Nach Rastatt: Schweiz will Güter-Transport in Tunnel verlagern

Die Schweiz arbeitet an einem Projekt, einen Großteil des Güterverkehrs über die Alpen unter die Erde zu legen. Dies könnte in Hinblick auf das Unglück von Rastatt Schäden auffangen.

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Geplant sind für die erste Bauphase sieben Jahre ab 2023. Das Thema wird nach Rastatt besonders interessant. (Illustration: Cargo sous terrain)

Geplant sind für die erste Bauphase sieben Jahre ab 2023. (Illustration: Cargo sous terrain)

In Rastatt waren am 12. August in einen Tunnel unter den Gleisen zwischen Karlsruhe und Basel Wasser und Erdreich eingedrungen. In der Folge sackten die Gleise ab und die Bahntrasse wurde schwer beschädigt. Der Verkehr wurde bis zum 01. Oktober unterbrochen. Neben der Personenbeförderung war insbesondere der Schienengüterverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz sowie nach Italien betroffen. Viele Logistik-Unternehmen mussten kurzfristig umplanen. Die Folgen sind nach wie vor nicht abzuschätzen.

Die Schweiz arbeitet bereits seit längerem an einer Alternative. Denn schon seit rund 150 Jahren sind sie gezwungen, wegen dem an vielen Stellen fast unüberwindbaren Gebirge den Tunnelbau für den Güterverkehr voranzutreiben und auszubauen.

Aktuell plant die auf Tunnel spezialisierte Baubranche etwa 50 Meter unter der Erde ein gigantisches Tunnelsystem für den Güterverkehr. Das Projekt trägt den Namen „Cargo sous terrain“ (übersetzt etwa: unterirdische Fracht) und stellt eine U-Bahn für den Transport von Millionen Tonnen Gütern jedweder Art dar. Der Clou: An der Tunneldecke soll eine Seilbahn leichtere Fracht befördern, zum Beispiel Briefe und Pakete.

Das neue Tunnelsystem könnte 40 Prozent des Güterverkehrs von der Straße übernehmen. (Grafik: Cargo sous terrain)

Das neue Tunnelsystem könnte 40 Prozent des Güterverkehrs von der Straße übernehmen. (Grafik: Cargo sous terrain)

Das neue Tunnelsystem könnte 40 Prozent des Güterverkehrs von der Straße übernehmen, so das ehrgeizige Ziel der Planer. Bereits 2045 soll es fertiggestellt sein. Das Projekt findet breite Unterstützung. Nicht nur die beiden großen Supermärkte der Schweiz, Migros und Coop, stehen hinter dem Projekt, sondern auch zahlreiche Logistikfirmen, die Post, die Schweizer Bundesbahnen sowie das schweizerische Verkehrsministerium.

Allerdings sind die Kosten gewaltig. Kalkuliert werden derzeit 33 Milliarden Franken. Steuergelder sollen nicht investiert werden. Coop, Migros, Mobiliar, SAP und Helvetia haben bereits in die Baubewilligungsphase investiert. 2030 soll das erste Teilstück betriebsbereit sein.

Logistikexperte Peter Sutterlüti betont gegenüber dem deutschen Manager Magazin: „Die Lagerhalle der Nation wird der Welt zeigen, wie man die Logistik der Zukunft macht“. Diese „Lagerhalle“ heißt das Mittelland zwischen den Alpen und dem Jura-Gebirge, etwa je 60 Kilometer von den Städten Bern, Basel, Zürich und Luzern entfernt. Es ist ein Knotenpunkt für die gesamte Güterverteilung.

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