Anleger hoffen auf Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank

Der Einstieg des Finanzinvestors Cerberus bei der Commerzbank und der Deutschen Bank nährt bei Anlegern die Erwartung einer Fusion.

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Die Hauptniederlassung der Deutschen Bank in Frankfurt. (Foto: dpa)

Die Hauptniederlassung der Deutschen Bank in Frankfurt. (Foto: dpa)

Der Aktienkurs der Deutschen Bank auf Blick der vergangenen drei Monate. (Grafik: ariva.de)

Die Entwicklung des Aktienkurses der Deutschen Bank in den vergangenen drei Monaten. (Grafik: ariva.de)

Der Aktienkurs der Commerzbank auf Blick der vergangenen drei Monate. (Grafik: ariva.de)

Die Entwicklung des Aktienkurses der Commerzbank in den vergangenen drei Monaten. (Grafik: ariva.de)

Spekulationen im Hinblick auf eine Übernahme oder Fusion der Commerzbank und der Deutschen Bank haben in der vergangenen Woche neue Nahrung erhalten. Nachdem der US-Finanzinvestor Cerberus einen Anteil von 5,01 Prozent an der Commerzbank erworben hatte, bestätigte die Gesellschaft dieser Tage in einer Stimmrechtsmitteilung den Einstieg bei der Deutschen Bank mit einem Anteil von mindestens drei Prozent.

Die US-amerikanische Investmentfonds-Managementgesellschaft Cerberus Capital Management ist nach dem Höllenhund der griechischen Mythologie benannt. Ihr Gründer und Chef gilt als konsequenter Sanierer, der erst kürzlich die österreichische Bawag-Bank umstrukturiert hatte.

Das Vorgehen von Cerberus wurde in Finanzkreisen als cleverer Schachzug bezeichnet und heizte Gerüchte und Spekulationen über eine eventuelle Fusion oder Kooperation zwischen beiden Geldinstituten wieder an. „Falls Commerzbank und Deutsche Bank fusionieren, befindet sich Cerberus nun in einer Pole Position“, kommentierten Marktteilnehmer den Vorgang. Rund um die Aktie der Deutschen Bank ist in der jüngsten Vergangenheit einiges in Bewegung geraten. Erst zu Beginn der vergangenen Woche hatte das größte deutsche Kreditinstitut darüber informiert, dass nun knapp sieben Prozent seiner Anteile von der US-Investmentbank Morgan Stanley beansprucht würden.

Obwohl einige Anleger darüber gemutmaßt hatten, steht nach Informationen des Handelsblatts der Erwerb der Deutsche Bank-Aktien von Cerberus nicht im Zusammenhang mit dem Anteil, den sich Morgan Stanley gesichert hatte. Das Engagement der Großinvestoren blieb natürlich auch dem Börsenparkett nicht verborgen: Der Kurs der Deutschen Bank Aktie legte entgegen dem allgemeinen Trend auf Sicht der zurückliegenden fünf Tage um knapp 6,5 Prozent zu. Auch die Anleger der Commerzbank-Aktie konnten sich seit Mittwoch über einen Anstieg von 6,67 Prozent freuen.

Am Montagmittag lag die Aktie der Commerzbank mit etwa 1,8 Prozent im Plus. Die Aktie der Deutschen Bank lag mit knapp 1 Prozent im Plus.

Zwischen den beiden deutschen Geldinstituten hatte es bereits im vergangenen Jahr erste Verhandlungen über einen möglichen Zusammenschluss gegeben. Allerdings einigten sich damals die Vorstände darauf, dass sich jeder für sich erst einmal neu aufstellen müsse. Infolge dessen waren die Gespräche zunächst recht bald beendet gewesen.

Allerdings gibt es erheblichen Widerstand zumindest in einem der beteiligten Lager. Die Commerzbank wappnet sich seit Wochen nach Informationen von Insidern mit Hilfe von zwei großen Investmentbanken für eine mögliche Übernahmeschlacht. Das zweitgrößte deutsche Geldinstitut habe Experten von Rothschild und Goldman Sachs angeheuert, die alternative Optionen prüfen und sie bei Abwehrmaßnahmen beraten sollen. Angeblich sei der Einstieg von Cerberus bei der Commerzbank der Auslöser für den Vorstand gewesen, die Berater zu verpflichten.

Die Commerzbank-Aktie war in den vergangenen Monaten immer wieder durch Übernahmefantasien angetrieben worden. Zum Handelende am Freitag notierte der Titel mit einem satten Wochengewinn bei 12,10 Euro, seit Jahresbeginn bedeutet dies ein Anstieg von immerhin etwa 60 Prozent. Dennoch sind die Commerzbank-Papiere immer noch weit von dem Betrag entfernt, den der Staat erzielen müsste, um sich von seinem Anteil an dem Kreditinstitut ohne Verlust trennen zu können. Die Bundesregierung hatte der Bank in der Finanzkrise 2008/09 mithilfe des staatlichen Rettungsfonds SoFFin unter die Arme gegriffen und Commerzbank-Anteile für 5,1 Milliarden Euro (15,6 Prozent) erworben.

Es ist auch nicht zu erwarten, dass die zukünftige Regierungskoalition an früheren Zusagen etwas ändert: Man wolle für den Steuerzahler perspektivisch ein gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielen und man stehe nicht unter Zeitdruck. Allerdings gibt es in Berlin auch andere Ansichten: Die Beteiligung langfristig zu halten, sei von niemand beabsichtigt – irgendwann werde man einen Verlust realisieren müssen. Dennoch besteht nach dem Einstieg des neuen Großinvestors sowohl bei der Deutschen Bank als auch bei der Commerzbank neue Hoffnung, dass der Bund am Ende nicht draufzahlen muss. Schließlich könnte Cerberus, die selbst natürlich auch von einer möglichen Fusion profitieren und diese schon deshalb aktiv vorantreiben würde, dem Kurs beider Aktien den entscheidenden Kick geben.