Italien wagt einen Neuanfang im Dialog mit Russland

Die Italiener versuchen vorsichtig, den Dialog mit Russland wieder in Gang zu bringen.

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Der Palazzo della Gran Guardia in Verona. Hier soll der Dialog mit Russland neu begonnen werden. (Foto: Verona.net)

Der Palazzo della Gran Guardia in Verona. (Foto: Verona.net)

Gerhard Schröder auf dem Podium in Verona. (Foto: DWN)

Gerhard Schröder auf dem Podium in Verona. (Foto: DWN)

Großes Interesse am russischen Markt beim Forum in Verona. (Foto: DWN)

Großes Interesse am russischen Markt beim Forum in Verona. (Foto: DWN)

Seit neun Jahren stellt das Wirtschaftsforum in Verona eine wichtige Plattform dar, um die Geschäftsbeziehungen zwischen Russland und Italien zu vertiefen. Während der Sanktionen hat sich das Forum als eine der wenigen verbleibenden Institutionen erwiesen, die Unternehmen überhaupt noch zum Dialog mit Russland nutzen konnten. In diesem Jahr hatte sich allerdings sogar der Präsident des EU-Parlaments angesagt – ein sicheres Indiz, dass auch auf EU-Ebene darüber nachgedacht wird, ob man das Verhältnis zu Russland wieder etwas normaler gestalten könnte. Der Initiator des Forums, Prof. Antonio Fallico, hält die Sanktionen gegen Russland nicht nur für kontraproduktiv, sondern auch für nicht gerechtfertigt. Europa dürfe sich nicht zum Spielball US-amerikanischer Treffen machen lassen, sagte Fallico in Verona.

Eine Konfrontation zwischen Russland und der EU schade beiden Seiten, vor allem aber Ländern wie Deutschland und Italien: Fallico hat ermittelt, dass die Sanktionen in der EU zu einem massiven Verlust an Arbeitsplätzen geführt haben. Die Zukunft der Welt sei multipolar. Die USA könnten nicht auf Dauer die einzige und alles bestimmende Weltmacht bleiben. Die rege Teilnahme am FORUM mit Rednern aus Russland, Italien, China, Japan, Frankreich und den USA zeigt, dass Fallico Recht haben könnte. Deutschland war durch Ex-Kanzler Gerhard Schröder vertreten. Die italienischen Banken waren vom UniCredit bis zur Intesa Sanpaolo durchaus stark vertreten. Sie hoffen, dass sie zum Ende der Sanktionen wieder ihre Positionen in Russland aufbauen können. Die Deutschen dagegen waren trotz intensiver Bemühungen nicht zu bewegen, im großen Stil teilzunehmen. Deutsche Unternehmen und Lobbyisten sind traditionell sehr ängstlich, wenn es um Konflikte mit der Bundesregierung geht. Und diese fährt bekanntlich unverändert einen strammen Anti-Russland-Kurs. Allerdings hat die Leidenschaft seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump etwas nachgelassen. Auch in Berlin erfolgt derzeit eine Neuorientierung in der internationalen Ausrichtung.

Schröder, seit kurzem Aufsichtsratsvorsitzender des Rosneft-Konzerns, sieht ähnlich wie Fallico US-amerikanische Geschäftsinteressen hinter dem Bestreben, die Sanktionen gegen Russland weiter zu verschärfen. Doch Deutschland brauche russisches Gas, um als Industriestandort weiter konkurrenzfähig zu bleiben. Ein Ausweichen auf amerikanisches Flüssiggas, wie von interessierten Kreisen angestrebt, sei nicht profitabel. Einen Beleg dafür blieb Schröder dafür freilich schuldig – denn er ist als Aufsichtsrat bei Nord Stream 2 naturgemäß interessiert, dass die Gazprom-Kunden in der EU dem russischen Staatskonzern auch weiter die Treue halten.

Igor Sechin, der Vorstandsvorsitzende des Rosneft-Konzerns, ist zuversichtlich, dass Deutschland und die EU weiter russisches Gas kaufen werden. Die Förderkosten für Kohlewasserstoffe lägen für Rosneft weit unter denen für die Konkurrenz. Zudem engagiere sich der Konzern auch außerhalb Russlands und strebe internationale Kooperationen an. Wo es Öl oder Gas zu fördern gebe, werde man aktiv. Auch in Zukunft werde die Welt Öl und Gas benötigen. Ihr Ersatz durch erneuerbare Energien sei mittelfristig nicht in Sicht.

Die Frage, ob sich die EU durch eine stärkere Anbindung an das russische Gasnetz politisch von Russland abhängig und erpressbar macht, bereitet Gerhard Schröder keine Sorgen. Der Austausch und Handel sei für beide Seiten von Vorteil. In Zeiten, in denen sich die Politik schwer tue, aus verfahrenen Situationen wieder herauszufinden, könne die Wirtschaft den Weg ebnen.

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