Deutsche Unternehmen im Visier internationaler Investoren

Deutsche Unternehmen bleiben als Übernahmeziel für ausländische Käufer interessant.

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Ein Büden Dollar- und ein Büdenl Yuan-Scheine. (Foto: dpa)

Ein Büden Dollar- und ein Büdenl Yuan-Scheine.
(Foto: dpa)

Aktivitäten von US-Konzernen im Bereich der Übernahmen und Fusionen (Merger & Acquisitions) fallen in der laufenden Berichtsaison besonders ins Auge. Das hat seine Gründe: Da sind zum einen die sehr gut gefüllten Kriegskassen der US-Konzerne. „Durch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank hat sich die Liquiditätsausstattung der US-Unternehmen deutlich von ihren Tiefständen 2009 erholt und befindet sich sogar über Vor-Finanzkrisenniveau“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Gesellschaften in den USA in Europa nicht nur umschauen sondern – ausgestattet mit satten Kapitalreserven – durch Aufkäufe lästige Wettbewerber ausschalten wollen. Besonders prominente Beispiele sind General Electric und Pfizer.

Anstatt die höher als erwarteten Gewinne in Entwicklung und Forschung zu investieren, was sich im besten Fall erst in ein paar Jahren in Gewinne ummünzen lässt, schauen sich die Gesellschaften nach geeigneten Übernahmekandidaten um. Diese garantieren ihnen sofortige Umsatzsteigerungen und darüber hinaus den Zugriff auf technologisches Know How in Bereichen und Märkten, zu denen die Konzerne bislang keinen Zugang hatten. Daneben müssen die Unternehmen auch Rücksicht auf ihre Anteilseigner nehmen. Denn der Aktienmarkt honoriert kaum hohe Liquiditätsbestände, da sich der Wert einer Gesellschaft durch die immer noch vergleichsweise niedrigen Leitzinsen in den USA – von Europa oder Japan gar nicht zu sprechen – auf diese Weise nicht signifikant erhöhen lässt.

Weltweit ist das Transaktionsvolumen im Jahr 2017 vor allem wegen Restriktionen der chinesischen Regierung im Hinblick auf die Bekämpfung des Kapitalabflusses zurückgegangen. Doch auch wenn die chinesische Regierung ihre Ambitionen bezüglich weiterer Übernahmen in Europa und vor allem in Deutschland im laufenden Jahr gegenüber den Vorjahren etwas zurückgefahren hat, verfolgt sie nach wie vor den Plan „Made in China 2025“. Dieser besagt, dass auch weiterhin strategisch wichtige Bereiche mithilfe von Akquisitionen in der westlichen Welt verstärkt werden sollen. Es wird nicht erwartet, dass chinesische Investoren ihr Interesse an Deutschland auf lange Sicht verlieren könnten. Demgegenüber gehen US-Unternehmen derzeit in größerem Umfang auf Shoppingtour.

Mit Blick auf das gesunkene Übernahmevolumen bilden die Länder Europas und hier besonders Deutschland die große Ausnahme. Allein im ersten Halbjahr legten die entsprechenden Transaktionsvolumina auf dem alten Kontinent um acht Prozent auf nun 463 Milliarden US-Dollar zu. Dabei ist die starke deutsche Technologie-, Chemie- und Pharma-Industrie besonders in den Fokus bei den ausländischen Investoren geraten.

Einer der am häufigsten genannten Übernahmekandidaten der deutschen Wirtschaft ist der Generikahersteller Stada, der im MDAX der deutschen Börse notiert ist. Bei der mit einer Marktkapitalisierung von 5,15 Milliarden Euro ausgestatteten Gesellschaft sind mit dem Einstieg von Guy Wyser-Pratt und Active Ownership die Spekulationen angeheizt worden, dass Stada in naher Zukunft geschluckt werden könnte. Die Geldgeber üben Druck auf die Unternehmensführung aus, indem sie sich offen für eine Fusion mit einem Konkurrenten aussprechen. Seit Anfang des Jahres ist die Stada-Aktie wohl auch aufgrund der Gerüchte bereits um rund 86 Prozent nach oben geschnellt.

Auch bei im SDAX notierten Rhön-Klinikum weiß niemand so recht, wie die Zukunft aussieht. Hinter vorgehaltener Hand wird darüber spekuliert, dass das Unternehmen von einem Wettbewerber geschluckt werden könnte. Neben einigen anderen ist Goldman Sachs vor nicht allzu langer Zeit mit drei Prozent bei Rhön-Klinikum eingestiegen. Der Titel weist eine Marktkapitalisierung von 2,05 Milliarden US-Dollar auf hat seit Frühjahr dieses Jahres um rund 25 Prozent zugelegt.

Übernahmefantasie herrscht auch um den Triebwerkhersteller MTU. Die ebenfalls im MDAX gelistete Gesellschaft hat es sogar in das M&A-Indexzertifikat der Société Générale geschafft, in dem zurzeit nur wenige deutsche Unternehmen enthalten sind. Auch die MTU-Aktie hat im Verlauf des Jahres 2017 mit einem Plus von etwa 58 Prozent eine hervorragende Entwicklung gezeigt. Aufgrund der militärischen Bedeutung des Unternehmens kommen wohl ausschließlich US-amerikanische Konzerne für eine Übernahme in Betracht.

Interessierte Käufer aus Nicht-Nato-Staaten dürften es schwer haben, wie das aktuelle Beispiel des deutschen Pharmaunternehmens Biotest zeigt. Dort blockiert eine US-Behörde den Einstieg eines chinesischen Investors aus Gründen der militärischen Sicherheit. Die Behörde hatte im vergangenen Jahr bereits die geplante Übernahme des deutschen Chipanlagenbauers Aixtron durch die chinesische Fujian Grand Chip Investment (FGC) torpediert. Das Fachwissen und die Erfahrung von Aixtron könne auch für Militärtechnik verwendet werden, wurden die Bedenken begründet.

Private Anleger, denen das Risiko eines Einzelinvestment zu hoch ist, können von den großen Potenzialen der Übernahmen partizipieren, wenn sie in ein Zertifikat wie das der Société Générale oder in ein entsprechendes Produkt beispielsweise der Deutschen Bank investieren.