühte zunächst einem Wachmann eine Substanz in die Augen, um sich Zugang zu den Redaktionsräumen im Stadtzentrum zu verschaffen. Nach Angaben des Chefredakteurs, Alexej Wenediktow, ist der Mann daraufhin in den 14. Stock des Gebäudes gestürmt. «Er wusste genau, wohin er wollte und zu wem», sagte Wenediktow.

Er habe die Journalistin mit einem Messer am Hals schwer verletzt. Die 32-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht und operiert. Sie befinde sich im künstlichen Koma; es bestehe jedoch keine Lebensgefahr, sagten Ärzte.

Der Täter ist russischen Medienberichten zufolge israelischer Staatsbürger. Die Times of Israel berichtet, er sei auch russischer Staatsbürger. Der Mann sei 2003 nach Israel ausgewandert und erst vor einem Monat nach Moskau zurückgekehrt. Es ist unklar, ob der Täter Hintermänner hatte, die ihn zu der Tat anstifteten. Die TASS schreibt, die Ermittler gingen davon aus, dass der Mann geistig beeinträchtigt sei.

Sicherheitskräfte nahmen den 48 Jahre alten Angreifer noch in der Redaktion fest. Nach Angaben der Ermittler hat der Mann eine «persönliche Abneigung» gegenüber der Journalistin empfunden. Medienberichten zufolge soll er bei der Vernehmung gesagt haben, dass er seit Jahren mit Felgengauer telepathisch in Kontakt gewesen sei. Er habe sich von der Moderatorin sexuell belästigt gefühlt. Vor wenigen Wochen soll er mit einem Angriff gedroht haben. Die Polizei bestätigte diese Angaben.

Die Lage in der Redaktion sei unter Kontrolle, teilte Chefredakteur Wenediktow mit. Zusätzliche Sicherheitskräfte vor dem Gebäude sollten die Mitarbeiter schützen. Der Moskauer Bürgermeister Sobjanin versicherte eine komplette Aufklärung des Vorfalls.

Felgengauer arbeitet seit mehr als zehn Jahren bei dem Radiosender. Der Sender ist regierungskritisch. Die Mehrheit der Aktien wird allerdings vom staatlichen Energiekonzern Gazprom über seine Tochter Gazprom-Media gehalten. Die Journalisten des Senders erhalten nach eigenen Angaben immer wieder Morddrohungen. Erst im September floh die Redakteurin Julia Latynina ins Ausland, nachdem Unbekannte ihr Haus angegriffen und ihr Auto angezündet hatten.

Zuletzt war der Sender vom staatlichen Sender Rossiya 24 angegriffen worden: Der Sender behauptete, Echo Moskwy sei vom US-Außenministerium gesteuert und habe die Aufgabe, die russische Gesellschaft zu destabilisieren.

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