Rating-Agentur: Griechenland wird nie mehr finanziell unabhängig sein

Die Ratingagentur Scope rechnet damit, dass Griechenland auch nach Ablauf des dritten Kreditpakets auf weitere Kredite angewiesen sein wird.

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Die internationalen Gläubiger fordern von Griechenland Einsparungen und Privatisierungen für neue Kredite. Doch eine Rating-Agentur bescheinigt Griechenland keine finanzielle Autonomie. (Foto: dpa)

Die internationalen Gläubiger fordern von Griechenland Einsparungen und Privatisierungen für neue Kredite. (Foto: dpa)

Auch nach Ablauf des dritten Kredit-Programms wird Griechenland nach Ansicht der europäischen Rating-Agentur Scope auf Hilfe von außen angewiesen bleiben. „Hinter der Schuldentragfähigkeit steht noch immer ein großes Fragezeichen“, sagte der Scope-Manager Giacomo Barisone am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Daher werde weiter ein geordneter Begleitprozess nötig sein, um das Land von außen zu unterstützen: „Eine Option wäre eine vorsorglich bereitgestellte Kreditlinie des Euro-Rettungsfonds ESM. Das ließe sich aushandeln.“

Finanzielle Entlastung könnte seiner Meinung nach auch eine Aufnahme griechischer Schuldenpapiere in das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank bringen, das mindestens noch bis September 2018 läuft. Voraussetzung dafür wäre jedoch, dass sich die Kreditwürdigkeit Griechenlands relativ schnell verbessere, was wenig wahrscheinlich sei: „Das Bankensystem ist noch immer geschwächt. Und es gibt noch immer Kapitalkontrollen“, so Barisone.

Dass das Land im Juli eine fünfjährige Anleihe erfolgreich platzieren konnte, sei ein Hoffnungszeichen. Der Bonitätswächter verweist aber darauf, dass dieser Testlauf noch während des laufenden Kredit-Programms gestartet wurde. Wenn es im Sommer nächsten Jahres ende, würden die Karten neu gemischt: „Griechenland muss erst noch beweisen, dass der selbständige Marktzugang zu nachhaltigen Konditionen gesichert werden kann.“

Das Land ist seit 2010 finanziell von Krediten internationaler Geldgeber abhängig. Das dritte Programm im Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro wird im August 2018 auslaufen. Griechenlands Schuldenproblem sei nun keine Bedrohung mehr für das europäische Finanzsystem, sagte Barisone: „Europa hat auf die Krise reagiert und die nötigen Instrumente geschaffen, damit umzugehen“, so der für Public Finance zuständige Managing Director von Scope.

Tatsächlich sind die finanziellen Probleme Griechenlands nur zeitlich begrenzt gelindert worden. Langfristig bleiben sie bestehen. Die drei Kreditprogramme haben dazu geführt, dass die Gesamtverschuldung des Landes mit etwa 180 Prozent der Wirtschaftsleistung in Europa dem Spitzenplatz belegt. Die von den Geldgebern geforderten Sparmaßnahmen haben dem griechischen Volk zudem schwere Entbehrungen aufgebürdet.

Vor kurzem hatte der europäische Rechnungshof die gesamte Griechenland-Politik der EU scharf kritisiert und ihr massive Versäumnisse vorgeworfen.