Hohe Rendite: Länder mit schlechter Bonität kommen leicht an Kredite

Lesezeit: 2 min
21.11.2017 17:05
Auf der Jagd nach Rendite vergeben Investoren immer mehr Darlehen an Länder mit schlechter Zahlungsfähigkeit.
Hohe Rendite: Länder mit schlechter Bonität kommen leicht an Kredite

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Der Umfang der vergebenen Kredite an Staaten mit schwacher Bonität ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen.

Länder, deren Kreditwürdigkeit als sehr schwach eingestuft wird, haben seit Jahresbeginn Anleihen im Gesamtumfang von rund 75 Milliarden Dollar verkauft. Verglichen mit dem Jahr 2016 sind dies bereits rund 50 Prozent mehr und mit Blick auf die Vergangenheit so viel wie noch nie, berichtet die Financial Times.

Im gesamten Jahr 2016 belief sich die Emission als hochriskant eingestufter Anleihen auf etwa 50 Milliarden Dollar. Auf Sicht der Jahre seit 1995 betrug dieser Umfang weltweit durchschnittlich nur etwa 30 Milliarden Dollar.

Auch etwas stabiler eingestufte Schwellenländer wie Indonesien, Indien oder Brasilien haben im laufenden Jahr mehr Schulden aufgenommen, wobei hier 40 Prozent der Papiere keine Bestnote („investment grade“) erhalten haben.

Es ist vor allem der Zwang, im gegenwärtigen Niedrig- und Negativzinsumfeld Rendite zu erwirtschaften, der Investoren in den Markt für riskante Anleihen mit hohen Renditen treibt. „In der jeweiligen Landeswährung notierte Anleihen von Schwellenländern haben seit Jahresbeginn für die Investoren durchschnittlich 10,4 Prozent abgeworfen, während Anleihen solcher Staaten in US-Dollar durchschnittlich 7,6 Prozent einbrachten. Zum Vergleich: Mit US-Staatsanleihen hat man etwa 2,5 Prozent erlösen können während europäische Anleihen im Durchschnitt 0,9 Prozent rentierten“, schreibt die FT.

Beispiele für Anleiheverkäufe solcher riskanten Schuldner sind die Aufnahme von 500 Millionen Dollar durch Tadschikistan im September, des Iraks im Umfang von einer Milliarden Dollar im Sommer sowie der Ukraine im Umfang von 3 Milliarden Dollar, ebenfalls im Sommer.

Ursprünglich sollten nur 2,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der ukrainischen Papiere mit einer Laufzeit von 15 Jahren eingenommen werden – die Nachfrage der Geldgeber ließ dann aber höhere Einnahmen zu. Den Investoren wurde ein Zinssatz von 7,375 Prozent in Aussicht gestellt. Gut vier Jahre lang hatte das Land zuvor keine Anleihen mehr platziert. Etwa die Hälfte der Einnahmen sei für den Rückkauf von Altschulden geplant, sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko.

Die Ukraine ist mit mehr als 62 Milliarden Euro im In- und Ausland verschuldet. Das entspricht knapp 80 Prozent der Wirtschaftsleistung. 2015 war die Ex-Sowjetrepublik durch eine Umschuldung knapp der Staatspleite entronnen. Allein in den Jahren 2018 bis 2022 muss Kiew etwa 24 Milliarden Euro nur an ausländische Kreditgeber zurückzahlen. Aus der letzten Anleihe-Platzierung im Dezember 2013 ist in London noch eine Klage gegen die Ukraine anhängig. Kiew weigert sich, dem Nachbarn Russland umgerechnet über 2,5 Milliarden Euro Anleiheschuld plus Strafzinsen zurückzuzahlen. Die ukrainische Regierung hatte den Kredit vor dem Regierungssturz im Februar 2014 erhalten.

„Das Wachstum reflektiert die wachsende Expansion der Kapitalmärkte in Teile der Welt, die bisher kaum Zugang zu internationalen Geldgebern hatten. Es zeigt aber auch, dass fragile und wenig diversifizierte Volkswirtschaften künftig von Schwankungen im globalen Finanzsystem betroffen sein werden“, schreibt die FT. „Es gibt extrem viel Liquidität, die nach Anlagemöglichkeiten sucht. Smarte Schwellenländer haben Geldgeber gefunden, die Appetit auf riskante Schulden mit hohen Renditen haben“, wird ein Analyst zitiert.

Zusätzlich zum hohen Ausfallrisiko des Schuldners gibt es noch ein anderes Problem für die Geldgeber, nämlich die Tatsache, dass Anleihen riskanter Staaten generell nur wenig im Sekundärmarkt gehandelt werden können. „Das Problem mit der Liquidität besteht darin, dass sie am wenigsten verfügbar ist, wenn Sie sie am meisten brauchen. Und dies gilt insbesondere für seltene und riskante Emittenten“, zitiert die FT einen Analysten der Schweizer Großbank UBS. „Was ist, wenn das Risiko bei der Anschlussfinanzierung größer ist, als diese Staaten glauben? Das ist eine Überlegung, die sich offenbar nur wenige stellen.“



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