Keine Experimente: Jerome Powell wird Chef der Federal Reserve

US-Präsident Trump hat bei der Neubesetzung der Fed-Spitze keine Lust auf Risiko.

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Jerome Powell von der Fed. (Foto: dpa)

Jerome Powell von der Fed. (Foto: dpa)

Jeff Mason und Howard Schneider von Reuters analysieren die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zur Neubesetzung der Fed-Spitze:

US-Präsident Donald Trump setzt beim Führungswechsel in der Fed auf Kontinuität: Mit Direktor Jerome Powell soll ein langjähriger Mitstreiter von Notenbankchefin Janet Yellen an die Spitze kommen. Trump kürte den 64-Jährigen am Donnerstag nach einem langwierigen Bewerbungsverfahren als Nachfolger der amtierenden Fed-Gouverneurin, deren Mandat Anfang Februar abläuft. Powell hat im Führungskreis der Notenbank alle unter Yellen getroffenen Entscheidungen der vergangenen Jahre mitgetragen. Der Republikaner dürfte somit den Kurs behutsamer Zinserhöhungen fortsetzen, falls er vom US-Senat bestätigt wird. Damit wird sich aus Sicht vieler Investoren an den wichtigsten Rahmenbedingungen für den jahrelangen Höhenflug an der Wall Street nichts ändern.

Die Berufung Powells gilt als eine bewusste Entscheidung gegen andere von Trump ebenfalls ins Auge gefasste Kandidaten, die wohl eine straffere geldpolitische Linie eingeschlagen hätten – darunter der Ökonom John Taylor. Powell sei der „am wenigsten umstrittene“ Anwärter, sagte Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner. „Unter seiner Führung könnten die Märkte ‚business as usual‘ erwarten – was ihnen offensichtlich am liebsten ist.“ Powell, den Freunde und Weggefährten Jay nennen, steht dabei vor einer Gratwanderung: Er muss die Börsen von den massiven Geldspritzen der vergangenen Jahre entwöhnen, ohne den Konjunkturaufschwung abzuwürgen. Die nächste Leitzinserhöhung wird für Dezember erwartet. Dies dürfte die letzte große Entscheidung unter Yellens Ägide werden, bevor sie den Stab an Powell weitergibt.

Der Jurist gilt als Kompromisskandidat, den Republikaner und Demokraten gleichermaßen akzeptieren können. Trump sagte, er hoffe auf eine rasche Bestätigung durch die Parlamentskammer. Powells sei „stark, engagiert und klug“ und damit bestens für die Aufgabe geeignet. „Er weiß, was nötig ist, damit eine Wirtschaft wächst.“ Powell selbst kündigte an, bei einer Bestätigung durch den Senat getreu dem Mandat der Fed Vollbeschäftigung und stabile Preise anzustreben. Dabei halte er stets die Auswirkungen der Fed-Politik auf die Bürger im Blick: „Wir wissen, dass geldpolitische Entscheidungen für Familien wichtig sind.“ Zugleich würdigte er die Leistung Yellens. Diese sicherte einen reibungslosen Wechsel zu.

Trump hatte Yellen im Wahlkampf hart attackiert und als Erfüllungsgehilfin seines demokratischen Vorgängers Barack Obama bezeichnet. Später schlug er moderatere Töne an und lobte sie als exzellent. Dennoch verwehrte er Yellen nun eine zweite Amtszeit, obwohl er sie neben Powell, Taylor und zwei weiteren Kandidaten in die engere Wahl genommen hatte: Dazu gehörten auch Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn und der ehemalige Fed-Direktor Kevin Warsh.

Dass die Wahl auf den bislang eher unscheinbaren Fed-Direktor und Juristen Powell fiel und nicht auf den Starökonomen Taylor, dürfte auch mit dem Eintreten des Stanford-Professors für eine aggressivere Zinspolitik zu tun haben: Trump hat sich häufig für niedrige Zinsen ausgesprochen. Im Weißen Haus sei man daher strikt gegen Regeln, die generell eine straffere geldpolitische Linie nahelegten, räumte ein früherer Mitarbeiter des Präsidialamtes hinter vorgehaltener Hand ein.

Nach Taylor ist eine volkswirtschaftliche Regel zur Bestimmung des Leitzinses benannt. Er schlägt seine Taylor Rule als Richtschnur für die US-Geldpolitik vor. Während der Professor damit bei manchen Republikanern im Kongress offene Türen einrennt, trifft er in der Spitze der Notenbank auf Widerstand. Yellen und andere Fed-Führungsmitglieder sehen in einer regelgebundenen Geldpolitik ein Korsett, das ihren geldpolitischen Spielraum zu stark einengen würde. Peter Conti-Brown von der Universität Pennsylvania sieht die Berufung Powells vor diesem Hintergrund als Schachzug, mit dem die Linie Yellens fortgeführt werden könne: Eine republikanische Regierung erhalte so eine „Geldpolitik a la Yellen, ohne Yellen“.

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